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Und Klappe! Christian Rach bei den Dreharbeiten mit „La petite france“-Chef Tanguy Doron (42) in der Küche.

Hier rührt Restaurant-Tester Rach hinter den Kulissen

Freising - Sternekoch und Restaurant-­Tester Christian Rach in Freising im La petite France in der Freisinger Düwellstraße zu Gast. Die tz war mit dabei.

Die Schwiegermütter lieben ihn ebenso wie die Teenie-Mädels, aber auch der Jungunternehmer erliegt seiner charmanten, ironischen Art: Wenn Sternekoch Christian Rach Restaurants rettet, die kurz vor der Pleite stehen, schalten regelmäßig über sechs Millionen Deutsche den Fernseher ein – und das schon seit 2006. In dieser Woche ist der Restaurant-­Tester in Freising im La petite France in der Freisinger Düwellstraße (siehe unten) zu Gast. Seit Dienstag zer­brechen sich Rach und sein Team gemeinsam mit dem Restaurant-Chef Tanguy ­Doron den Kopf, wie sie mit einem neuen Konzept, einer veränderten Speisekarte und einer Frischzellenkur für den großen Raum mehr Gäste in das Restaurant locken können. Schon an diesem Wochenende – wohl am Sonntag ab 18 Uhr – soll die große Neueröffnung stattfinden. Auf RTL läuft diese Folge dann voraussichtlich im kommenden Frühjahr zum Start der neuen Staffel. Die tz war am Freitag bei den Dreharbeiten dabei:

Der Wirt hält den Atem an

Es sind diese Sekunden der Stille, die jeder Restaurant-Besitzer fürchtet. Zwischen dem letzten Bissen und dem Moment, wenn der große Rach sein Urteil fällt. Der Wirt des Freisinger La petite France, Tanguy Doron (42), hält den Atem an, als Christian Rach sein Crêpe probiert. Jetzt kommt’s: „Draußen steht Crêperie! Was servierst du mir dann so einen scheiß trockenen Lappen!?“ Das ist Rach, wie ihn die Zuschauer lieben. Gnadenlos und direkt.

Ein neuer Anstrich fürs „La petite france“: Der Freisinger Malermeister Willi Ottawa und seine Mitarbeiter verpassen dem Restaurant ein sanfteres, gemütlicheres Ambiente – Rach ist der ganze Laden zu bunt und unruhig. Ottawa wurde erst am Tag zuvor gefragt, ob er helfen wolle.

Hinter den Kulissen geht’s ruhiger zu. Kein Drehbuch, keine Klappe, nur eine Kamera, das feste Team besteht gerade mal aus sechs Leuten. Rach dirigiert nicht, er packt selber an. Er hackt in der Küche den Ochsenschwanz. Als Aufnahmeleiterin Svenja merkt, dass das gute Bilder gibt und mit den Kameraleuten hineinrauscht, plaudert er einfach weiter. Er setzt sich nicht in Szene, hat nicht einmal jemanden, der ihm das Gesicht pudert. Das ganze Team schläft im Mariott Hotel um die Ecke, Rach ist genauso wie seine Mitarbeiter am Dienstag angereist und wird am Sonntag oder Montag wieder fahren.

Als der Hamburger Sternekoch den Freisinger Malermeister Willi Ottawa am Mittwoch anruft und fragt, ob er spontan Interesse hätte, den neuen Anstrich zu übernehmen, antwortet dieser, er habe an diesem Abend viele Termine und könne erst gegen 22 Uhr. Für Rach kein Problem. Ottawa trifft zehn Minuten später ein. Da steht Christian Rach auf der Straße, das Team hat schon Feierabend gemacht. Er kommt lächelnd auf den Freisinger zu und sagt: „Schön, dass Sie es einrichten konnten.“

Rach ist nicht nur vor der Kamera ein Arbeitstier. Drehtage von 10 bis 22 Uhr sind normal. Bis zu sieben Tage hintereinander. Im La petite france gibt es zwischendrin eine Wurstsemmel und Lakritze aus der Familienbox. „Um abends runterzukommen, gehen wir dann oft gemeinsam essen. Wenn es gut schmeckt, kann ich loslassen und durchatmen“, sagt Rach.

Der Augustinerkeller: "Das ist Bayern" 

In München geht der Sternekoch am liebsten ins Tantris zu seinem Kumpel Hans Haas: „Die Langusten und die Milchlammkeule sind ein Gedicht.“ Aber es muss nicht immer Haute Cuisine sein, oft zieht es Rach in den Augustinerkeller. „Das ist so ’ne emotionale Kiste: Ich finde es einfach toll mit den vielen Münchner Bedienungen, die Hektik, das Klirren der Bierkrüge – ja, das ist Bayern für mich.“

Bei diesem Einsatz in Freising allerdings hat er es noch nicht in die Landeshauptstadt geschafft. In den ersten drei Tagen waren er und der Restaurant-Chef nur damit beschäftigt, zu reden und ein neues Konzept auszutüfteln. „Du bist die Seele des Ladens, du musst spüren, dass die Atmosphäre fehlt. Die Erkenntnis muss aus dem Herzen kommen“, predigt Rach dem französischen Wirt immer wieder. „Man muss die Menschen ernst nehmen. Wenn man sie verarscht, gehen sie nicht durchs Feuer – und das müssen sie.“ Rachs Erfolgsrezept. Und Tanguy Doran glaubt daran. Er muss. Rach ist seine letzte Chance, sonst stehen er und seine Mitarbeiter auf der Straße. Deshalb hat sich seine Frau vor zwei Monaten für ihn beworben, mit einer kurzen Mail. Auf Nachfrage haben die beiden dann Fotos und mehr Infos an die Redaktion in Köln geschickt. Kurz darauf stand eine Casting-Redakteurin im Lokal, um ihn zu filmen.

Vergangene Woche dann die Zusage. Die war etwas gemein: „Erst hat die Redakteurin gesagt, sie könnten nicht kommen, dann, nach einer Pause, hat sie hinzugefügt: , … im August, sondern erst im September.‘“ Doran hätte heulen können vor Freude. Mit den kleinen Tricks ging es weiter: Rach und sein Team waren für Donnerstag angekündigt, standen dann aber schon am Dienstag vor der Tür. Damit die Überraschung wirklich echt ist. Seit Rach und sein Team in Dorans Lokal Regie führen, muss der immer auf der Hut sein. Rach hat seine Augen überall. Als er in einer Pause von der Toilette zurückkommt, brummelt er dem Restaurant-Chef zu: „Die Spülung im mittleren WC klemmt. Muss gemacht werden.“

Nina Bautz

Der Wandel im Restaurant

La petite France.

An den Preisen kann’s nicht liegen: Ein Flamm­kuchen im La Petite France in der Freisinger Düwellstraße 18 kostet 6,50 Euro, der Fischteller 9,90 Euro. Dass der Inhaber, der Franzose Tanguy Doron (42), der trotz Gastro-Erfahrung schon ein dreiviertel Jahr nach der Eröffnung kurz vor der Pleite steht, ist wohl eher der Lage abseits des Zentrums geschuldet, mitten in einem Wohngebiet.

Und an der fehlenden landestypischen Atmosphäre im Inneren – mit seiner riesigen Glasfront und Schwarz-Weiß-Bildern wirkt das Restaurant eher wie eine Bar. „Wenn ich hier rausgehe, muss ich mich fühlen, als wäre ich zwei Stunden im Frankreichurlaub gewesen“, rät Christian Rach. Zwei Tage vor der Eröffnung aber ist noch keine Veränderung zu sehen. „Das kommt noch“, verspricht Doron, und Rach verrät nur so viel: „Es wird ein Franzose in Bayern.“

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