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Chiemsee Reggae Festival: Landwirte klagen 

Übersee/München – Für viele Jugendliche ist das eines der Sommer-Events schlechthin: das Chiemsee Reggae Festival in Übersee. Doch zwei Landwirte sind alles andere als begeistert. Sie klagen vor Gericht.

Zum 18. Mal findet heuer Ende August in Übersee (Kreis Traunstein) das Chiemsee Reggae Festival statt. 25 000 Besucher werden wieder in der 5000 Einwohner starken Gemeinde erwartet. Doch das Festival bedeutet nicht für jedermann Musikgenuss pur.

Zwei Biobauern aus Übersee könnten angesichts der Verschmutzung ihrer Weiden verzweifeln. Weil sie von der Gemeinde nicht die erhoffte Unterstützung bekommen, sind sie vor das Verwaltungsgericht München gezogen. Am morgigen Donnerstag, 14. Juni, wird verhandelt. Ihre Klage beinhaltet die Forderung, dass um ihre Wiesen ein zwei Meter hoher Bauzaun mit Sichtschutz gezogen wird. Zu gefährlich, argumentieren Gemeinde und Konzertveranstalter. „Dagegen spricht schon allein das Sicherheitskonzept“, sagt dessen Rechtsanwalt Franz Erlmeier. Sollte Panik ausbrechen, könnten die Absperrungen zur tödlichen Falle werden.

Für den Kläger-Anwalt Gregor Schneider ist das ein künstlich konstruiertes Argument. Denn die betroffenen Flächen der beiden Landwirte würden sich viel zu weit vom Festgelände entfernt befinden. Das aber wiederum sowie der angrenzende Campingplatz werde teilweise durch einen doppelten Bauzaunring umgeben. „Wer bis zu den Grundstücken unserer Mandanten vordringt, der hat schon drei Zäune überwunden“, sagt Schneider.

Aufgrund der Milchviehhaltung nach ökologischen Gesichtspunkten brauchen die Tiere das Gras der Weiden, argumentiert der Jurist der Landwirte. In den vergangenen Jahren wurden die Flächen immer wieder durch Scherben, Dosen, Papier und Fäkalien verschmutzt. Trotz der Reinigung der Felder, bei der einer der Bauern auch selber mithalf, ließ sich nicht alles aus dem Gras entfernen – wie zum Beispiel Kronkorken.

Nicht minder schlimm sind für die Bauern aber auch die nächtlichen Gaudiauswüchse der Festivalbesucher. Im vergangenen Jahr versuchten sich einige Burschen mit Rodeo-Reitversuchen auf den Kühen der Kläger. Bereits 2011 riefen die Bauern im Eilverfahren das Verwaltungsgericht an. Die Richter entschieden, dass die Gemeinde geeignete Maßnahmen zu ergreifen habe und ordneten Sicherheitspersonal sowie Absperrbänder an.

Laut Übersees 1. Bürgermeister Marc Nitschke konnten die Auflagen erfüllt werden: „In meiner Sprechstunde gab es nach dem Festival keine einzige Beschwerde“, sagte er. Das allerdings führt der Anwalt der Kläger auf den finanziellen Gewinn zurück, der in Übersee durch das Fest gemacht wird. Er ist zuversichtlich für das Verfahren und rechnet mit einem Sieg. Sein Kontrahent hingegen kann sich nicht vorstellen, dass das Verwaltungsgericht anders entscheidet als im Eilverfahren.

Angela Walser

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