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Die Chemikalie Perfluoroctansäure wird die Menschen in Altötting noch lange belasten.

Möglicherweise krebserregend

Chemikalie in Trinkwasser wird Menschen in Altötting noch lange belasten

Jahrelang war das Trinkwasser im Landkreis Altötting von der Chemikalie PFOA belastet. Die Menschen könnten in Zukunft unter schweren Erkrankungen leiden. 

Altötting - Die Chemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) wird die Menschen der oberbayerischen Region Altötting noch über viele Jahre belasten. Das ergibt sich aus einer Antwort der Staatsregierung auf eine parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Florian von Brunn.

Haben die Behörden zu spät gehandelt?

Der Stoff, der nach Experteneinschätzung eine Reihe von Krankheiten wie auch Krebs begünstigen könnte, war 2016 bei Kontrollen in Blutspenden aus der Gegend festgestellt worden. Inzwischen wurden Trinkwasserbrunnen geschlossen und zusätzliche Aktivkohleanlagen eingebaut, um das Wasser zu reinigen. Wie von Brunn dem Bayerischen Rundfunk mitteilte, waren die Maßnahmen seiner Meinung nach aber nicht genug. Seit 2006 habe man bereits von dem belasteten Trinkwasser gewusst, jedoch nicht nicht aus Vorsorgegründen gehandelt. Die Belastung werde aufgrund der hohen Halbwertszeit im Blut nur langsam abnehmen, teilte die Staatsregierung auf Anfrage des SPD-Umweltpolitikers mit. Die Halbwertszeit liege laut Umweltbundesamt bei dreieinhalb Jahren, erläuterte von Brunn dazu.

„Wer weiß schon, welche Erkrankungen durch diese Chemikalie ausgelöst werden?“

Er forderte eine umfassende Information der Bevölkerung über die Belastung des Trinkwassers. „Es reicht nicht, die Werte irgendwo auf die Homepage des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zu stellen. Die Menschen müssen von den Behörden aktiv auf dem Laufenden gehalten werden.“ Der örtliche SPD-Abgeordnete Günther Knoblauch verlangte, die Verantwortung für die Kosten und eventuelle Gesundheitsschäden zu klären. „Die Menschen im Landkreis Altötting dürfen mit den Folgen nicht allein gelassen werden. Wer weiß schon, welche Erkrankungen durch diese Chemikalie ausgelöst werden?“

Wie der Bayerische Rundfunk ebenfalls berichtet, ist nicht bekannt, ab welcher Konzentration die Chemikalie der Gesundheit schaden kann. Es gäbe lediglich einen Leitwert, der den Angaben des Gesundheitsministeriums zufolge von den lokalen Wasserversorgern „in der Regel“ eingehalten wurde. Nach Blutuntersuchungen stand jedoch fest, dass die Einwohner aus dem Landkreis Altötting bis zu 20 mal stärker belastet waren als vergleichsweise Menschen in München und Passau.

Die Chemikalie stammte aus der Produktion einer Firma im Chemiepark Gendorf im Landkreis. Das Gesundheitsamt Altötting nahm seit 2006 Trinkwasserproben; ab 2009 wurde laut Staatsregierung sauberes Wasser zugemischt und eine erste Aktivkohlefilteranlage installiert. Im vergangenen Jahr reichte das nicht mehr. Nach einer Verschärfung des Wertes 2016 wurden laut Staatsregierung Brunnen außer Betrieb genommen und der Einbau weiterer Aktivkohlefilteranlagen geplant.

Die Chemikalie sei schädlich für die Fortpflanzung und möglicherweise krebserregend

Die Chemikalie PFOA, die unter anderem Kleidungsstücken wasser-, schmutz- und fettabweisende Eigenschaften verleiht, kann sich einer Veröffentlichung des Umweltbundesamtes zufolge in Organen anreichern, etwa in Lunge, Leber und Niere. Es sei schädlich für die Fortpflanzung und gelte als krebserregend, heißt es in der Veröffentlichung. Diese stützt sich unter anderem auf Erfahrungen aus den USA anhand von Untersuchungen mit fast 70 000 Menschen, die in der Nähe einer Fabrik lebten.

Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) teilte unter Verweis auf das Krebsregister mit, es gebe derzeit keine Hinweise auf ein relevant erhöhtes Risiko für Hoden- beziehungsweise Nierenkrebs in der Region bei Altötting. „Vorläufig kann geschlussfolgert werden, dass bei der Höhe der internen Belastungen im Raum Altötting, auch im Vergleich zu den Effekten, die in den USA bei einer höher belasteten Bevölkerung beobachtet wurden, schwerwiegende Gesundheitseffekte nicht wahrscheinlich sind.“

Wirkungen auf den Fettstoffwechsel und die Schilddrüsenhormone könnten aber nicht ausgeschlossen werden, teilte das LGL weiter mit. Aus Vorsorgegründen müsse die interne Belastung der Bevölkerung im Raum Gendorf gesenkt werden. „Dies ist nur mit einer konsequenten Verstopfung der Quellen, hier des Trinkwassers, zu erreichen.“

dpa

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