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Dramatischer Appell aus bayerischem Corona-Hotspot: Ärzte wüten - „kollektives Politikversagen“

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Von: Katharina Haase

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Für den Landkreis Rottal-Inn gab das RKI den höchsten Inzidenz-Wert deutschlandweit aus.
Für den Landkreis Rottal-Inn gab das RKI den höchsten Inzidenz-Wert deutschlandweit aus. © Armin Weigel/dpa

Im Landkreis Rottal-Inn sind die Corona-Zahlen extrem hoch. In den Kliniken regt sich zunehmend der Unmut gegen das Versagen der Politik in der Pandemiebekämpfung.

Eggenfelden - Die Corona*-Inzidenz in Bayern ist erstmals seit Wochen wieder leicht gesunken. Mit 644,3 (RKI, Stand 24. November, 3.12 Uhr) liegt sie aber immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt - und viel zu hoch, um die Krankenhäuser vor einer Überlastung schützen zu können. Ärzte der Rottal-Inn Kliniken im niederbayerischen Eggenfelden sehen ihre Corona-Intensivstation nicht mehr weit vom Kollaps entfernt. „Wir stehen ja erst am Anfang der vierten Welle“, sagte der Vorsitzende Bernd Hirtreiter. Er geht davon aus, dass sich die Zahl der Corona-Patienten binnen der nächsten zwei bis vier Wochen verdoppeln wird, und übt scharfe Kritik an der Corona-Politik.

Die zehn Intensivbetten in der Klinik seien belegt. Die Ressourcen in anderen Krankenhäusern seien ähnlich eng. „Das macht uns große Sorge.“ Vor knapp zwei Wochen seien in einer großen Verlegeaktion zahlreiche Patienten in andere Kliniken gebracht worden, berichtete Hirtreiter. „Das hat uns sehr geholfen. Sonst wären wir jetzt schon abgesoffen.“

Corona in Bayern: Große Verlegeaktion von Patienten geplant - Klinikärzte in Niederbayern wütend

Der Landkreis Rottal-Inn gehört zu den Corona-Hotspots in Bayern. Die Inzidenz* liegt am Mittwoch laut Robert-Koch-Institut* bei 1274,2. Aufgrund der neuen Maßnahmen, die heute in Bayern in Kraft treten, geht der Landkreis für zunächst drei Wochen in einen erneuten Lockdown*.  „Das ist ein kollektives Versagen der Politik“, so Hirtreiter. Diese habe sich im Sommer zu sehr auf den Wahlkampf konzentriert anstatt auf die Pandemiebekämpfung und Fußballstadien gefüllt, anstatt den Menschen rechtzeitig eine Booster-Impfung anzubieten.

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Dramatische Corona-Zahlen in Bayern: Ärzte bemängeln Politikversagen - Pflegepersonal am Limit

Der Ärztliche Direktor Klaus Kienle verweist auf die zu erwartenden zwei Höhepunkte der vierten Welle: Mitte Dezember und Anfang Februar. Den Kliniken fehlten nun konkrete Ansagen, kritisiert er. „Was ist im Worst-Case-Szenario? Wer hilft aus? Wie wird die Bundeswehr eingebunden?“ Die Pflegekräfte seien am Limit, erklären Kienle und Hirtreiter. Viele seien erschöpft und auch wütend über die niedrige Impfbereitschaft in der Bevölkerung und die daraus resultierenden vielen ungeimpften Corona-Patienten auf den Intensivstationen.

Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage in den Kliniken bereitet sich Bayern nun auf den Transport einer größeren Zahl von Intensivpatienten in andere Bundesländer vor. Für den Freistaat sei dazu inzwischen das sogenannte Kleeblatt-Konzept zur strategischen Verlegung von Intensivpatienten innerhalb Deutschlands aktiviert, wie die Deutsche interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in der Nacht zum Mittwoch mitteilte.

Corona in Bayern: Diskussion mit Angehörigen und unwilllige Corona-Leugner

Problematisch für die Kliniken seien häufig Angehörige, die der Verlegung eines Patienten im Wege stünden. Man habe nicht Zeit, für jede Verlegung 30 Minuten mit den Angehörigen zu telefonieren, so Kienle. Corona-Leugner hingegen seien eher selten ein Problem. Wenn jemand sich aber nicht helfen lasse wolle, lasse man ihn gehen. So habe ein infizierter Corona-Leugner gegen den ausdrücklichen Wunsch der Ärzte das Krankenhaus verlassen, so Kienle. Er sei kurz darauf zu Hause an den Folgen der Covid-Erkrankung verstorben. kah/mit dpa*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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