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Corona in Bayern: Behörde schlägt Alarm - Gefährliche Virus-Mutante im Freistaat schon bei über 70 Prozent

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Kurz vor Ostern warnt die oberste Corona-Behörde in Bayern nochmal deutlich: Die gemeldeten Fälle mit der Corona-Mutation aus Großbritannien steigen sprunghaft an. Ihr Anteil an allen auf Mutationen getesteten Fällen liegt bereits bei 72 Prozent.

Erlangen - Die Zahlen sprechen für sich. Wenn es so weiter geht, könnte das alte Coronavirus*, das uns seit einem Jahr begleitet, irgendwann aussterben. Laut einer wöchentlichen Daten-Analyse des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wächst die Briten-Mutante* jedenfalls rasant. 4666 Fälle wurden in Bayern in der Kalenderwoche vom 22. bis 28. März auf Mutationen untersucht. Davon machte die britische Mutante B.1.1.7. bereits 3392, also 72 Prozent aus. In der Vorwoche waren es erst 22 Prozent der untersuchten Fälle. Auch die Wochen davor betrug der Anteil der Großbritannien-Mutante nur rund ein Fünftel.

LGL schlägt Alarm: Anteil an Briten-Mutante von 22 auf 72 Prozent angestiegen

Kurze Zahlenlehre: „Grundlage der Auswertung bildet die Verpflichtung der Laborbetreiber in Bayern zur Meldung der mit variantenspezifischer PCR durchgeführten Untersuchungen, die am 11. Februar 2021 eingeführt wurde“, schreibt das LGL in einer Pressemitteilung. Übersetzt: Wer auf Mutationen testet, muss das auch ans LGL melden. So kommen offenbar diese 4666 untersuchten Fälle zusammen.

Wie groß der Anteil der Briten-Mutante insgesamt an den gemeldeten Corona-Fällen in Bayern ist, lässt sich daraus übrigens nicht erschließen. Zum Vergleich: In den letzten sieben Tagen wurden in Bayern über 18.000 Fälle nachgewiesen. Bei weitem nicht alle werden genau auf Mutationen getestet. Genannte 72 Prozent weisen also zwar sehr wohl auf einen rasanten Anstieg hin, nicht aber an einen tatsächlichen Anteil an der Corona-positiven Bevölkerung.

Großbritannien-Variante setzt sich in Bayern durch: Corona-Anteil schon bei 73 Prozent

Alle VOC-Virusvarianten (VOC=Variants of Concern) machen einen Anteil von 73 Prozent der untersuchten Fälle aus. Auch das Brasilien-Virus sowie die Südafrika-Mutante werden immer wieder nachgewiesen. Sie gelten in Fachkreisen als besonders gefährlich, weil sie auch Menschen anstecken, die bereits eine Corona-Infektion durchlebt haben, wie ein LMU-Experte erklärt.*

In dieser Grafik sehen Sie in Rot den Verlauf der 7-Tage-Inzidenz in Bayern und in Blau und Hellblau der steigende Anteil an den gefährlichen Mutanten.

Corona-Mutationen aus Südafrika und Brasilien in Bayern nachgewiesen

Gegen die Durchschlagskraft der UK-Variante B.1.1.7* scheinen sich sogar die südlichen Mutanten schwer zu tun. Die beiden Virus-Mutanten aus Übersee auseinanderzuhalten ist laut LGL übrigens gar nicht so einfach. Dafür bedarf es extra einer sogenannten Genomsequenzierung. Ein aufwendiges Verfahren. Auch das wird also nicht oft gemacht. Wenn schon, werden auch diese Ergebnisse gemeldet. In Pfaffenhofen an der Ilm wurden so 29 Fälle der Brasilien-Mutante nachgewiesen. So viele wie nirgends sonst in Bayern. Landsberg am Lech führt mit 115 Fällen aus Südafrika hier die Rangliste.

Aber auch in Bayerns Großstädten treten die neuen Mutanten aus Afrika und Südamerika schon auf. Hier eine kleine Übersicht. In Regensburg gibt es bisher keine dokumentierten Fälle.

Nachgewiesene Mutationen aus Südafrika und Brasilien in Bayerns Großstädten

MutanteB.1.351 (Südafrika-Variante)P.1 (Brazil-Variante)
München (Landkreis und Stadt)81
Nürnberg (Landkreis und Stadt)36
Augsburg (Landkreis und Stadt)956

Das LGL weist weiter darauf hin, dass die Brasilien- sowie die Südafrika-Variante in der vergangenen Kalenderwoche sogar rückläufig waren. Ihr Anteil an den untersuchten Mutanten beträgt nur noch 0,9 Prozent. In der Vorwoche waren es noch 2,6 Prozent. Ein Trend lässt sich daraus aber noch nicht herauslesen.

Corona-Mutante in Bayern auf dem Vorstand - LGL-Vize-Chef warnt deutlich

„Die Zahlen zeigen, dass sich die wesentlich ansteckendere Variante aus Großbritannien in den vergangenen Wochen in Bayern kontinuierlich durchsetzt, daher sind die Hygiene- und Abstandsregeln trotz laufender Impfungen nach wie vor unerlässliche Schutzmaßnahmen“, warnt Dr. Peter Wallner, Vizepräsident des LGL. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © LGL/AFP

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