Impfstoff wird aufgezogen
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Ein Arzt aus Bayern kämpft gegen das Wegwerfen von Impfresten. (Symbolbild)

39-Jähriger startet Petition

Bayerischer Arzt kämpft gegen Wegwerfen von Impfresten: Hätten Hunderttausende mehr geimpft werden können?

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Ein Arzt aus Bayern kämpft gegen das Wegwerfen von Impfresten. Nach seiner Rechnung hätte die Bevölkerung einer großen deutschen Stadt damit geimpft werden können.

Neu-Ulm - Seit über einem Jahr bremst die Corona*-Pandemie das normale Leben weltweit aus. Es gibt bereits mehrere zugelassene Impfstoffe, das Impfen bezeichnete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder* immer wieder als „einzige echte Langzeitstrategie.“ Doch es geht viel zu langsam voran, denn der Corona-Impfstoff* ist ein kostbares Gut. Viele wollen sich impfen lassen, aber nur wenige kommen dran. Dass in einer solchen Situation Impfreste entsorgt werden, findet ein schwäbischer Impfarzt völlig unverständlich.

„Aber da wird ein Chip...“: Bayerischer Arzt wird mit Zettel zu Corona-Impfung bundesweit bekannt

Der Allgemeinarzt Christian Kröner wurde vor wenigen Wochen bundesweit bekannt - mit einem Info-Zettel über Corona-Impfungen.* „Aber da wird ein Chip.....NEIN!“ war dort beispielsweise zu lesen. Mit solchen saloppen Bemerkungen kanzelte der Mediziner Verschwörungsmythen ab. Jetzt kämpft der Hausarzt aus Neu-Ulm gegen das Wegwerfen von Impfresten. Seiner Meinung nach hätten schon Hunderttausende zusätzlich geimpft werden können, wenn die Ampullen vollständig geleert werden.

Corona: Schwäbischer Arzt will das Wegwerfen der Impfstoffreste beenden

Mit einer Petition will Kröner erreichen, dass die bisherige Impfpraxis geändert wird. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass fast immer eine Dosis weggeworfen werde, so der Arzt. Aber bislang dürften die Reste aus den Arzneimittelfläschchen von den Impfzentren nicht verwendet werden.

Die Landesregierungen in Nordrhein-Westfalen und Hessen haben bereits mitgeteilt, dass die Ampullen ganz geleert werden dürfen. Die Ministerien in Bayern und Baden-Württemberg verweisen dagegen auf die europaweite Zulassung. In Einzelfällen können aber auch in diesen beiden Bundesländern die Impfärzte eine zusätzliche Dosis des begehrten Impfmittels aufziehen, wie die Behörden mitteilten.

Infoblatt über Corona-Impfung: Bayerischer Arzt wurde von vielen angefeindet

In den vergangenen Wochen war der Arzt immer wieder in den Medien. Kröner hatte Ende 2020 wenige Tage vor dem Start der Impfkampagne ein Infoblatt über die Impfung* erstellt, ursprünglich nur für sein Wartezimmer. Der 39-Jährige lud das humorvoll verfasste Dokument aber auch auf seine öffentliche Facebook-Seite - und das Infoblatt wurde zu einem Renner. Mittlerweile wurde das Blatt fast 29.000 Mal von dort geteilt, viele Sender, Online-Portale und Zeitungen berichteten.

„Ich glaube, dass ich wahrscheinlich mit diesem Zettel versehentlich in Deutschland mehr für diese Corona*-Impfung getan habe als die ganze Politik zusammen“, sagt Krömer. Der Impf-Befürworter wurde allerdings auch von vielen angefeindet. Es sei „der übliche Shitstorm“ mit Beleidigungen und Bedrohungen gewesen. „Das hat sich inzwischen sehr beruhigt“, sagt der Arzt weiter.

Bei Astrazeneca-, Moderna- und Biontech/Pfizer-Impfstoffen: Dosis bleibt übrig

Er selbst arbeitet im Impfzentrum seiner Heimatstadt mit. Deshalb kennt er das Problem mit der übrig bleibenden Impfdosis. Ursprünglich wurden aus den Ampullen von Biontech/Pfizer jeweils nur fünf Dosen entnommen. Doch die Gläschen sind regelmäßig überfüllt, auch als Reserve, wenn beim Aufziehen der Spritzen etwas danebengeht. Bereits im Januar ließ deswegen die europäische Arzneimittelbehörde EMA zu, dass sechs statt bisher fünf Dosen aufgezogen werden dürfen.

Laut Kröner bleibt aber immer noch bei mindestens vier von fünf Ampullen ein Rest übrig, der bei der Nutzung von Spezialspritzen für eine siebte Impfung* reichen würde. „Es betrifft alle bisherigen Impfstoffe*“, sagt er. Auch bei den Mitteln von Moderna und Astrazeneca könnten mehr Dosen als angegeben gewonnen werden.

Video: Corona-Impfung bald beim Hausarzt? Gesundheitsminister klärt auf

Hunderttausende Corona-Impfdosen weggeworfen? Bayerische Arzt startet Petition

Nach seiner Rechnung würde der bislang in Deutschland weggeworfene Impfstoff* reichen, um damit die Bevölkerung der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden zu impfen - immerhin rund 280.000 Menschen. Auf seiner Praxishomepage stellt er deswegen Unterstützern eine Petition an den Bayerischen Landtag zur Verfügung. Kröner findet, Bürger in anderen Bundesländern könnten diese auch an ihre jeweiligen Parlamente weiterleiten.

In Hessen und Nordrhein-Westfalen hatten die Landesregierungen bereits offen kommuniziert, dass sie nicht dagegen haben, wenn die Mediziner eine mögliche siebte Dosis aus den Impfstoff-Fläschchen entnehmen. Und auch im Süden der Republik gibt es Raum für pragmatische Lösungen.

Impfstoff-Petition: Arzt aus Bayern fordert verbindliche Vorgabe zur vollständigen Nutzung des Impfstoffs

Die Ministerien in Stuttgart und München wollen die Biotech-Ampullen zwar nicht grundsätzlich für eine siebte Impfung freigeben. Sie orientieren sich an der offiziellen Zulassung, die sechs Dosen vorsieht. Sie verweisen aber auf die handwerklichen Fertigkeiten des medizinischen Personals. Marcus da Gloria Martins vom bayerischen Gesundheitsministerium erklärt, dass die Ärzte vor Ort entscheiden müssten, ob sie in eigener Verantwortung eine siebte Spritze mit 0,3 Milliliter Impfstoff aufziehen können.

Mit seiner Petition will Kröner erreichen, dass es eine verbindliche Vorgabe zur Nutzung des vollständigen Impfstoffs jeder Ampulle gibt. Seiner Ansicht nach ist dafür eine „ministeriale Erlaubnis zur Verwendung der siebten Dosis in den Impfzentren“ nötig. Klar ist bisher nur: Ein Zusammenschütten von Resten mehrerer Ampullen ist generell nicht zulässig. Dies betonen alle Gesundheitsbehörden. (kam/dpa)*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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