Der Bergsteigerbus auf der Sylvensteinbrücke.
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Der Bergsteigerbus in die Eng über die Sylvensteinspeicher-Brücke ist eine Möglichkeit, ohne Auto zum Wandern zu kommen.

Pilotversuch ab Pfingsten

Große Pläne des DAV: Das Ende des Ausflügler-Chaos auf Bayerns Straßen?

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Der Alpenverein will ab Pfingsten eine eigene Buslinie von München in Berge anbieten. Es könnte ein erster Weg sein, die Automassen der Ausflügler von den Straßen zu bekommen.

München - Am Wochenende ist Michael Vitzthum wieder losgezogen - diesmal auf „Kleinwalsafari“. Der begeisterte Skitourengeher aus München hat sich zum Ziel gesetzt, zu all seinen Touren mit Bus und Bahn anzureisen. So auch bei der Tour ins Kleinwalsertal (das übrigens nicht als Risikogebiet gilt): Mit dem Zug nach Oberstdorf, dann mit dem Walserbus bis Baad. Und schließlich zu Fuß hinauf zur Güntlespitze. „So leicht geht das, ohne verzweifelte Parkplatzsuche und dem irren Verkehr“, schreibt Vitzthum auf Facebook, wo er seine autofreien Touren dokumentiert.

DAV plant Bergsteigerbus ab München: Ohne Auto in die Alpen

Vitzthum trommelt schon seit Langem für einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ins bayerische Gebirge, um die Straßen und Natur vom Autoverkehr zu entlasten. Tatsächlich gibt es auch im Freistaat einige Möglichkeiten, um mit dem Bus zum Berg zu kommen. Und es sollen weitere hinzukommen.

Michael Vitzthum

So plant die Sektion München & Oberland des Deutschen Alpenvereins einen eigenen Bergbus, der ab Pfingsten in die Pilotphase starten soll. Auf drei Routen sollen die Busse an den Wochenenden von verschiedenen Startpunkten in München aus ins Allgäu, in die Ammergauer Alpen und in den Chiemgau fahren. Über die genauen Ziele werde gerade noch verhandelt, erklärt Matthias Ballweg vom DAV. „Aber es gibt schon jetzt viele Gemeinden, die fragen, ob wir nicht auch zu ihnen fahren wollen.“ Denn seine Erfahrung ist: „Die Bergsteiger sind vor Ort durchaus erwünscht. Nur die Autos nicht.“

DAV-Sprecher beschwichtigt nach Bus-Plänen für Bergsteiger: „Wollen keine Konkurrenz zur Bahn sein“

In das Busprojekt will der DAV mehrere zehntausend Euro aus den eigenen Mitgliedsbeiträgen stecken. Je nach Nachfrage sollen samstags und sonntags pro Zielort mehrere Verbindungen angeboten werden - für Frühaufsteher (Abfahrt 6 Uhr in München) genauso wie für Langschläfer (Abfahrt 8.30 Uhr). Die Wander-Hotspots will der DAV verschonen. „Orte wie Spitzing und Schliersee werden wir nicht ansteuern“, sagt Ballweg. „Und wir wollen keine Konkurrenz zur Bahn und zu bestehenden Busverbindungen sein.“ Das Ziel: Wanderrouten, die bislang öffentlich schlecht zu erreichen sind. Verschiedene Stopps vor Ort sind ebenfalls geplant, um Rundtouren zu ermöglichen und die Wanderer besser zu verteilen. Auch die Mitnahme von Mountainbikes, Kinderwagen oder einem Gleitschirm soll ermöglicht werden. Die Ticketpreise stehen noch nicht fest - „aber das soll kein Angebot nur für wohlhabende Münchner sein“, betont Ballweg.

Bergsteigerbus in die Alpen: Münchner sollen Ausflüge ohne Auto machen

Auch ohne den DAV-Bergbus gibt es schon einige Busverbindungen in der Region, die Wanderern den Verzicht aufs Auto erleichtern. Den Bergsteigerbus von Bad Tölz in die Tiroler Eng zum Beispiel, dessen Takt vergangenes Jahr noch verstärkt wurde. Im Bergsteigerdorf Kreuth wurde kürzlich ebenfalls über die grenzübergreifende Bergsteigerbuslinie diskutiert, die bisher von Tegernsee bis zum Tiroler Achensee fuhr. Kritik gab es im Gemeinderat daran, dass die Linie vor allem in Österreich genutzt wurde, während man von Tegernsee aus in Kreuth noch einmal umständlich umsteigen musste, berichtet Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider. Der Kompromiss: Ab Pfingsten sollen bestehende Buslinien aus Tegernsee bis zum Achenpass verlängert werden. Dafür fahren die Busse nicht mehr so oft über die Grenze wie bisher. Und Bierschneider verrät: Auch mit dem Alpenverein laufen gerade Gespräche bezüglich des neuen Bergbusses.

Bergtouren ohne eigenes Auto: DAV-Pläne könnten Ausflügler-Chaos verringern

ÖPNV-Aktivist Vitzthum, der in diesem Winter fast 40 Skitouren ohne Auto unternommen hat, freut sich über jedes zusätzliche Angebot, das den Menschen den Umstieg vom Auto erleichtert. Aber er sagt auch, zusätzliche Busverbindungen aus München könnten nicht die alleinige Lösung sein. „Die Kommunen, aber auch Bayern und Tirol müssen noch besser kooperieren.“ Die Busverbindungen müssten an die Zugzeiten angepasst und grenzübergreifende Ticketangebote geschaffen werden. „Und warum könnte man nicht das Bayernticket für Fahrten aus der Stadt hinaus auch für die Zeit vor 9 Uhr freigeben?“, fragt Vitzthum. „So könnte man auch unter der Woche die Wanderer mit dem Zug statt mit dem Auto in die Berge locken.“

Seinen Appell richtet er aber nicht nur an die Verkehrsplaner und Politiker. „Die Leute müssen das Angebot auch annehmen.“ Genau deshalb will er mit seinen Touren zeigen, dass Wandern ohne Auto auch komfortabel möglich ist.

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