Inzidenz in München steigt

Lockerungen in Bayern gestrichen - Lehrer macht vor Merkel-Gipfel Ansage an Söder: „Grenze erreicht“

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
    schließen

Die Sieben-Tage-Inzidenz in München steigt weiter. Bayern hat nun einen wichtigen Corona-Grenzwert gerissen. Alle News im Ticker.

  • Bis auf Weiteres wird es keine neuen Öffnungsschritte in Bayern geben (siehe Update vom 18. März, 18.13 Uhr).
  • Der Freistaat hat einen wichtigen Schwellenwert überschritten, auch die Inzidenz in München steigt weiter (siehe Update vom 19. März, 8.36 Uhr).
  • Der Bayerische Philologenverband sieht die „Grenze der Zumutungen“ erreicht (siehe Update vom 19. März, 12.11 Uhr).

+++++ Dieser News-Ticker ist beendet. Die Fortsetzung ab dem 19. März finden Sie hier. +++++

Update vom 19. März, 12.11 Uhr: Lehrer im Freistaat sehen in der Corona-Politik „die Grenze der Zumutungen erreicht.“ Der Bayerische Philologenverband (BPV) kritisierte am Freitag ein Testchaos und „ein unausgegorenes und praxisfernes Hauruckverfahren“ und stellte die Frage: „Wie soll das alles weitergehen?“

Nach der Ankündigung der Staatsregierung, Schüler vor Unterrichtsbeginn einem freiwilligen Corona-Selbsttest zu unterziehen, fühlen sich Lehrer im Freistaat allein gelassen. „Sie müssen die Entscheidungen der Politik vor Ort umsetzen und werden nicht nur mit den Ängsten um ihre eigene Gesundheit und die der Schüler alleine gelassen, sondern sie müssen jetzt auch noch die Testungen organisieren und beaufsichtigen“, heißt es in der Mitteilung des Verbandes. Schule sollten sichere Bildungsorte und keine Testzentren sein.

Lockerungen für Bayern gestrichen: Freistaat reißt Corona-Schwellenwert - Inzidenz in München steigt

Update vom 19. März, 8.36 Uhr: Die Sieben-Tage-Inzidenz in München ist weiter gestiegen und liegt bei 72,3 (Stand 19. März, 3.33 Uhr). Tags zuvor lag der Wert bei 69. Außerdem hat der Freistaat den Schwellenwert von 100 wieder überschritten. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete für Bayern eine Inzidenz von 100,8. Bundesweit lag die Zahl mit 95,6 noch knapp darunter.

Laut RKI verzeichneten 41 bayerische Städte und Landkreise einen Wert von mindestens 100. Spitzenreiter in Bayern ist demnach der Landkreis Kulmbach mit einer Inzidenz von 307,4.

Liegt eine Kommune dauerhaft über dem Wert von 100, muss sie in den Lockdown zurückkehren. Schulen und Kitas bleiben in den Corona-Hotspots geschlossen, Ausnahmen gelten nur für Abschlussklassen und die Notbetreuung. Auch Geschäfte und Museen müssen dort dicht bleiben.

Corona-Impfungen mit AstraZeneca werden fortgesetzt - Holetschek äußert sich

Update vom 19. März, 6.29 Uhr: Nach der Freigabe durch den Bund können im Freistaat am Freitag die Corona-Schutzimpfungen mit AstraZeneca fortgesetzt werden. Noch am Donnerstagabend sollten die Impfzentren schriftlich darüber informiert werden, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München.

Er betonte, dass die Impfzentren individuell regeln müssten, wie sie mit den bestehenden Terminen und auch mit möglichen Nachholterminen umgehen würden. Aus der Sicht Holetscheks sollten aber diejenigen, deren Termine wegen der zwischenzeitlichen Aussetzung von AstraZeneca ausgefallen sind, bei neuen Planungen bevorzugt behandelt werden.

Corona in Bayern: Grüne fordern mehr Transparenz bei Impfungen - „Echter Impfturbo“

Es müsse nun außerdem abgewartet werden, wie jetzt die Nachfrage nach dem Vakzin sei. Es bleibe ein hoch wirksamer Impfstoff, der vor schweren Verläufen und sogar vor dem Tod schützen kann, sagte Holetschek. Dies sei nun wiederholt festgestellt worden.

Die Grünen im Landtag forderten unterdessen von der Staatsregierung mehr Transparenz über die Impfungen und die Impfstoff-Verteilung. Bislang sei „absolut unklar und intransparent“, ob es in Bayern gelinge, die Impfverordnung des Bundes sicherzustellen, heißt es in einem Positionspapier der Fraktion mit dem Titel „Echter Impfturbo“.

Vor Impfgipfel: Holetschek fordert schnelle Einbindung von Hausärzten

Vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern fordert Holetschek außerdem eine schnelle bundesweite Regelung für Corona-Impfungen durch Hausärzte. „Die Einbindung der Ärzteschaft in die Regelversorgung wäre ein starkes Signal“, sagte der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz der Deutschen Presse-Agenur in München. Er hoffe sehr, dass sich Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten an diesem Punkt bei ihrer Telefonkonferenz am Freitag einigen könnten.

In den kommenden Wochen bleibe die Knappheit an Impfstoffen aber weiterhin ein Problem, sagte Holetschek. Er hoffe sehr, dass es hier bald größere Mengen und mehr Verlässlichkeit gebe. „Wir müssen jetzt schauen, dass der Impfstoff auch da ist.“

Um den Impfablauf nicht noch weiter zu bremsen, müssten auch die Abläufe darauf abgestimmt werden. „Pandemie und Bürokratie verstehen sich nicht“, sagte Holetschek. Es sei daher wichtig, genau zu schauen, an welchen Stellen noch Hemmnisse beseitigt werden könnten.

Corona: Lockerungen für Bayern gestrichen - Holetschek fordert schnelle Rückkehr zur Impfung mit AstraZeneca

Update vom 18. März, 20.24 Uhr: Kaum hatte die EMA ihre Empfehlung für die weitere Verimpfung des Vakzins von AstraZeneca bekannt gegeben, äußerte sich auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) dazu. Er begrüßte die Entscheidung und schickte eine Forderung nach Berlin. „Wichtig ist, dass nun auch der Bund umgehend grünes Licht gibt und wir wieder Impftermine mit AstraZeneca vergeben können. Wir wollen den Hebel in Bayern schnell wieder umlegen und AstraZeneca so rasch wie möglich wieder einsetzen.“

Als hätte Jens Spahn (CDU) die Forderung seines Kollegen aus Bayern gehört, verkündete der Bundesgesundheitsminister wenig später, dass schon ab Freitag der Impfstoff von AstraZeneca wieder eingesetzt werden soll. „Das ist ein wichtiges, gemeinsames Zeichen“, so der Gesundheitsminister. „Die Kampagne muss jetzt zügig weitergehen. In den letzten vier Tagen ist weniger geimpft worden“, so Spahn, der noch einmal bekräftigt, eine „notwendige“ Entscheidung getroffen zu haben. „Nun gilt es, diese vier Tage wieder aufzuholen.“

Corona: Die EMA empfiehlt eine Fortsetzung der Impfung mit AstraZeneca

Update vom 18. März, 18.29 Uhr: Wenige Tage nachdem die Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca in Deutschland ausgesetzt wurden, gibt es jetzt Neuigkeiten aus Amsterdam. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am Donnerstag eine Fortsetzung der Impfung empfohlen. Es könne kein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Verabreichen des Vakzins und dem Auftreten einer Hirnvenen-Thrombose hergestellt werden. Es müssten erst weitere Studien dazu durchgeführt werden. Der Wirkstoff sei in EU und Großbritannien bereits mehr als 18 Millionen Menschen verimpft worden und es habe fast keine Berichte über schwere Nebenwirkungen gegeben, erklärte die EMA. Der Impfstoff habe vielmehr eine hohe bis sehr hohe Wirksamkeit, heißt es in der Begründung weiter.

Noch bevor die EMA ihren Bericht veröffentlichte, äußerte sich auch Ministerpräsident Markus Söder zum Thema Impfen. Er richtete einen Appell an die EU, den russischen Impfstoff Sputnik V schneller zuzulassen. Söder verwies darauf, dass Sputnik V nach allen Gutachten ein guter Impfstoff sei. „Zum Teil ein besserer als bereits zugelassene“, fügte er hinzu. Daher sei es nun nicht angezeigt, bei der Prüfung des Vakzins „im klassischen bürokratischen Klein-Klein-Verfahren alles abzuarbeiten“. Die zuständigen Behörden sollten den Stoff aus seiner Sicht vielmehr „schnell, effizient und zügig“ zulassen.

Update vom 18. März, 18.13 Uhr: Wer sich in der kommenden Woche auf einen lang ersehnten Besuch im Kino oder im Theater gefreut hat, der wird enttäuscht. Am Donnerstagnachmittag gab ein Sprecher des Gesundheitsministeriums bekannt, dass es bis auf Weiteres keine neuen Öffnungsschritte geben wird. Damit müssen Theater, Kinos, Konzertsäle und Außengastronomie geschlossen bleiben. Grund dafür sind die steigenden Corona-Zahlen in Bayern.

Corona: Söder fordert eine einheitliche Durchsetzung einer „harten Notbremse“

Update vom 18. März, 15.37 Uhr: Angesichts wieder rasch steigender Corona-Zahlen fordert Markus Söder vor den nächsten Bund-Länder-Beratungen am Montag eine einheitliche Durchsetzung einer „harten Notbremse.“ Bayerns Ministerpräsident sagte am Donnerstag nach einer digitalen Länderkonferenz in München: „Ich möchte aus einer im Moment sehr flexiblen Notbremse eine harte Notbremse machen.“

„Notbremse“ meint, dass beim Überschreiten einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 automatisch wieder härtere Anti-Corona Maßnahmen gelten sollen. Darauf hatten sich Bund und Länder bei ihren vergangenen Beratungen verständigt. Söder beklagte aber, dass dies von den Ländern derzeit etwas unterschiedlich gehandhabt werde.

Söder: „Jetzt müssen wir aufpassen, dass aus der dritten Welle keine Dauerwelle wird“

Zu einer mögliche Rücknahme von je nach Inzidenz denkbaren Öffnungsschritten sagte Söder: Ob man etwas zurückdrehe, müsse man sehen. Die Mehrheit der Länder sei da eher zurückhaltend.

Man stehe eindeutig vor einer anwachsenden dritten Welle, so Söder. „Jetzt müssen wir aufpassen, dass aus der dritten Welle keine Dauerwelle wird.“ Man könne sich um diese Realität nicht herummogeln. Deshalb sei es wichtig, am Montag klug und einheitlich zu handeln. „Notbremsen müssen verlässlich sein, und keine Alibi-Bremsen.“

Corona-Plan greift nicht: OB Reiter streicht vor Söder-Termin Lockerungen für München - mit deutlichen Worten

Update vom 18. März, 14.37 Uhr: Eigentlich sollte die Entscheidung erst morgen fallen. In Abstimmung mit der Staatsregierung wollte der Krisenstab beraten, ob die nächsten Öffnungsschritte überhaupt zum Tragen kommen - oder vorher einkassiert werden (siehe Erstmeldung). Weitere Lockerungen waren ab Montag, dem 22. März geplant, doch die Corona-Zahlen in München steigen. Nun scheint die Entscheidung schon am Tag vorher gefallen zu sein: „Keine weiteren Öffnungen in München ab kommenden Montag. Weil Inzidenz steigt, gibt es nicht die für Öffnungen notwendige stabile Lage. Das hat die Stadt München soeben klargestellt.“ Das twitterte Anne Hübner (SPD), Stadträtin in München. Die Entscheidung bezeichnete sie angesichts der Umstände als „absolut nachvollziehbar und richtig.“

Die momentane Lage ließe keine Öffnungen zu, so Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Es ist klargestellt, dass es schon aus rechtlicher Sicht in München ab nächster Woche keine weiteren Lockerungen geben kann. Es sprechen aber auch weitere Gesichtspunkte dagegen – wie etwa die kaum gegebene Planbarkeit.“

Corona-Chaos in München? Termin mit Söder-Regierung soll Entscheidung bringen

Erstmeldung vom 18. März, 13.32 Uhr: München - Die Corona*-Lage in Bayern bleibt angespannt. Wie das Robert-Koch-Institut* meldet, liegt die Sieben-Tage-Inzidenz* für den Freistaat bei 96 (Vortag: 92). Der Landkreis Kulmbach (313,0) liegt auf Platz zwei der Orte mit den deutschlandweit höchsten Inzidenzen. Auf Platz zehn liegt der Landkreis Kronach mit einem Wert von 241,2. Dahinter folgen auf den Plätzen 12, 14 und 15 der Landkreis Schwandorf (234,0), die Stadt Hof (220,4) und der Landkreis Wunsiedel 210,6 (Stand 18. März).

Corona in Bayern: Negativ-Trend in München setzt sich fort - Werden Öffnungsschritte einkassiert?

In München liegt die Inzidenz bei 69.* Am Tag zuvor betrug der Wert 68,8. Der Negativ-Trend setzt sich damit - wenn auch nur leicht - fort. Was wann in der Landeshauptstadt unter welchen Bedingungen wieder öffnet - das versteht wohl aktuell kaum einer mehr. Offenbar könnte das Chaos nun perfekt werden. Die ursprünglich für Montag geplanten weiteren Öffnungsschritte bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 könnten nämlich bereits vorher wieder einkassiert werden.*

Eigentlich sollten unter anderem die Außenbereiche der Restaurants wieder öffnen dürfen - mit Terminbuchung und negativem Schnelltest. Einen Regelüberblick finden Sie hier.* Wie die tz aber bei der Stadt erfahren hat, tagt am Freitag der Krisenstab. In Abstimmung mit der Staatsregierung wird beraten, ob die nächsten Öffnungsschritte überhaupt zum Tragen kommen.

Corona-Zahlen in München steigen: Theater will Betrieb starten - Werden Öffnungsschritte einkassiert?

Der Knackpunkt demnach: Laut neuester Fassung der Infektionsschutzverordnung muss nicht nur die Inzidenz unter 100 liegen, sondern das Infektionsgeschehen auch stabil oder sogar rückläufig sein. Doch die Tendenz in München ist seit Wochen steigend.

Für die Betroffenen, die zum Teil mitten in den Vorbereitungen für eine Öffnung stecken, ist das keine gute Nachricht. Das Volkstheater etwa steht schon in den Startlöchern. Am Donnerstag soll der Betrieb mit der Premiere von „Macbeth“ eigentlich wieder starten. „Zwei Drittel der Karten sind bereits verkauft“, sagt Intendant Christian Stückl. „Wir haben sogar Schnelltests* gekauft.“ Was, wenn das alles umsonst sein sollte? „Dann kann ich meine Mitarbeiter nicht aus der Kurzarbeit* holen…“

Corona regional: Das Update für Bayern

Corona-Lockerungen in Bayern: Nur wenige Gastronomen wollen öffnen

Nur wenige Gastronomen beabsichtigen überhaupt, ihre Biergärten und Freischankflächen nächste Woche zu öffnen. „Höchstens fünf bis zehn der Innenstadtwirte haben das vor – es ist nicht rentabel“, sagt Gregor Lemke, Sprecher der Innenstadtwirte. Er selbst will seinen „Augustiner Klosterwirt“ außen mit kleiner Karte aufmachen. Und falls das doch nicht klappt? „Wir haben schon so viele Nackenschläge bekommen – man arrangiert sich.“

Den Fitnessstudiobetreibern fehlt derweil der Glaube für eine Öffnung am Montag. „Fit Star“, „FitX“, „Fitness First“ und „Leo’s Sports Club“ sind aber alle vorbereitet. Skeptisch ist auch Veit Hesse, Geschäftsführer des Sportvereins MTV München: „Uns wurde eine Öffnungsperspektive vorgelegt – aber die läuft ins Leere.“ (kam/dpa) *Merkur.de/bayern und tz.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Markus Söder gilt in der Corona-Krise als Hardliner. Der CSU-Chef will vorsichtig öffnen und sich an der Inzidenz orientieren. Ein bayerischer Hotspot hat andere Pläne.*

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa/dpa-Bildfunk

Mehr zum Thema

Kommentare