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Omikron und Lehrermangel: Drohen bald Schulschließungen? - BLLV fordert klare Linie von Politik

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Von: Verena Möckl

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Müssen die Schulen bald schon wieder schließen? Der BLLV warnt und fordert Unterstützung von der Politik.
Müssen die Schulen bald schon wieder schließen? Der BLLV warnt und fordert Unterstützung von der Politik. © Armin Weigel/dpa/Symbolbild

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband befürchtet Schulschließungen im neuen Jahr. Für den BLLV steht fest: Die Politik muss klare Entscheidungen fällen.

München - Drohen nach den Weihnachtsferien wieder Schulschließungen in Bayern? Die Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV) Simone Fleischmann kann das nicht ausschließen. Sie befürchtet, dass wegen der hoch ansteckenden Coronavirus-Variante Omikron und dem Lehrermangel vielerorts Schulschließungen unausweichlich seien, sagt sie im Interview mit Merkur.de. Sie warnt davor, dass der Unterricht für viele Kinder ausfallen könnte, wenn die Lehrer in Quarantäne müssen. Die Politik ist gefordert. „Wir brauchen eine klare Linie.“

Schulschließungen in Bayern? BLLV fordert klare politische Entscheidungen

Die BLLV-Präsidentin fordert angemessene gesundheitspolitische Konzepte angesichts der Corona-Pandemie von der Regierung. „Wir brauchen eine ehrliche Politik, die keine falschen Hoffnungen macht, sondern die reale epidemische Lage an den Schulen erkennt“, sagt Fleischmann gegenüber Merkur.de. Es ginge ihr zufolge nicht um Anschuldigungen, sondern um eine ehrliche Kommunikation. Die Regierung müsse sich Parameter überlegen, anhand deren regional entschieden wird, wann eine Schule geschlossen wird oder offen bleibt. Für Fleischmann müssen vier Faktoren dabei beachtet werden.

Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV).
Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). © privat

Die Politik dürfe nicht bayernweit die Schulen schließen, sondern müsse regional die Inzidenzen an den Schulen im Blick behalten und je nach Impf- beziehungsweise Infektionsquote handeln, fordert Fleischmann.

BLLV-Präsidentin: „Die Schulleiter müssen von der Quarantäne-Entscheidung entlastet werden!“

Seit dem Ausbruch des Coronavirus fungieren Lehrer nicht nur als Pädagogen und Wissensvermittler, sondern sind auch für den reibungslosen Ablauf von Corona-Testungen und die Übermittlung der Testergebnisse an das örtliche Gesundheitsamt verantwortlich. Viele Lehrer sind überlastet. Der BLLV-Kreisverband in Starnberg etwa prangert die Misere an den örtlichen Schulen an und vergab „Note 5 für das Kultusministerium“.

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BLLV-Präsidentin Fleischmann sieht Politiker und Gesundheitsämter in der Pflicht. Von ihnen fordert sie klare und einheitliche Quarantäne-Regeln für die Schulen. Da viele Gesundheitsämter personell überlastet sind, sind Schulleiter dazu gezwungen, Quarantäne-Verordnungen für ihre Schüler zu erlassen. „Die Schulleiter müssen von der Quarantäne-Entscheidung entlastet werden!“, so Fleischmann im Merkur.de-Interview. Aufgrund der großen Belastung haben in Bayern in diesem Jahr 70 Schulleiter gekündigt. Der Druck auf Lehrer, Schüler und Eltern müsse genommen werden, betont Fleischmann. Es sei falsch, so zu tun, als sei alles wieder normal.

Simone Fleischmann

Simone Fleischmann ist eine Lehrerin aus München. Seit Mai 2015 ist sie Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. Mitglied ist sie dort bereits seit 31 Jahren.

Distanzunterricht in Bayern nicht an allen Schulen möglich

Darüber hinaus fordert der BLLV, die räumlichen Gegebenheiten an den einzelnen Schulen zu bedenken. Wie viel Platz es im Schulgebäude gibt, ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Nicht überall könne die gesundheitliche Sicherheit durch genügend Abstand sichergestellt werden, erklärt Fleischmann. Auch Luftfilter gibt es nicht an allen Schulen in Bayern.

Neben der räumlichen Beschaffung der einzelnen Schulen sei es laut Fleischmann wichtig, auch die digitalen Umstände festzustellen. Nicht jeder Schüler sei für Distanzunterricht technisch ausgestattet. Nicht überall gebe es stabiles WLAN, um Distanzunterricht zu ermöglichen, klagt sie. Hier brauche es bildungspolitische Konzepte.

Besonders wichtig sei es, den Druck jetzt von allen Beteiligten der Schulgemeinschaft zu nehmen, betont Fleischmann. Und wiederholte ihre Forderung aus dem vergangenen Jahr nach einem individuellen freien Förderjahr.

Wie Simone Fleischmann im Interview mit Bayern 2 betonte, dürften Schulen nicht „auf Biegen und Brechen“ offen gehalten werden. Es ginge nicht darum, was Schulleiter, Lehrer, Schüler und Eltern wollen. „Nicht die Lehrerverbände entscheiden, ob die Schüler in Distanzunterricht gehen, sondern die Politik.“

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