Gesundheitsgefahr bei Lehrern und Kindern?

Tag 1 der neuen Corona-Regeln an Schulen und im Handel: Schon gibt es Ärger - „Die standen wütend vor der Tür“

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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An Schulen in Bayern gibt es ab heute eine Testpflicht und viele Geschäfte dürfen nur noch „Click & Meet“ anbieten. Das führte vielerorts zu einem holprigen Start in die Woche.

München - Seit heute gelten zahlreiche neue Corona-Regeln in Bayern. Unter anderem müssen alle Schüler im Präsenzunterricht - unabhängig vom Inzidenzwert - zweimal wöchentlich einen Corona-Selbsttest* durchführen. Lehrer sind skeptisch, dass das in allen Jahrgangsstufen problemlos durchführbar ist. Außerdem haben zahlreiche Einzelhandelsbranchen ihre Sonderrechte verloren. Der Handelsverband Bayern blickt mit großen Sorgen in die Zukunft.

Corona-Regeln an Schulen: Besonders kleine Kinder tun sich beim Selbsttest schwer

Ab heute heißt es für viele Schüler in Bayern vor dem Unterricht Stäbchen in die Nase. Die Corona*-Selbsttests sind jetzt für alle Kinder und Jugendlichen unabhängig vom Inzidenzwert Pflicht. Sollte der Test verweigert werden, gibt es keine Teilnahme am Präsenzunterricht. Viele Lehrer hegen jedoch Zweifel, dass ihre Schützlinge das mit dem testen hinbekommen. Andere haben sogar Angst um ihre eigene Gesundheit. So sagt Pia Preuß, Lehrerin an einer Grundschule in Würzburg, dem BR: „Da sitzen dann die Schülerinnen und Schüler kurzzeitig ohne Maske* da und alle fangen das Niesen an, wenn sie sich die Stäbchen in die Nase schieben.“

Außerdem hat sie große Zweifel, dass Grundschulkinder - vor allem Erstklässler - überhaupt mit einem Selbsttest umgehen können. „Manche können keine Schleife binden, manche können ihren Reißverschluss nicht zumachen oder etwas ausschneiden. Jetzt müssen die den kleinen Deckel an dem Röhrchen abpfriemeln, mit dem Teststäbchen in der Nase bohren – also ich sehe das problematisch.“ Außerdem würden zwei Tests pro Woche viel Zeit in Anspruch nehmen. „Leider geht für das Selbst-Testen in der Schule sehr viel Zeit drauf. Die erste Stunde ist bei den Grundschul-Klassen auf jeden Fall weg“, sagt Pia Preuß Schulleiterin, Maike Gressel. Deshalb sind sich viele Pädagogen einig, dass Tests zu Hause wesentlich sinnvoller wären - auch um eine mögliche Ausgrenzung des Schülers bei einem positiven Ergebnis zu vermeiden.

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Corona-Regeln im Einzelhandel: Für Geschäfte lohnt sich das „Click & Meet“-Verfahren kaum

Seit heute gelten ebenfalls neue Regelungen im Einzelhandel. Baumärkte, Blumengeschäfte und Buchläden dürfen nicht mehr unabhängig von der Inzidenz* öffnen. Bei allen Geschäften außer im Lebensmittel- und Drogeriebereich gilt ab heute bei einer Inzidenz von über 100 das „Click & Meet“-Verfahren plus negativem Corona-Test. Bernd Ohlmann, Chef des Handelsverbands Bayern, hält von den neuen Vorschriften wenig. „Ein Händler hat mir gesagt: ‚Es ist Montag, mieses Wetter und Untergangsstimmung.‘ Viele Händler schlagen wegen den Regeln die Hände über dem Kopf zusammen.“

Vielerorts kam es bei den Kunden aufgrund der neuen Beschlüsse am Montag zu Verwirrungen, so Ohlmann gegenüber der dpa. Vor allem da viele Geschäfte plötzlich nicht mehr öffnen durften. „Die standen dann verwundert vor der Türe und waren wütend, wenn sie nicht rein durften“, sagt Ohlmann. Auch hier sei der Handel vor Ort wieder einmal das Ventil und bekomme den Ärger der Menschen ab. Das „Click & Meet“-Verfahren werde außerdem kaum angenommen. Es generiere wenig Umsatz, das haben Ergebnisse aus anderen Bundesländer bereits gezeigt, so Ohlmann. „Für viele Unternehmen stellt sich da die Frage, ob der Aufwand den Nutzen wert ist“, so der Handelsverbands-Chef. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa

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