Ab dem 31. März dürfen Hausärzte in Bayern gegen das Coronavirus impfen.
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Ab dem 31. März dürfen Hausärzte in Bayern gegen das Coronavirus impfen.

Apotheker beklagen logistischen Aufwand

Impf-Start in den Hausarztpraxen: Bürokratie und Impfstoff-Mangel bremsen den „Impf-Turbo“ aus

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Mit der Corona-Impfung in den Hausarztpraxen soll die Impfstrategie in Deutschland auf ein zweites Standbein gestellt werden. Seit heute geht es damit in Bayern los.

München - Ab heute (31. März) geht es auch mit den Impfungen* in den Hausarztpraxen in Bayern los. Durch die zweigleisige Strategie aus Impfungen in den Zentren und der Vakzin-Verabreichung bei den Hausärzten soll schneller die Herdenimmunität gegen das Coronavirus* erreicht werden. Einige Faktoren könnten den engagierten Plan jedoch einbremsen. Da ist die kürzlich beschlossene Einschränkung beim Impfstoff von Astrazeneca nur eine weitere Hürde, den von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) beschworenen „Impf-Turbo“ anzuwerfen.

Corona-Impfung in den Hausarztpraxen: Kein Zugriff auf das Impfportal

Für den Münchner Hausarzt Friedrich Kiener beginnt der Mittwoch mit dem Gang zur Apotheke. Der Mediziner holt seine ersten 20 Impfdosen ab, schreibt der BR. Er ist sich sicher, der Impfstoff* werde sehr schnell verteilt sein - die Warteliste bei ihm sei lang. Aber bereits vor dem ersten Nadelstich stellt sich ihm schon die erste bürokratische Hürde in den Weg. Er weiß nicht, wer seiner Patienten bereits geimpft wurde. Aus datenschutzrechtlichen Gründen hat der Mediziner keinen Zugang zum bayerischen Impfportal. „Es wäre da wesentlich einfacher für uns gewesen, im Impfportal zu schauen, wer schon geimpft worden ist von unseren Patienten und wer nicht.“ Die Konsequenz - er musste sie alle abtelefonieren.

In Sachen Datenschutz kann Gesundheitsminister Holetschek den Ärzten momentan nicht entgegenkommen. Er weiß aber, „Bürokratie und Pandemie* passen nicht zusammen.“ Und so will man den Hausärzten wenigstens bei der Auswahl ihrer Patienten mehr Freiheiten geben. Sie sollen selber entscheiden dürfen, ob zuerst die chronisch Kranken oder die älteren Patienten geimpft werden, schreibt der BR. Auch der Landeschef Markus Söder* (CSU) sieht das so. Das Impfen solle nicht nach starren Kategorien, sondern flexibel nach Infektionsgeschehen und ärztlichem Ermessen ablaufen.

Pilotprojekt zum Impfen in Hausarztpraxen im Berchtesgadener Land (Video)

Corona-Impfung in den Hausarztpraxen: Apotheker kämpfen mit aufwendigem Bestellverfahren

Aber nicht nur die Ärzte haben mit einem hohen bürokratischen Aufwand zu kämpfen. Auch die Apotheker stöhnen über die Vorschriften. Der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbands, Hans-Peter Hubmann, sagt gegenüber dem BR: „Der Bestellprozess ist extrem aufwendig, weil einmal aufgetaute Impfstoffe teils nur wenige Tage haltbar sind.“ Dazu wurde ein „ausgeklügelter Bestellprozess“ auf Bundesebene entwickelt. „Es war ein sehr aufwendiges Verfahren, aber nur das hat gewährleistet, dass innerhalb kürzester Zeit und vor Ostern Hausärzte impfen können - und das als einziges Bundesland überhaupt“, sagt Hubmann.

Ein weiteres Problem ist der Impfstoff-Nachschub. Es sei schwierig, die geringe Menge an Impfstoff gerecht zu verteilen, so Hubmann. „Wir müssen den wenigen Impfstoff, den wir haben, so zuteilen, dass möglichst alle eine gewisse Menge bekommen und dann auch wirklich damit impfen können.“ Ärzte müssen daher schon eine Woche vorher ihre Bestellung abgeben.

Corona-Impfung in den Hausarztpraxen: In drei Monaten zur Herdenimmunität

Hausarzt Kiener ist sich jedenfalls trotz all der Probleme sicher, dass eine Herdenimmunität nur mit dem zusätzlichen Weg über die Praxen schnell erreicht werden kann, schreibt der BR. Zur Verdeutlichung stellt er ein Rechenbeispiel auf: Rund 50.000 Hausärzte würden künftig in Deutschland gegen das Coronavirus impfen. Kiener zufolge sei es realistisch, dass die Ärzte am Tag 20 Patienten impfen. „Das wären dann in einem Monat 20 Millionen, wenn sie das ganze drei Monate durchführen, haben wir 60 Millionen Deutsche allein nur in den Hausarztpraxen geimpft.“

Die einzige unberechenbare Konstante in seiner Rechnung sei nach Kiener die verfügbare Menge an Impfstoff. Und da spiele auch die Neueinstufung des Astrazeneca-Imfpstoffs* durch die Ständige Impfkommission (STIKO) mit rein. Holetschek verteidigte noch einmal die Wirksamkeit des Vakzins trotz der neuerlichen Einschränkung, den Impfstoff nur noch an über 60-Jährige zu verteilen. „Es bleibt eins bestehen: Dass der Impfstoff trotz allem wirksam ist.“ Dennoch bleibt den Hausärzten jetzt nicht viel übrig, als Astrazeneca-Impftermine noch einmal umzuplanen. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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