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Umstritten: Das Grabmal auf der Fraueninsel. Es kann nun weiter unverändert existieren. 

Es erinnert an einen Kriegsverbrecher

Umstrittenes Jodl-Grabmal darf bleiben

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Im Streit um das Jodl-Grabmal auf der Fraueninsel im Chiemsee hat das Verwaltungsgericht München ein Urteil gesprochen.  Auf dem Friedhof wird wohl keine Ruhe einkehren. 

Chiemsee – Auf der Fraueninsel im Chiemsee wird es weiterhin das umstrittenen Jodl-Grabmal geben. Es erinnert an den 1946 als Kriegsverbrecher hingerichteten Generaloberst Alfred Jodl, der als Chef des Wehrmachtführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht an führender Stelle an der Planung des Angriffs auf die Sowjetunion beteiligt war. 

Jodl-Grab darf 20 Jahre weiter genutzt werden

Das Verwaltungsgericht München hat der Klage des derzeitigen Grab-Inhabers Recht gegeben. Der Mann hatte geklagt, weil die Gemeinde Chiemsee das Grabnutzungsrecht nicht verlängern wollte. Das Nutzungsrecht hat er sich jetzt erstritten und darf das Grab 20 Jahre lang weiter nutzen. Wie Merkur.de* berichtete, hatte der Gemeinderat von Chiemsee vergangenes Jahr beschlossen, das Jodl-Grabmal zu entfernen. 

Das Jodl-Grab ist seit mindestens fünf Jahren umkämpftes Terrain. Damals machte unsere Zeitung auf das Grab aufmerksam, an dem sich auch schon Neonazis getroffen haben. Jodl ist an der Grabstelle gar nicht bestattet, denn er war nach seinem Tod durch den Strang verbrannt und seine Asche in der Isar verstreut worden. Wohl aber wurde Jodls erste Ehefrau Irma auf der Insel dort beerdigt, später weitere Verwandte und auch Jodls erst 1998 verstorbene zweite Ehefrau Luise.

Auf dem Friedhof ist genug Platz für das Jodl-Grab 

Nach 20 Jahren war Ende 2018 nun das Grabnutzungsrecht ausgelaufen, das die Gemeinde nicht verlängern wollte. Dem Bürgermeister Georg Huber und dem achtköpfigen Gemeinderat war der Rummel um das Grab zu viel geworden. Offiziell begründet wurde die verweigerte Verlängerung mit Platzmangel auf dem Friedhof.

Dies jedoch hatte nun vor Gericht keinen Bestand. Eine Besichtigung vor Ort habe ergeben, dass noch „genügend Platz vorhanden“ ist, wie Gerichtssprecher Martin Friedrich erklärt. Auch „der besondere geschichtliche Hintergrund“ rechtfertige die Ablehnung nicht. Ein Vergleich mit dem Kläger, der eine Abdeckplatte über den Namen Alfred Jodl anbringen wollte, war zuvor gescheitert.

„Ein Familiengrab mit einem gewöhnlichen Grabstein“

Das Gericht verbindet das Urteil mit Ausführungen, die der Münchner Aktionskünstler Wolfram Kastner empörend findet. So stellte das Gericht fest, das Grabmal sei kein Denkmal, sondern „ein Familiengrab mit einem gewöhnlichen Grabstein“ – falsch, wie Kastner meint. Denn der Name Jodl sei auf einer Art „Ehrenkreuz“ zu lesen. Auch hätten sich nicht nur einmal „fünf NPD-Anhänger“ am Grab getroffen, sondern mehrmals Neonazis. Kastner nennt das Gericht „Verharmlosungsrichter“. Er hatte in der Vergangenheit das Grab mehrmals mit roter Farbe beschmiert. „Der braune Mist muss weg“, sagt Kastner.

Der Insel-Bewohner Georg Wieland hofft, dass die Gemeinde Widerspruch gegen das Urteil einlegt. Das wäre Aufgabe des Gemeinderats. Der Bürgermeister Georg Huber will sich indes noch nicht äußern. „Ich will erst das schriftliche Urteil haben.“ Es müsse eine „anständige Lösung“ gefunden werden, meint Wieland weiter. Am besten wäre es, so sagt er, den Gedenkstein an Jodl nicht einfach zu entfernen, sondern mit einer Stele am Friedhof über die Untaten Jodls aufzuklären. 

Alfred Jodl wurde im Nürnberger Prozess 1946 als Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt und hingerichtet. Jodel ist in dem Grab nicht bestattet. Seine Asche wurde von den US-Amerikanern in der Isar verstreut. In dem Grab liegen Angehörige von ihm.

Dirk Walter

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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