+
Auf diesem Friedhof wurde ein Grab ausgehoben in der Hoffnung, Peggys sterbliche Überreste dort zu finden.

Interview mit Buch-Autor

"Peggys Mutter wird nie informiert"

  • schließen

Lichtenberg - Christoph Lemmer hat das Buch „Der Fall Peggy“ (Droemer-Verlag, 2013) geschrieben. Unsere Zeitung sprach mit ihm über die jüngsten Ereignisse.

Christoph Lemmer sichtete Akten, sprach mit Zeugen, Verdächtigen – kaum ein Laie kennt so viele Details wie der Radio-Journalist. Seine Recherchen trugen dazu bei, dass das Verfahren gegen Ulvi K. neu aufgerollt wird.

Haben Sie mit dem Grab-Aushub gerechnet?

Überhaupt nicht! Ich war völlig von den Socken. Ich dachte in der Früh sogar kurz: Der Fall ist gelöst, endlich taucht das Wichtigste, was man für einen Mordprozess braucht, auf: die Leiche.

Was ließ Sie hoffen?

Nun, ich finde die Möglichkeit, den Leichnam dort zu verstecken, aus Tätersicht clever. Und das widerspricht auch den bisherigen Erkenntnissen nicht. Mein Adrenalin-Spiegel ging wirklich hoch.

Wenn Sie schon durcheinander waren – wie geht es erst Peggys Mutter?

Ich habe regelmäßig Kontakt mit ihr, wegen der aktuellen Sache aber nicht. Sie ist aber wohl sehr aufgelöst. Was Peggys Mutter immer wieder ärgert, bestimmt auch diesmal: Sie wird über solche Aktionen nie im Vorfeld informiert. Erst, wenn es soweit ist, wird sie von ihrer Anwältin aus dem Bett geklingelt und erfährt, dass jetzt vielleicht die Knochen ihrer Tochter gefunden werden. Das ist unmöglich.

Es heißt, auch die Familie der verstorbenen Frau wurde erst in den Morgenstunden über die Ausgrabung informiert.

Ja, die Methoden der Ermittler sind robust. Aber verständlich ist auch, dass sie nicht wollen, dass Journalisten im Vorfeld von einer solchen Aktion erfahren.

Wie wirkt sich der Wirbel auf die Stimmung im Dorf aus?

Mir tun die Lichtenberger leid, die sind seit Jahren geschlagen. Aber das wird sicher noch eine ganze Weile so weitergehen – da liegt noch mehr auf dem Tisch, was zu einer Überprüfung führen wird.

Warum sind die Ermittler in letzter Zeit denn so aktiv? Aktionismus?

Der Begriff hat einen negativen Beigeschmack. Um den Fall gab es im vergangenen Jahr viel Wirbel. Ich glaube, die Ermittler wollen sich einfach nicht wieder vorwerfen lassen, sie hätten nicht alle offenen Fragen abgeklärt. Polizei und Staatsanwaltschaft stehen unter großem Druck, sie arbeiten wirklich sehr detailfixiert.

Was heißt das?

Ich war vor drei Wochen in Halle, auf den Spuren von Holger E., einem Verdächtigen. Ich habe mit vielen Leuten aus seinem Umfeld geredet und niemanden gefunden, der noch nicht von der Polizei verhört worden ist.

Bilder: Polizei durchsucht Grab nach Peggys Leiche

Bilder: Polizei durchsucht Grab nach Peggys Leiche

Liegt der Eifer vielleicht daran, dass im April das Verfahren gegen Ulvi K. aufgerollt wird?

Nein, das sind zwei verschiedene Dinge. In dem Verfahren geht es allein um die Schuldfrage von Ulvi auf Basis der vorliegenden Akten.

Das Interview führte: Carina Lechner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bilanz von 3,4 Milliarden: Noch sprudelt die Kirchensteuer für das Erzbistum
Die Finanzsituation der Erzdiözese München und Freising kann sich sehen lassen. Der Generalvikar erklärt: Die Kirche müsse teure Wandlungsprozesse finanzieren.
Bilanz von 3,4 Milliarden: Noch sprudelt die Kirchensteuer für das Erzbistum
Fall Ursula Herrmann: Tonbandgerät spielt erneut wichtige Rolle vor Gericht
Im Zivilprozess um den Entführungsfall Ursula Herrmann vor 37 Jahren wird sich das Landgericht Ausburg noch einmal mit dem zentralen Indiz beschäftigen.
Fall Ursula Herrmann: Tonbandgerät spielt erneut wichtige Rolle vor Gericht
Autofahrer fährt an Graben vorbei - darin macht er schreckliche Entdeckung
Es war gegen 12 Uhr als ein Autofahrer an einer Kreisstraße im Landkreis Kronach den Motorradfahrer in einem Graben entdeckte. Die Polizei rätselt über die Unfallursache.
Autofahrer fährt an Graben vorbei - darin macht er schreckliche Entdeckung
Flugtaxis sollen in Zukunft in Ingolstadt in die Luft gehen 
Der Raum Ingolstadt soll deutsche Modellregion für die Erprobung von Flugtaxis werden. Klingt verrückt, ist aber wahr.
Flugtaxis sollen in Zukunft in Ingolstadt in die Luft gehen 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.