Die Gastro bleibt geschlossen
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Die Gastronomie leidet seit Monaten unter dem Corona-Lockdown.

„Sündenbock“ für miese Corona-Politik

„Reserven sind aufgebraucht“: Münchner Wiesn-Wirt mit schweren Vorwürfen

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Die Gastronomie leidet seit Monaten unter dem Corona-Lockdown, nach wie vor gibt es keine echte Perspektive. Ein Münchner Gastronom zeigt sich enttäuscht.

München - Die Corona*-Lage in Deutschland bleibt angespannt, auch in Bayern steigen die Zahlen weiter. Die bayerische Staatsregierung und Ministerpräsident Markus Söder verkündete deshalb erst kürzlich, dass der Lockdown* bis zum 9. Mai verlängert wird.

„Bundes-Notbremse“: Gastro-Öffnungen nur unter 100er-Inzidenz möglich

Keine gute Nachricht für die Gastronomie, die schon seit Monaten nahezu still steht. Echte Perspektiven, wann baldige Öffnungen vielleicht möglich sein könnten, gibt es derzeit nicht. Und die „Bundes-Notbremse“ sorgt unter den Gastronomen vermutlich auch nicht für mehr Hoffnung.

Die sogenannte Bundes-Notbremse sieht einheitliche Corona*-Regelungen wie Ausgangsbeschränkungen für Regionen mit einer Inzidenz* über 100 vor. Unter anderem dürfen bei einer höheren Inzidenz zudem die meisten Läden, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie die Gastronomie nicht öffnen.

Corona-Lockdown in Bayern: Münchner Gastronom enttäuscht von der Politik

Betroffen von der Corona-Krise ist auch Christian Schottenhamel. Der Gastronom ist Oktoberfest-Wirt und hat mehrere Restaurants in München. In der Landeshauptstadt liegt die Sieben-Tage-Inzidenz nach Angaben des Robert-Koch-Instituts* am Freitag (16. April) bei 158,5.

Der Münchner Gastronom Christian Schottenhamel ist enttäuscht von der Politik.

Schottenhamel wartet - wie viele seiner Kollegen - bisher vergeblich auf eine Öffnungsperspektive. „Und das, obgleich unsere Branche bereits zahlreiche ausgefeilte Hygienekonzepte vorgelegt hat“, kritisiert er gegenüber Focus Online. Er zeigt sich enttäuscht darüber, dass die Politik bisher nicht auf die Vorschläge eingegangen sei. Der Münchner Gastronom lebt mit seinem Geschäft aktuell von der Substanz: „Wir mussten wie viele andere in unserer Branche einen Kredit aufnehmen, unsere Reserven sind aufgebraucht“, erklärt er im Interview mit dem Portal.

Bayern: Lockdown-Maßnahmen werden bis 9. Mai verlängert

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Corona-Lockdown belastet die Gastronomie: „Sündenbock eines verfehlten Corona-Managements“

Belastend sei dabei insbesondere die Planlosigkeit. Nach mehr als fünf Monaten Lockdown sei die Verzweiflung in der Branche groß, wie Schottenhamel gegenüber Focus Online berichtet: „Das Hin und Her der vergangenen Wochen ist weder nachvollziehbar noch schafft es Vertrauen in die Politik oder hilft uns, unseren Mitarbeitern gegenüber verlässlich kommunizieren zu können.“ Sein Vorwurf: „Die Gastronomie ist der Sündenbock eines verfehlten Corona-Managements.“

Inzwischen seien bei vielen Restaurants die staatlichen Hilfen angekommen, berichtet er. Auch die Kurzarbeit entlaste, doch der finanzielle Druck steige von Tag zu Tag. Viele Gastronomen seien „nervlich am Ende“, wie Schottenhamel berichtet. Er fordert, die Überbrückungshilfe III nun dringend nachzubessern und ähnlich wie die November- und Dezemberhilfe zu gestalten.

Corona-Krise als Chance für Gastronomie? Münchner Wirt widerspricht

Die Umsatzverluste seien schwer aufzuholen. „Selbst bei einer Wiedereröffnung im April oder Mai werden wir im ersten Schritt nicht mehr, sondern vermutlich weniger Tische anbieten können, sodass wir auch dann mit geringeren Umsätzen rechnen müssen. Wir können die ‚Nicht-Verkauften-Essen‘ leider zu einem späteren Zeitpunkt nicht zweimal verkaufen“, so Schottenhamel gegenüber Focus Online.

Dass die Krise für die Gastronomie auch eine Chance biete, sieht er für das Gros seiner Branche nicht. Für seine eigenen Restaurants habe er bereits über neue Geschäftsmodelle nachgedacht, beispielsweise über Kochboxen. Ein „funktionierender Business Case“ habe sich für ihn aber noch nicht ergeben. „Und auch das Thema ToGo-Produkte und Lieferservice, auf das immer wieder verwiesen wird, rettet uns und die gesamte Branche nicht. Das funktioniert höchstens als Beschäftigungsmaßnahme für unsere Mitarbeiter, um sie bei der Stange zu halten, damit sie langfristig nicht in andere Branchen abwandern“, so Schottenhamel gegenüber Focus Online. (kam) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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