Markus Söder (CSU) weiß eine Maß Bier offenbar zu schätzen. 
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Markus Söder (CSU) weiß eine Maß Bier offenbar zu schätzen. 

Auffälliger Zusammenhang

Coronavirus: Massive Ausbreitung in Bayern - ist die Ausrichtung der Starkbierfeste Schuld? 

  • Moritz Bletzinger
    vonMoritz Bletzinger
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In keinem deutschen Bundesland sind so viele Menschen am Coronavirus erkrankt, wie in Bayern. Experten rätseln und haben einen Verdacht: Liegt es am Bier?

  • Das Coronavirus greift in ganz Deutschland um sich. 
  • In einigen Landkreisen in Bayern sind die Fallzahlen auffällig hoch
  • Mit einem Wegweiser geben wir zu unserem Coronavirus-Informationsangebot einen Überblick.

München - Bier helfe gegen das Coronavirus*, hieß es, der PH-Wert von Alkohol soll den Erreger abschrecken. Doch nun steht der Gerstensaft auf einmal unter dringendem Verdacht, das Ausmaß der Krise in Bayern* drastisch beeinflusst zu haben.

Coronavirus: Bier unter Verdacht - Bayerische Feste der Grund für die extreme Ausbreitung?

Genauer gesagt dreht sich die Vermutung um das Starkbier und die dazugehörigen Feste. Anfang März haben sie Saison, und die fand auch heuer wie gewohnt statt. Erst danach wurde in Bayern gehandelt. Hat die Regierung im Freistaat zu lange geschlafen?

Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident und Vorsitzender der Freien Wähler in Bayern, ist hocherfreut, dass trotz aller Hysterie und Panik mehr als 400 Besucher den Weg zum Starkbierfest gefunden haben“, berichtete die Süddeutsche Zeitung am 8. März aus Ismaning* und zitierte den Politiker, der heute über eine Ersatz-Wiesn grübelt*. „Gut, dass Sie das Fest nicht abgesagt haben“, frohlockte Aiwanger auf der Bühne, Starkbierfeste seien „der natürliche Feind des Coronavirus“.

Coronavirus in Bayern: Auffälliger Zusammenhang zwischen Starkbierfesten und Menge der Fallzahlen

Diese gewagte These scheint sich nun als komplett daneben zu bewahrheiten. Acht der zehn am stärksten betroffenen Landkreise in Deutschland* finden sich in Bayern. Trauriger Spitzenreiter im „Ranking“ des Robert-Koch-Instituts ist der Landkreis Tirschenreuth, und das mit großem Abstand. Auch hier fand noch im März ein großes Starkbierfest statt.

Lesen Sie auch: Abgeordneter stellt Starkbierfest-Anzeige gegen Rosenheim - sein eigenes Verhalten entlarvt ihn*

Gegen den Vorwurf, die Veranstaltung sei Hauptursache für das Ausmaß der Krise, wehren sich Landkreis und Stadt nun im Spiegel. Das Fest von Mitterteich könne keinesfalls als alleinige Ursache für die extrem hohen Fallzahlen* bestimmt werden, heißt es in der Erklärung.

Coronavirus: Zahlen in manchen Landkreisen extrem hoch - überall dort wurde gefeiert 

Nicht von der Hand zu weisen ist aber, dass in jedem der vier am stärksten betroffenen Landkreise so ein Fest stattgefunden hatte. Auch in Wunsiedel, Neustadt und Rosenheim ließ man sich nicht vom Feiern abbringen. 

Man muss den kommunalen Entscheidungsträgern zugutehalten, dass Bundesregierung und Gesundheitsamt zu diesem Zeitpunkt keinerlei Vorgaben getätigt hatten. „Absolut grünes Licht“ habe es sogar für das Starkbierfest im Landkreis Tirschenreuth* gegeben, berichtet ein Sprecher der örtlichen Burschenschaft. 

Starkbierfeste trotz Corona: Hat die bayerische Regierung Warnsignale übersehen?

Das verwundert. Denn die Entwicklungen von Heinsberg in Nordrhein-Westfalen* waren doch eigentlich ein mahnendes Beispiel. Nach dem Karneval breitete sich das Virus dort extrem schnell aus, die Feierlichkeiten wurden umgehend als Ursache ausgemacht. 

In Rosenheim begann wenige Wochen später trotzdem das Starkbierfest. Dass es nach drei Tagen abgebrochen wurde, scheint schlicht zu spät gekommen zu sein. Passend zur Inkubationszeit des Coronavirus* seien die Zahlen im Landkreis etwa zehn bis zwölf Tage nach dem vorzeitigen Ende der Festtage in die Höhe geschnellt, berichtet der Spiegel. 

Coronavirus in Bayern: Förderten Starkbierfeste die Krise? Regierung verweist auf Nähe zu Österreich

In Bayern verweist man nun auf die Nähe zu Österreich und viele Skifahrer, die die Lungenkrankheit vermutlich aus Ischgl mit nach Hause brachten*. Heute gilt Ministerpräsident Markus Söder als Hardliner mit striktem Krisenmanagement, er ist beliebter denn je. Dass sich der Anfänge allerdings nicht gewehrt wurde, sorgt auch für kritische Stimmen.

„Nur dass Söder damals auch nicht zu denen gehörte, die Alarm geschlagen hätten“, wirft dieser Twitter-User dem CSU-Chef vor, den Moment verpasst und die Gefahr unterschätzt zu haben. Eine Meinung, die Experten und Politiker teilen*.

„Die Söder-Regierung hätte die Starkbierfeste früher schließen müssen. Das war grob fahrlässig!“, schimpft beispielsweise Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann

„Ich verstehe nicht, dass Gesundheitsministerin Huml die Nockherberg-Absage begrüßt, aber in Sachen Starkbierfeste keinen Finger gerührt hat. Dabei gab es Anfang März schon genug Alarmzeichen! Von der Weltgesundheitsorganisation bis zur Situation in Italien“, prangert SPD-Politiker Florian Brunn Versäumnisse des bayerischen Gesundheitsministeriums an. Zwischenzeitlich gilt der Freistaat zwar als Vorreiter, doch manche werfen der Landesregierung nun vor, nicht rechtzeitig durchgegriffen zu haben.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Redaktionsnetzwerks von Ippen-Digital

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