Viele Schüler noch im Distanzunterricht

Schulen warten auf Corona-Schnelltests - Verteilprobleme und einige offene Fragen

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Nase-Bohren höchst erwünscht: In den kommenden Tagen sollen alle Schulen Corona-Selbsttests erhalten. Allerdings gibt es Verteilprobleme. Denn die meisten Schüler verharren noch im Distanzunterricht.

München – 15 Minuten für die Sicherheit: Die Abiturienten des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein sind mit die ersten, die in Bayern Erfahrungen mit den Corona-Selbsttests gesammelt haben. Ein Stäbchen wird in den Nasenvorhof gesteckt, erläutert Schulleiter Markus Gnad. Fünf-, sechsmal drehen, dann in ein Mini-Reagenzglas tunken, dieses verschließen, Tropfen auf einen Teststreifen perlen und auf das Ergebnis warten – fertig.

Corona in Bayern: Selbsttests für alle Schulen geplant - für Personal und Schüler

Was die Traunsteiner Abiturienten schon vergangene Woche in der Turnhalle ausprobierten, soll bald jeder Schüler ab 15 in Bayern im Handumdrehen beherrschen: den Corona-Selbsttest. Traunstein war im Vorteil, denn dort hatte der Landkreis alle Schulen schon vor zwei Wochen mit Schnelltests ausgestattet.

Nun aber hat der Freistaat die Sache an sich gezogen. „In den nächsten Wochen“ sollen alle Schulen mit Tests für Personal und Schüler ab 15 Jahren ausgestattet werden. Die Altersgrenze wird von Gesundheits- und Kultusministerium in einem gemeinsamen Schreiben nicht weiter erläutert. Eine Anfrage an das Gesundheitsministerium dazu wurde gestern nicht beantwortet.

Corona-Tests an Schulen in Bayern: Informationslage unübersichtlich - Schulleiter vorbereitet

Die Schulleiter sind vorbereitet. An der Quirin-Regler-Grundschule in Holzkirchen (Kreis Miesbach) sollen alle Beschäftigten die sogenannten Selbsttests zur Laienanwendung erhalten, sagt Schulleiterin Sabine Bösl. Dazu zählen neben den Lehrern zum Beispiel auch der Hausmeister und „natürlich auch das Personal der Mittagsbetreuung“.

Zwei Mal unter der Woche, montags und mittwochs oder donnerstags, soll das Personal die Tests zu Hause vor Schulbeginn durchführen. Ähnliche Pläne hat Walter Baier vom Gymnasium Bruckmühl (Kreis Rosenheim). Auch dort sollen diese Woche Testpakete ankommen, die Rede ist von einer ganzen Palette.

Corona in Bayern: Schüler ab der 10. Klasse sollen sich einmal wöchentlich testen

Baier wird die Tests an seine Lehrer weitergeben sowie an alle Schüler ab der 10. Klasse, die sich einmal wöchentlich testen sollen – sofern sie bei einer Inzidenz von unter 100 ab nächsten Montag wieder in den Präsenzunterricht kommen. Aktuell ist das nur beim Abiturjahrgang Q12 der Fall. Insgesamt werden die Tests für knapp 300 Personen benötigt. „Es wollen nicht alle mitmachen, aber die meisten“, sagt Baier.

Wann die Tests eintreffen, weiß Baier nicht. Die Informationslage ist unübersichtlich. „Jede Schule in jedem Landkreis in Bayern wird in den nächsten Wochen Selbsttests erhalten“, beruhigen die Ministerien in dem Schreiben an die Schulleiter. „Wenn Sie – aufgrund nicht für alle sofort verfügbarer Tests – nicht in der ersten Woche dabei sind, machen Sie sich keine Sorgen.“

In den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Dachau zum Beispiel werden die Testlieferungen erst im Laufe dieser oder der nächsten Woche erwartet. Angeblich sollen zunächst Landkreise mit höheren Inzidenz-Werten versorgt werden, hat der Dachauer Schulamtsdirektor Albert Sikora erfahren.

Corona-Schnelltests für Schulen: Landkreise mit hoher Inzidenz kommen zuerst

Eine dieser Schulen ist das Schiller-Gymnasium in Hof, wo die Inzidenz gestern bei 327 lag. „Wir sind komplett im Distanz-Unterricht“, berichtet Schulleiterin Anke Emminger. Seit Donnerstagnachmittag liegen die Selbsttests von Siemens in der Schule bereit. Sobald ein Schüler die Schule betritt, bekommt er ein Zehnerpackerl Tests in die Hand gedrückt, sagt Schulleiterin Emminger. Problem: Die Schüler dürfen die Schule nur betreten, wenn sie eine Klausur schreiben. Deshalb können die Tests nur nach und nach verteilt werden.

Es gibt aber auch Schulen, die eigene Teststrategien entwickelt haben. So hat sich die Zugspitz-Realschule Garmisch-Partenkirchen mit dem Bayerischen Roten Kreuz kurzgeschlossen. „Wir testen selbst“, sagt Schulleiter Markus Lieb.

Mehrere Lehrer wurden vom BRK geschult, drei werden morgen erstmals die 75 Schüler testen – mit einem Schnelltest, dessen Gültigkeit laut Lieb 24 Stunden beträgt. Das sei länger als beim an anderen Schulen verteilten Selbsttest. Die Erlanger Realschule am Europakanal will auf Nummer sicher gehen: Dort werden Lehrer und Schüler geschult, die dann als Multiplikatoren den Umgang mit den Selbsttests in kleinen Kursen an andere weitergeben.

Ging bei der Beschaffung von Corona-Schutzmasken immer alles mit rechten Dingen zu? Gegen das bayerische Gesundheitsministerium stehen nun unschöne Vorwürfe im Raum. Und wer sich in Altötting impfen lässt, bekommt einen digitalen Nachweis. Landrat Erwin Schneider setzt mit dem digitalen Impfpass seine eigene Idee um – und hofft, dass der Bund bald nachzieht. Weitere Nachrichten aus Bayern gibt es hier.

(Von Dirk Walter)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow / picture alliance / dpa

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