Weiter Notbetreuung statt regulärer Betrieb

Ministerium behauptet: Keine Alternativen zu Corona-Nasen-Tests für Kita-Kinder - dabei gibt es sie bei DM

Kita-Kinder sollen aufgrund der Notbetreuungsregelung derzeit Zuhause bleiben. Wer auf Schnelltests hofft, erhält vom Ministerium einen Dämpfer. Eltern wundert das.

Update vom 29. April, 10.40 Uhr: Die Aussage vom Sozialministerium vom Mittwoch sorgt bei vielen Eltern für Verwunderung. Dass Testungen bei Kindern in Kindertageseinrichtungen nach wie vor nicht durchgeführt werden, ist seitens des Ministeriums der Tatsache geschuldet, dass „Antigen-Schnelltests zur Selbstanwendung nicht ausreichend zuverlässig und sicher durchführbar“ seien. Außerdem: „Geeignete alternative Testmöglichkeiten zu den Selbsttests, also Gurgel- bzw. Speicheltestungen oder Lolli-Tests mit Pooling, stehen derzeit wegen der dafür notwendigen Kapazitäten der Labore noch nicht zur Verfügung.“

Ministerium sieht Probleme bei Schnelltests für Kita-Kinder: Eltern verwundert

Darüber können Eltern nur den Kopf schütteln. Denn Fakt ist: Spucktests zur Selbstanwendung sind bereits im Handel erhältlich, zum Beispiel in der Drogeriekette DM. Bei diesen müssen die Kinder nur in ein Röhrchen spucken, der gesammelte Speichel wird dann mit einer Lösung gemischt und in eine Testkassette getröpfelt.

Noch einfacher geht es mit kleinen Kindern mit sogenannten Lollitests. Auch diese sind als Selbsttests online erhältlich, vertrieben beispielsweise von einer österreichischen Firma, in Deutschland zugelassen. Die Kleinen lutschen dabei ein paar Sekunden auf einem Wattestab herum, dieser wird dann in die Testkassette geklickt und nach 15 Minuten das Ergebnis abgelesen. „Wir haben wirklich die besten Erfahrungen mit dem Lollipop-Test gemacht“, berichtet eine Mutter, die ihren Namen nicht nennen will. Es gehe „super schnell“ und „selbst ganz Kleine können das schon“.

Kita-Tests für Kinder: „Anscheinend will man dafür kein Geld in die Hand nehmen.“

Warum also werden die schon verfügbaren, kinderfreundlichen Tests nicht eingesetzt? Warum sind Kita-Öffnungen mit umfassenden Testkonzept nach wie vor nicht möglich? Eltern könnten ihre Kinder doch beispielsweise vor Kita-Start unter den Augen des Betreuungspersonals testen. „Unfassbar“, sagt die oben zitierte Mutter zum fehlenden Konzept. Ein normaler Rachen- oder Nasenabstrich sei natürlich nicht möglich, sagt sie. Doch es gebe ja eben Alternativen, findet eine andere, anonyme Mutter. „Aber anscheinend will man dafür kein Geld in die Hand nehmen.“ Die Spucktests und Lollitests sind übrigens mit bis zu 8 Euro pro Stück nur unwesentlich teurer als ein Nasenabstrich-Test.

Ein Ministeriumssprecher merkt auf Nachfrage an, dass Pilotprojekte und eine Studie an neun Würzburger Kinderbetreuungseinrichtungen bereits laufen. „Das ist in der Testphase.“ Dabei handelt es sich aber um sogenannte Pool-Testungen, es wird also die zusammengemischte Probe einer gesamten Gruppe untersucht. Dafür sind Labore notwendig. Diese Pool-Testungen stehen für alle Kitas „derzeit wegen der dafür notwendigen Kapazitäten der Labore noch nicht zur Verfügung“. Warum die anderen, selbst durchzuführenden Tests nicht in Erwägung gezogen werden, konnte er nicht beantworten, versprach aber eine Rücksprache mit dem zuständigen Gesundheitsministerium.

Wie eine Sprecherin des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales auf Anfrage des Merkur mitteilte, hält das RKI die derzeit frei verkäuflichen Antigen-Schnelltests nicht geeignet, für eine aussagekräftige Testung von Krippen- und Kita-Kindern. Warum dies so ist, konnte die Pressesprecherin jedoch auch nicht beantworten und verwies ebenfalls auf das staatliche Gesundheitsministerium.

Corona-Schnelltests für Kita-Kinder: Ministerium sieht Probleme

Erstmeldung: München – Praxistaugliche Corona-Schnelltests für Kita-Kinder sind nach Angaben von Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) auf absehbare Zeit nicht in Sicht. „Im Moment ist die Testung von Kindern im Krippen- und Kindergartenalter mit den aktuell verfügbaren Antigen-Schnelltests* zur Selbstanwendung nicht ausreichend zuverlässig und sicher durchführbar“, sagte die CSU-Politikerin. Grund seien die oft „erheblichen Probleme“ bei der Probenentnahme bei kleinen Kindern. Dies habe auch das Robert-Koch-Institut Anfang April nochmals mitgeteilt.

„Ein Test für Kinder muss sicher und aussagekräftig sein. Die sicherste Methode, um herauszufinden, ob ein Kleinkind mit dem Coronavirus infiziert ist, ist derzeit noch die PCR-Testung“, sagte Trautner. Sobald sichere alternative Testmöglichkeiten – etwa Gurgel-, Speichel- oder Lolli-Tets – zur Verfügung stünden, würden diese auch eingesetzt. Aufgrund der derzeitigen Notbetreuung in Kitas müssen viele Kinder zuhause bleiben, statt Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen. In einem Interview warnt ein Chefarzt der Jugendpsychatrie vor gravierenden Schäden*.

Corona in Bayern: Hoffnung auf Lockerungen - Sieben-Tage-Inzidenzen sinken allmählich

Die Inzidenzwerte in Bayern sind unterdessen weiter leicht rückläufig und nähren die Hoffnung auf die Rückkehr zu einem regulären Betrieb. Einige Landkreise nähern sich wieder der 100er-Grenze, ab der Lockerungen in den Kindergärten, Schulen oder beim Einkaufen möglich sind. Allerdings muss der Landkreis oder die kreisfreie Stadt gemäß der aktuellen bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung den Wert an fünf aufeinanderfolgenden Tagen (egal, ob Sonn- oder Werktag) unterschreiten. Dann kann nach einem weiteren Karenztag gelockert werden.

In einem Impfzentrum im schwäbischen Wertingen ist es derweil zu einer Panne gekommen. Wie das Landratsamt bestätigte, fiel bei Routinekontrollen auf, dass in einigen Fällen von Anfang April an zu wenig Wirkstoff in den Spritzen war. Denn die Vakzine werden vor der Impfung mit Kochsalzlösung verdünnt, in Wertingen war offenbar das Mischverhältnis falsch. Man gehe von 42 Betroffenen aus, diese seien nun zu einer erneuten Impfung eingeladen worden, teilte das Landratsamt mit.

Gartenmärkte und Buchhandlungen dürfen wieder öffnen - doch das ist bei weitem noch nicht alles. Eine Übersicht über die neu beschlossenen Corona-Regeln für Bayern*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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