Der Hausmüll ist mehr geworden berichtet Thomas König, Chef des Abfallheizkraftwerkes Geiselbullach im Kreis Fürstenfeldbruck.
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Der Hausmüll ist mehr geworden berichtet Thomas König, Chef des Abfallheizkraftwerkes Geiselbullach im Kreis Fürstenfeldbruck.

Die Folgen der Corona-Krise

Abfallbilanz: Die Hausmüll-Berge wachsen

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Die Corona-Pandemie verändert den Müll. Inzwischen gibt es erste Erkenntnisse, wie sich die Lockdowns auf den Abfall ausgewirkt haben – die Restmülltonnen waren oft voller als sonst.

München – „Die Abfallwirtschaft“, sagt Thomas König, Vorstand des Gemeinsamen Kommunalunternehmens für Abfallwirtschaft (GfA) der Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck, „ist ein Spiegelbild der Gesellschaft.“ Dementsprechend groß war dort die Unsicherheit, als die Corona-Pandemie in Deutschland vergangenes Jahr Fahrt aufgenommen hat. „Wir wussten nicht, wie der Verbraucher reagiert und konnten gar keine Prognosen machen“, sagt er. In dem Heizkraftwerk in Geiselbullach (Kreis Fürstenfeldbruck) wird Restmüll aus Privathaushalten und gewerblicher Abfall verbrannt. Jetzt ist klar: „Die Anlieferungen aus den Privathaushalten sind gestiegen“, sagt König. Waren es 2019 rund 62 100 Tonnen, so fielen 2020 rund 66 000 Tonnen Restmüll an – eine Zunahme von rund sechs Prozent.

An den Wertstoffhöfen ist ebenfalls spürbar, dass mehr Hausmüll entsteht. „Es werden mehr Sperrmüll, Abfälle aus Umbauten und Altglas abgegeben“, berichtet zum Beispiel der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Fürstenfeldbruck.

Auch, dass in Zeiten geschlossener Geschäfte Paketbestellungen zugenommen haben, macht sich bemerkbar. „Oft werden die Pakete nicht zusammengetreten“, sagt Evi Thiermann vom Abfallwirtschaftsbetrieb München. Die Folgen: Volle Container und Kartonagen, die herumliegen. „Dann müssen unsere Mitarbeiter erst einmal von Hand den Stellplatz freiräumen“, berichtet sie.

Auf Probleme an Container-Plätzen weist zudem Rüdiger Weiß vom Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen hin: „Weil die Container schneller voll waren, haben immer wieder Leute Säcke daneben hingestellt“, erzählt er. „Wenn dann der Wind kommt, bläst er den Abfall umher.“

Eine Zunahme von Verpackungsmüll wie Pizzakartons und Versandpackungen hätten auch die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger festgestellt, erklärt ein Sprecher des Landesamts für Umwelt. „Ob sich dadurch die absolute Menge an Hausmüll verändert, können wir erst nach Auswertung der Abfallbilanz erkennen.“ Diese wird erst Ende 2021 veröffentlicht.

Eine Schätzung gibt es bereits von der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW). Demnach ist der Hausmüll um zehn Prozent gestiegen. Bei den Verpackungen betrug der Anstieg zwischen sechs und acht Prozent, darunter über sechs Prozent mehr Altglas, über sechs Prozent mehr Papier und Pappe sowie über acht Prozent mehr Leichtverpackungen. Der Biomüll ist um achteinhalb Prozent gestiegen. „Der Bioabfall ist vor allem im ländlichen Bereich nach oben gegangen. Dort waren die Leute mehr im Garten“, sagt Isabelle Henkel von der DGAW. Besonders während des ersten Lockdowns wurde zudem mehr Sperrmüll entsorgt – was sich wieder normalisiert hat. „Die Menschen haben wohl jetzt schon alles aufgeräumt“, vermutet Henkel.

Eines sei sicher, betont Weiß: „Es gibt keinen Engpass bei der Hausmüllentsorgung.“ Die bayerischen Entsorgungsunternehmen bewerten das Geschäft im Corona-Jahr unterschiedlich. „Die allgemeine Einschätzung ist, dass wir mit einem blauen Auge davon kommen“, sagt er. „Aber die Auswirkungen sind auf die einzelnen Entsorger sehr unterschiedlich.“ Wer etwa viel Umsatz mit Flughafenmüll oder Gaststättenabfällen macht, für den sei es nicht so gut gelaufen.

Deutschlandweit schätzt die DGAW, dass der gewerbliche Müll im Schnitt um 5,3 Prozent zurückgegangen ist. Insgesamt sei damit die Gesamtabfallmenge in Deutschland ungefähr gleich geblieben. 2,79 Millionen Tonnen mehr an Haushaltsabfällen als im Vergleichsjahr 2017 stünden 2,81 Millionen Tonnen weniger Gewerbe- und Industrieabfälle gegenüber.

Im Heizkraftwerk Geiselbullach dagegen gab es kaum Veränderungen bei der Menge an gewerblichen Müll, berichtet Vorstand Thomas König: „Es gibt bei uns nach wie vor eine hohe Bautätigkeit“, erklärt er. „Dieser Müll fällt weiter an.“

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