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Söder-Regierung beschließt deutliche Lockerungen an Schulen: Lehrerverband auf den Barrikaden

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Von: Thomas Eldersch

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Der Deutsche Lehrerverband warnt vor einer zu schnellen Lockerung der Maßnahmen an Schulen. In Bayern ist ab Montag die Maskenpflicht im Unterricht aufgehoben.

München - Es ist ein Dauerthema an bayerischen Schulen. Braucht es eine Maskenpflicht oder nicht? Geht es nach vielen Schülern und Eltern, würde die Antwort wohl nein lauten. Hätte man bis vor kurzem noch die Vertreter der bayerischen Regierung gefragt, wäre wohl ein ja rausgekommen. Jetzt aber die Kehrtwende. In der jüngsten Kabinettssitzung wurde eine massive Lockerung der Maskenpflicht an Schulen beschlossen. Und prompt folgt Kritik. Diesmal von Seiten der Lehrer.

Damit sich das Coronavirus* nicht nach den Sommerferien in den Schulen wahllos verbreiten kann, sollte unter anderem eine Maskenpflicht am Platz dem vorbeugen. Damit ist jetzt Schluss. Ab 4. Oktober fällt diese Pflicht weg. Ade Corona-Masken* im Unterricht. Auch bei anderen schulischen Veranstaltungen oder bei der Mittagsbetreuung muss keine Maske mehr getragen werden. Diese Regel greift sogar, wenn im Klassenzimmer kein nötiger Sicherheitsabstand zum Banknachbarn eingehalten werden kann.

Alle weiteren Regeln, die das Kabinett beschlossen hat, finden Sie in unserem Überblick.

Maskenpflicht in der Schule: Lehrerverband sieht Aufhebung kritisch

Für den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Heinz-Peter Meidinger, ein Schritt in die falsche Richtung. Unterstützung erhält er von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Es ist verständlich, dass sich viele Menschen wünschen, die Maskenpflicht im Unterricht grundsätzlich aufzuheben, allerdings bleibt sie als ein Teil des Maßnahmenbündels abhängig vom Infektionsgeschehen sinnvoll. Das Zusammenspiel aller Maßnahmen bietet den bestmöglichen Gesundheitsschutz für Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sowie Lehrkräfte“, sagte GEW-Vorsitzende Maike Finnern dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Meidinger warnt ebenfalls vor einer zu schnellen Lockerung. Er sagte dem RND am Freitag: „Der Verzicht auf Testungen und die zu frühe Abschaffung der Maskenpflicht sowie die zu starke Reduzierung von Quarantänemaßnahmen erhöht die Gefahr, dass die Schule zur Black Box wird, was eine Kontrolle von Infektionen nicht mehr zulässt. Bei Gesundheitsschutzmaßnahmen sich ausschließlich an der Corona-Bettenbelegung auf Intensivstationen zu orientieren, würde das Prinzip der Vorsorge durch ein System ersetzen, das viel zu spät auf steigende Inzidenzen im Schulbereich reagieren kann.“

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Corona-Tests an bayerischen Schulen wird es weiter geben

Regelmäßige Testungen wird es an bayerischen Schulen auch weiterhin geben. Das war ein Grund, warum die bayerische Staatsregierung die Lockerungen überhaupt durchgewunken hat. In anderen Bundesländern - beispielsweise Thüringen - wurden Schnelltests* aber bereits aufgehoben. Eine gefährliche Entwicklung geht es nach Meidinger. Und die unterschiedlichen Regeln in den verschiedenen Bundesländern stören den DL-Präsidenten auch. „Ärgerlich ist, dass es nach wie vor einen kunterbunten Flickenteppich gibt, was die Gesundheitsschutzmaßnahmen an Schulen betrifft, und zwar unabhängig davon, wie intensiv das Infektionsgeschehen ist“, sagte er dem RND. Denn neben der Maskenpflicht werden auch das Testen oder die Quarantäneregeln unterschiedlich gehandhabt.

Einen Lichtblick gibt es allerdings für den Lehrerverbands-Chef. Die Impfquote unter den Jugendlichen steigt stetig an. „Zwar sind die Inzidenzzahlen gerade in der Alterskohorte der Kinder und Jugendlichen derzeit recht hoch, aber gleichzeitig nimmt auch die Impfquote bei den Schülern über zwölf Jahre schnell zu, seit es da eine allgemeine Impfempfehlung der Stiko gibt.“ Nach aktuellen Zahlen (Stand: 1. Oktober) des Robert-Koch-Instituts* (RKI) sind in Bayern 37,8 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen mindestens einmal geimpft. Zweitgeimpft sind 30,7 Prozent. Damit liegt der Freitstaat allerding unter dem deutschen Durchschnitt (41,9 %/34,6 %).

Die steigende Impfquote und die Maßnahmen sind für Meidinger ein Grund, warum es zurzeit nur kleine Ausbrüche an Schulen gebe und es zu keinem unkontrollierten Infektionsgeschehen komme. Und der DL-Chef ist sich auch sicher, dass die Schulen dieses Jahr ihren Unterricht regulär abhalten können. „Nach jetzigem Stand gehen wir nicht davon aus, dass nochmals komplette oder teilweise Schulschließungen mit damit verbundener Umstellung auf Distanz- und Wechselunterricht notwendig sein werden.“ *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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