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Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen häufen sich: Impfschutz bei Senioren lässt nach - Virologe erklärt wieso

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Von: Katrin Woitsch

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Die Drittimpfungen in den bayerischen Pflegeheimen laufen. Die Einrichtungen wollen für den Winter gut vorbereitet sein. Denn schon jetzt kommt es immer wieder zu größeren Ausbrüchen, aktuell in zwei Heimen im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Zwei Senioren starben - trotz Impfung.

München - Die Drittimpfungen in den Seniorenheimen laufen bereits seit einigen Wochen. Bisher ist allerdings in den meisten Heimen erst ein kleiner Teil der Bewohner geimpft, wie die Träger berichten. Die Drittimpfung ist für Senioren über 80 und Menschen mit einem schwachen Immunsystem bereits freigegeben, von der Ständigen Impfkommission (STIKO) gibt es bisher aber nur für letztere Gruppe eine Empfehlung. „Deshalb zögern einige Gesundheitsämter noch, mobile Impfteams zu schicken“, erklärt Hans Kopp, der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt in München*. Die Heimbewohner werden bisher von ihren Hausärzten geimpft. Aber nicht alle Ärzte impfen.

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Dritte Corona-Impfung in Pflegeheimen: Experte hält sie für ratsam

Aus medizinischer Sicht wäre es sinnvoll, die Senioren zügig ein drittes Mal zu impfen, erklärt der LMU-Professor und Virologe Franz-Xaver Reichl. „Bei Menschen über 80 ist das Immunsystem nicht mehr sehr gut ausgebildet, die Antikörper sind schneller verschwunden.“ Sechs Monate nach der Zweitimpfung sei eine Auffrischung ratsam, empfiehlt er. Vorher nicht, das wäre für das Immunsystem eine zu große Belastung. Die Impfungen seien für Senioren auch nach sechs Monaten erlaubt, erklärt er. „Die STIKO wartet noch auf mehr Zahlen, um sie zu empfehlen – aber die bereits verfügbaren Zahlen, zum Beispiel aus Israel, weisen klar darauf hin, dass die Auffrischungen für Senioren sinnvoll sind.“ Jüngere Menschen hingegen müssten sich nun noch keine Sorgen machen, betont Reichl. Bei ihnen hält die Schutzwirkung der Impfung länger an.

Größere Corona*-Ausbrüche gab es in den Pflegeheimen auch in den Sommermonaten immer wieder einmal – allerdings meist mit schwachen oder gar keinen Symptomen bei den Bewohnern. Gestern wurden größere Ausbrüche in zwei Heimen im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen* bekannt. In einer Einrichtung in Tölz sind 23 Menschen infiziert (neun davon Mitarbeiter), in einem Geretsrieder Heim gibt es 37 Fälle (zwölf davon Mitarbeiter). In beiden Heimen ist je ein Bewohner gestorben. Auch aus dem Pflegeheim Maria Eich in Krailling (Kreis Starnberg*) war vergangene Woche ein Corona-Ausbruch gemeldet worden. Infiziert sind fünf Bewohner und fünf Mitarbeiter infiziert, drei Bewohner mussten ins Krankenhaus, eine 90-Jährige starb nach einer Infektion.

Nach wie vor gibt es leider noch Vorbehalte gegen die Impfung bei einigen Heim-Mitarbeitern. Die Impfquote, die wir gerne hätten, haben wir leider nicht.

Hans Kopp, Geschäftsführer der AWO in München

Mobile Corona-Impfteams warten auf das Go von der STIKO

„Bei Senioren mit Vorerkrankungen oder einem schlechten Gesundheitszustand kann auch eine Erkältung schon lebensbedrohlich sein“, erklärt Reichl. Deshalb sei der Impfschutz für sie besonders wichtig. Auch in Maria Eich haben die Drittimpfungen bereits begonnen, berichtet die Heimleiterin Diana Sturzenhecker. „Wir haben die Aufklärungsbögen bereits verteilt, die Hausärzte impfen schon.“ Nur mobile Teams seien noch nicht im Heim gewesen, weil das Landratsamt noch auf die STIKO-Empfehlung wartet. „Bisher ist erst ein kleiner Teil unserer Bewohner zum dritten Mal geimpft.“

Grundsätzlich ist es Trägern und Heimleitungen überlassen, wie sie die Impfungen organisieren, erklärt Birgit Haserer, die Referentin für Altenhilfe und Pflege bei der Caritas. Einen Überblick, wie viele Auffrischungsimpfungen es bereits gab, haben weder BRK, noch AWO oder Caritas. Das gleiche gilt für die Impfquote bei den Pflegekräften. „Nach wie vor gibt es leider noch Vorbehalte bei einigen Mitarbeitern“, sagt Kopp von der AWO. „Die Impfquote, die wir gerne hätten, 80 bis 90 Prozent, haben wir leider nicht.“ Auch in zwei der elf bayerischen AWO-Heime hat es zuletzt größere Ausbrüche gegeben. „Wir testen die ungeimpften Pflegekräfte zweimal wöchentlich“, erklärt Kopp. „Wenn es im Heim Corona-Fälle gibt, sogar täglich.“ Ähnlich handhaben das die anderen Träger. Geimpfte Pflegekräfte dürfen sich auch bereits ein drittes Mal impfen lassen, wenn sie das wollen. „Das gilt für alle Menschen mit Berufen im Gesundheitsbereich“, erklärt Caritas-Referentin Haserer.

Auch sie hofft darauf, dass sich noch mehr ungeimpfte Pflegekräfte zu einer Impfung entschließen. Angst vor dem Winter hat sie nicht. „Er wird sicher noch nicht normal – aber längst nicht so hart wie der letzte Winter.“ Damals gab es weder Tests noch Impfungen, die einzige Schutzmöglichkeit für die Bewohner war die vollständige Abschottung der Heime. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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