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Bis heute wurde die Leiche der kleinen Peggy nicht gefunden

Experte über mysteriösen Fall

Verdächtiger "trug Medaillon mit Peggys Foto"

München - Für sein Buch „Der Fall Peggy – Die Geschichte eines Skandals“ hat Christoph Lemmer intensiv recherchiert. Wir sprachen mit dem Journalisten: Er kritisiert die Arbeit der Ermittler.

Im Fall der kleinen Peggy hat es eine spektakuläre Wende gegeben. Der Journalist Christoph Lemmer beschäftigt sich seit Jahren mit dem Fall Peggy. Er hat mit Ermittlern gesprochen, vor Ort recherchiert und hatte Einblick in sämtliche Akten des Falls. Gemeinsam mit Ina Jung hat er das Buch „Der Fall Peggy – Die Geschichte eines Skandals“ veröffentlicht. Er kritisiert die Arbeit der Ermittler.

Der Mann aus Halle war damals schon tatverdächtig. Nach dem Geständnis von Ulvi K. hat die Polizei die Ermittlungen gegen ihn eingestellt. War das ein fataler Fehler?

Es war ein dramatischer Fehler, wenn er wirklich Peggys Mörder ist. Zumal er inzwischen wegen drei weiterer Fälle von Kindesmissbrauch aktenkundig geworden ist. Wegen Missbrauchs seiner damals zwei Jahre alten Tochter ist er zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, vor drei Wochen hat er gestanden, ein neunjähriges Mädchen missbraucht zu haben. Außerdem läuft ein Verfahren, weil sein Bruder ihn wegen Missbrauchs seiner Tochter angezeigt hat.

Wieso rückt er erst jetzt wieder ins Visier der Ermittler?

Für einige Polizisten war er immer der Hauptverdächtige. Sie haben sein Alibi überprüft – und herausbekommen, dass er gelogen hatte. Er hatte angegeben, damals am Tag, als Peggy verschwand, in der Berufsschule gewesen zu sein. Tatsächlich hatte er damals geschwänzt. Das hat die Ermittler sehr misstrauisch gemacht – aber nach Ulvi K.s Geständnis mussten sie sich auf ihn konzentrieren.

Hatten Sie Zweifel an dem Geständnis?

Ja. Ulvi K. hat in allen Vernehmungen darauf beharrt, dass er nichts getan habe. Dann ist ihm gesagt worden, man habe Blutflecken von Peggy an seinem Overall gefunden – das war frei erfunden. Er hat ein zweistündiges Verhör durchgehalten und auf seiner Unschuld bestanden. Als sein Rechtsanwalt weg war, ging angeblich das Aufnahmegerät kaputt. Und den Tathergang, den das Gericht im Urteil beschreibt, halte ich für widerlegt.

Wieso?

Es gibt glaubwürdige Zeugen, die Peggy noch nach ihrem Verschwinden gesehen haben – zu Zeitpunkten, für die Ulvi K. Alibis hat. Der ganze Fall ist völlig rätselhaft. Was damals passiert ist, wird man erst rekonstruieren können, wenn der Täter gefasst ist. Aber es gibt viel mehr Indizien gegen den Mann aus Halle.

Was haben Sie noch herausgefunden?

Aus der Polizeiakte geht hervor, dass er Mittäter und Mitwisser gehabt haben muss. Es gibt einen Hinweis auf einen jungen Mann aus seiner Clique, mit dem sich der 29-Jährige immer wieder über Peggy unterhalten hat. Der Mann aus Halle hat ein falsches Alibi, trug ein Medaillon mit Peggys Foto um den Hals und hatte in seinem Zimmer eine Art Schrein mit Andenken an sie errichtet. Außerdem wurde in ihrem Schulheft ein Zettel mit seiner Nummer gefunden. Es scheint, dass er schwer in sie verschossen war. Sie sei wie eine Schwester für ihn, hatte er einmal gesagt.

Hier suchte die Polizei nach Peggys Leiche

Hier sucht die Polizei nach Peggys Leiche

Sind Sie bei Ihren Recherchen noch auf weitere Verdächtige gestoßen?

Es gibt unzählige Spuren, denen wir für das Buch nachgegangen sind. Erst heute ist wieder ein dubioser Brief bei mir angekommen, in dem steht, dass Peggy lebt und es ihr gut geht. Es ist schwer, Spreu von Weizen zu trennen. Aber letztendlich gibt es eine Spur mit handfesten Indizien. Sie führt nach Halle.

Interview: Katrin Woitsch

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