Zankapfel FFP2-Maske: In Bayern wird gerade darum gestritten, ob die FFP2-Maskenpflicht aufgehoben werden soll.
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Zankapfel FFP2-Maske: In Bayern wird gerade darum gestritten, ob die FFP2-Maskenpflicht aufgehoben werden soll.

Sogar aus Söders-Reihen gibt es Widerstand

Ende der FFP2-Pflicht in Bayern? Viele nutzen Maske falsch - Experten und Politiker streiten über Sinn

  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
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Viele Menschen benutzen die FFP2-Maske falsch und verringern damit ihre Wirkung. Ist es daher sinnvoll auch in Bayern auf die OP-Maske umzusteigen?

München - Bayern geht gerne mal einen Sonderweg, wenn es um Corona-Maßnahmen geht. Im Freistaat setzt man im Vergleich zu anderen Bundesländern beispielsweise auf die vermeintlich sicherere FFP2-Maske*. Geht es allerdings nach einigen Experten und Politikern könnte diese bald durch die in Deutschland gängige OP-Maske ersetzt werden. Selbst aus den Reihen um Ministerpräsident Markus Söder* (CSU) werden kritische Stimmen immer lauter.

Abschaffung der FFP2-Maskenpflicht: Medizinische Masken würden aufgrund der Impfquote reichen

Landeschef Söder (CSU) gilt als harter Hund, wenn es um Corona* geht. Und bislang war mit ihm über eine Abschaffung der FFP2-Maskenpflicht nicht zu diskutieren. Jedoch steht nicht mehr jeder in seiner CSU*-Fraktion geschlossen hinter seiner Position. Barbara Becker, die für die Union im Gesundheitsausschuss sitzt, sagt, dass „eine Abschwächung“ der Regel besonders im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wahrscheinlich sei. Der Ausschuss habe sich einstimmig für eine Eingabe einer Petition zur Abänderung der FFP2-Maskenpflicht in Bussen und Bahnen entschlossen, schreibt Nordbayern.de.

Im Klartext bedeutet das, „dass sich die Staatsregierung bei dem Thema jetzt bewegen müsste“, so die SPD*-Gesundheitsexpertin im Landtag, Ruth Waldmann. „In vielen Fällen reicht eine medizinische Maske, weil inzwischen viele Menschen geimpft sind“, so die Meinung der Sozialdemokratin. Im Gegensatz zu FFP2- schützen OP-Masken in erster Linie das Gegenüber und nicht den Träger. „Aber mit Impfung ist man ja selber gut geschützt“, so Waldmann.

Das sieht das Bayerische Gesundheitsministerium allerdings anders. „Im Hinblick auf die hochansteckende und in ganz Deutschland inzwischen vorherrschende Delta-Variante ist das Tragen von FFP2-Masken sinnvoll und notwendig, da diese ein höheres Schutzniveau bieten als etwa OP-Masken“, wird ein Ministeriumssprecher von Nordbayern.de zitiert. Und auch die bildungspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen*, Christina Haubrich, will an der FFP2-Maskenpflicht festhalten. „Es wäre unverantwortlich, die derzeitigen Regeln zu ändern.“

Die Stiftung Warentest hat FFP2-Masken getestet - mehr dazu im Video

FFP2-Masken werden häufig falsch verwendet

FFP2-Masken sind aber nicht unumstritten, denn ihre volle Schutzwirkung entfalten sie nur bei richtiger Anwendung. „Es sind Hochleistungs-Atemschutzmasken, die für den Arbeitsplatz bestimmt sind. Nur bei korrekter Anwendung übertrifft ihre Wirksamkeit jene von chirurgischem Mund-Nasen-Schutz“, so die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Die Masken müssten also sehr enganliegend getragen werden, was die Atmung erschwert. Bei vielen Menschen sitzt der Mund-Nasen-Schutz allerdings zu locker. „Man geht davon aus, dass 95 Prozent der Leute die FFP2-Maske nicht so tragen, wie sie sollten“, sagt Aerosolforscher Gerhard Scheuch gegenüber Nordbayern.de.

Wohl auch deshalb empfiehlt das Robert-Koch-Institut* (RKI) lediglich „das Tragen einer OP-Maske in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum“. Hier ist also nicht die Rede von der FFP2-Variante. Selbst RKI-Chef Robert Wieler hatte erst kürzlich den Nutzen der FFP2-Maske gegenüber medizinischen Masken in Zweifel gezogen.

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Die Maskenpflicht müsste differenzierter angewendet werden

Für die SPD-Gesundheitsexpertin Waldmann sind die Regeln in Bayern zur Maskenpflicht einfach zu starr. „In vollgestopften Zügen halte ich das Tragen von FFP2-Masken nach wie vor für sinnvoll“, sagt sie, „aber nicht für Reisende, die Stunden lang in ihrem Zugabteil sitzen. Für sie reicht die blaue Maske.“ Man müsste mehr differenzieren. Eine generelle Abschaffung der Maskenpflicht, wie es beispielsweise FDP*-Chef Christian Lindner für Geimpfte und Genesene in Geschäften fordert, hält sie für „zu optimistisch“.

Ihr pflichtet der Handelsverbands-Sprecher Bernd Ohlmann bei. „Es ist derzeit nicht möglich, auf die Maske zu verzichten. Sie ist neben der Impfung unsere stärkste Waffe. Ohne sie haben wir bald den nächsten Lockdown.“ Eine Umstellung auf OP-Masken hält er nicht für angebracht: „Mit FFP2-Masken fühlen die Leute sich sicherer.“ (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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