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Hier haust der Geist von Kreuth: Das Tagungszentrum im Tegernseer Tal ist von der Hanns-Seidel-Stiftung gepachtet.

Wechsel im Frühjahr

Chef-Suche bei der mächtigen Hanns-Seidl-Stiftung

München - Der Kreuther Geist sucht einen neuen Hausherrn. Hinter den Kulissen der Hanns-Seidel-Stiftung hat die Fahndung nach einem neuen Chef begonnen. Bisher war das immer ein Posten für die Silberrücken der CSU.

Die kleine Runde kam zusammen, um etwas wichtiges zu besprechen. Sie ging auseinander, ohne es auch nur mit einem Wort angesprochen zu haben. Kein Satz fiel, bestätigen Teilnehmer, zur Frage des künftigen Chefs. Einer sagte nichts, die anderen fragten nicht – und so bleibt offen, wer nächstes Frühjahr eine der mächtigsten Stiftungen der Republik übernehmen wird.

Beim Treffen am Montagabend hoffte der engere Stiftungsvorstand auf eine Ansage von Hans Zehetmair. Der 77-Jährige wollte in diesen Tagen intern erklären, was er vorhat. Seit 2004 führt der Erdinger die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS). Viel spricht für einen Wechsel an der Spitze im Frühjahr. Was selten vorkommt: Im 47. Jahr HSS ist Zehetmair erst der dritte Chef.

Sein Haus ist eine der großen Parteistiftungen, die Teil des politischen Systems sind und aus Steuermitteln in zweistelliger Millionenhöhe finanziert werden. Sie leisten Entwicklungshilfe, führen Auslandsbüros, organisieren Stipendien, Tagungen und beraten die Politik. Der HSS gehört das Kloster Banz über dem Maintal, das Münchner Konferenzzentrum, sie ist Pächter im legendären Wildbad Kreuth. Im schlechten Fall ist die Stiftung eine Art Reisebüro und Gebäudeservice für die Partei; im besten Fall eine Ideenschmiede für die großen Linien der Politik, in Bayern daheim, auf jedem Kontinent bestens verdrahtet.

Zehetmairs Signale sind bisher nicht eindeutig. „Im Inneren habe ich mich schon entschieden“, sagt der ehemalige Kultusminister, „tue das aber nicht kund“. Eine Wahlmöglichkeit ist allerdings derzeit nicht erkennbar. Im Umfeld von Parteichef Horst Seehofer, der die Entscheidung dominieren wird, ist glasklar zu hören: Es müsse einen Generationswechsel in der Stiftung geben. Seehofer hat sich damit befasst, wurde mehrfach darauf angesprochen. Der Ärger der letzten zwölf Monate um ein lange verborgenes Nazi-Vermögen und der Knall, als Schimon Peres den Franz-Josef-Strauß-Preis der Stiftung öffentlich ausschlug, hallen auch bei vielen der 38 Stiftungsvorstände nach. Ein Gespräch mit Seehofer, um das Zehetmair gebeten hat, wurde noch Richtung Mitte Dezember vertagt, weil der CSU-Chef in Berlin ein paar nicht minder wichtige Personalien zu klären hat.

Die Nachfolgesuche wird schwierig. Nötig: Ein „elder statesman“, ein Silberrücken, mit internationalem Ansehen und diplomatischem Auftritt. Gefordert ist eine stabile Gesundheit, um die Reisen und das Management der hunderten Mitarbeiter zu stemmen. Viele bisher gehandelten Kandidaten winken ab. Gerda Hasselfeldt (unverzichtbar in Berlin), Christa Stewens („Ich hab’ meinem Mann versprochen, aufzuhören mit der Politik“) und Alois Glück haben keinerlei Interesse.

Die Ex-CSU-Chefs Edmund Stoiber und Theo Waigel wirken nicht interessiert, Erwin Huber ist für Seehofer ein rotes Tuch. Der Name von Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet fällt, auch von Zehetmairs langjähriger Stellvertreterin Ursula Männle. Gemurmelt wird zudem über einen der bisherigen Bundesminister. Man brauche eine Lösung mit Zukunft, seufzt einer aus dem Vorstand, aber die Lage sei völlig offen.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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