In dreieinhalb Stunden ausverkauft

Bayerisches Brauer-Duo landet mit Impfstoff-Bier viralen Mega-Hit - Idee hat ernsten Hintergrund

  • Klaus-Maria Mehr
    vonKlaus-Maria Mehr
    schließen

Der Stoff ist ab 18 zugelassen und kann sogar bequem oral eingenommen werden: Zwei Brauer aus Franken und München haben einen viralen Hit mit einer Bierkreation erreicht. Die Idee hat einen ernsten Hintergrund.

München/Schlüsselfeld - Alle sind sie auf den Karren aufgesprungen. Welt, Sat1, Bild, SZ und so weiter. Zwei Brauer haben einen wahren, viralen Medienhit der Superlative gelandet. Die Idee ist so einfach wie genial und trifft offenbar den aktuellen Humor vieler: Ein originelles Bier brauen - und es auf den schönen Namen „Impfstoff*“ taufen.

Dazu noch ein schönes Cover für die „Impf-Dose“ entwerfen und das ganze mit einer gewitzten Social-Media-Kampagne garnieren - und fertig ist der Hit. David Hertl und Dario Stier heißen die genialen Erfinder. Stier ist Braumeister bei der Munich Brew Mafia und Hertl stolzer Inhaber der nach eigener Angabe kleinsten Braumanufaktur Frankens in Schlüsselfeld, etwa 50 Kilometer nördlich von Nürnberg.*

Impfstoff-Bier in der Corona-Krise: „Herrlich bescheuerte Idee“

Um die „herrlich bescheuerte Idee“ (Hertl) noch weiterzutreiben, wird der Impfstoff freilich inklusive Rezept und Dosierungsempfehlung versendet. „Wir empfehlen als Braumeister alle vier Stunden“, sagt Hertl, „und spätestens nach vier Dosen spürt man eine Wirkung.“ Das kann man wohl als Garantie übernehmen. Schließlich trinkt man schon bei der einfachen „Dosage“ des hopfigen IPA sechs Prozent Alkohol mit, bei der dreifachen sogar acht Prozent.

Um auf so viel Gag-Genialität noch einen draufzusetzen, wird das Bier - bei kleinen Brauereien sehr ungewöhnlich und sicher deutlich teurer in der Produktion - in der Dose (Sie verstehen? Impf-Dose, haha) vertrieben und nicht in der in Bayern gewohnten Glasflasche.

Corona-Impfstoff-Bier: Idee weist auf prekäre Lage der kleinen Brauer in Bayern hin

Bei so viel Wortwitz kann man es wohl der Medienbranche (uns eingeschlossen) kaum verübeln, dass wir alle dankbar mit aufspringen. Nicht nur um der Geschichte willen, sondern auch auf die extrem prekäre Lage der kleinen, unabhängigen Brauereien in Bayern aufmerksam zu machen.

Die Rede ist nicht von den großen Marken, die in jedem Supermarkt-Regal Schlange stehen. Die Rede ist von den ganz kleinen, unabhängigen Bierbrauern, das Destillat der bayerischen Kultur, wenn man so will. Brauer, die so klein sind, dass durch die Abfüllkosten und den Pfandkreislauf inklusive Flaschenwaschanlage kaum mehr Gewinn übrigbleibt. Die Brauer, die vom Ausschank in der eigenen Wirtschaft leben, von den Festen vom direkten Konsum aus dem Fass und nicht vom Griff ins Supermarkt-Regal.

Kürzlich haben wir zum selben Thema eine stark rezipierte Geschichte veröffentlicht, die tatsächlich genau denselben Hintergrund hat. Denn viele dieser kleinen Brauer bekommen nicht einmal Corona-Hilfen. Und so drohen die Bier-Produzenten, die Bayern ein Stück weit ausmachen, an Corona zu sterben. Langsam, leise, unbeachtet. Umso wichtiger das Impfstoff-Bier des fränkisch-münchnerischen Duos. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Hat der Impfstoffmangel in Landshut ein Ende? Ein Bäcker greift in der Krise beherzt ein - und liefert „Corona-Spritz-Krapfen“ fürs Seelenwohl.

Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook/Braumanufaktur Hertl

Mehr zum Thema

Kommentare