Schulkinder sitzen mit Maske im Unterricht.
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Gegen die Maskenpflicht an Grundschulen regt sich Widerstand.

In einigen Landkreisen abgeschafft

Maskenpflicht an Grundschulen: Eltern gehen auf die Barrikaden - Arzt überrascht: „Schwer verständlich“

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  • Thomas Zimmerly
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  • Claudia Schuri
    Claudia Schuri
  • Dirk Walter
    Dirk Walter

Maske für Erstklässler? Nicht bei uns! Nach dem OB von München heben mehrere Landräte die Maskenpflicht an Grundschulen auf. Die bayerische Staatsregierung indes warnt.

  • Mehrer Landkreise haben die Maskenpflicht an Grundschulen abgeschafft.
  • Andere verschärfen die Corona*-Regeln an den Schulen noch weiter.
  • Kinderarzt sieht keine Gefahr beim Tragen einer Maske im Unterricht.

München ‒ Es klingt wie ein Machtwort: Nach Elternprotesten hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Dienstagabend die Abschaffung der Maskenpflicht an Grundschulen verordnet. Er wolle die Einschränkungen für die jüngsten Schülerinnen und Schüler „so gering wie möglich“ halten, erklärte Reiter. Nur fünf Prozent der 83 derzeit wegen Coronafällen geschlossenen Klassen seien Grundschulklassen. Grundschüler, so folgert Reiter, „sind keine Infektionstreiber.“

Maskenpflicht an Grundschulen: Drei Landkreise haben bereits reagiert

Als erster hatte der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) reagiert. Er schließe sich der Argumentation von Dieter Reiter ausdrücklich an, erklärte er noch am Dienstagabend (20. Oktober). Er habe selten so viele kritische Rückmeldungen erlebt, die „in der Sache auch gut begründet sind“, erläuterte der CSU-Politiker. Die Landkreise Unterallgäu und Landsberg folgten am Mittwoch diesem Beispiel.

Überall gibt es, zum Teil sehr emotional, Elternprotest gegen den verhassten „Maskenzwang“. In Dachau gründete sich gar eine Elternbewegung. „Ein Lernen und unbefangenes Aufnehmen von Informationen und Wissen ist nur eingeschränkt möglich und erzeugt das Gefühl, beengt und geistig nicht voll anwesend sein zu können“, begründete eine Mutter ihren Protest. Freilich wolle sie nicht auf den „Verschwörungstheoretikerzug“ aufspringen.

Maskenpflicht an Grundschulen: Andere Landkreise gehen sogar noch strikter vor

Während München die Maskenpflicht an Grundschulen abschaffte, gehen andere Kommunen den entgegengesetzten Weg, zum Teil mit Differenzen im Detail: Der Landkreis Lindau führte die Maske für alle Schüler und Lehrer am Mittwoch ein, weil der Inzidenzwert* 50 überschritten wurde. Das bedeute auch Klassenteilung in Präsenz- und Heimunterricht. So ist es seit längerem auch im Landkreis Fürstenfeldbruck. Dort gibt es die Maskenpflicht sogar in halbierten Grundschulklassen. Auch der Landkreis Starnberg entschied sich, die Maskenpflicht beizubehalten – allerdings mit der Begründung, gerade damit eine drohende Teilung der Klassen verhindern zu wollen. Ähnlich ist es in Freising.

Grundsätzlich landesweit verordnet ist die Maskenpflicht im Unterricht aller Jahrgänge in einem Landkreis bei einem Inzidenzwert größer als 50. So sieht es die bayerische Corona*-Ampel vor, die vergangene Woche verabschiedet wurde. Zumindest im Prinzip. Die Landräte, die davon abweichen, berufen sich auf eine Öffnungsklausel.

Maskenpflicht an Grundschulen: Landesregierung plädiert für Beibehaltung der Regel

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich am Mittwoch in der Regierungserklärung klar für die Maskenpflicht aus. Kultusminister Michael Piazolo (FW) folgt dieser Linie. „Das Infektionsgeschehen verschärft sich derzeit erheblich.“ Auch die Zahl der Schüler, die in Quarantäne sind, steigt täglich. Gestern waren es 26.400 – 10.000 mehr als noch am vergangenen Freitag. Piazolo kann sich auf das Robert-Koch-Institut berufen, das bei der 50er-InzidenzMasken im Unterricht aller Jahrgangsstufen“ empfiehlt.

Dr. Dominik Ewald, Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, würde sich wünschen, dass die Maskenpflicht an Grundschulen aufrechterhalten wird. „Es ist schwer verständlich, wenn Bürgermeister verkünden, dass auch in Hotspots Grundschüler keine Maske tragen müssen“, sagt er. Das Tragen der Maske in Schulen sei sinnvoll, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. „Die meisten Kinder kommen damit gut zurecht“, sagt er. „Beschwerden können auch psychosomatisch auftreten.“ Angst, dass Kinder durch die Maske nicht genug Luft bekämen, müsse niemand haben.

Verfolgen Sie das Corona-Geschehen in Bayern in unserem aktuellen News-Ticker.

Maskenpflicht in Grundschulen: „Eindruck von Kleinstaaterei“ (Kommentar)

Die Maskenpflicht (vor allem die an Schulen) ist zur ideologischen Streitfrage verkommen – das war absehbar, ist aber sehr bedauerlich. Die Zahl der Zweifler nimmt zu – und jetzt haben der Oberbürgermeister von München und mehrere Landräte Pflöcke eingeschlagen: Sie hoben die Maskenpflicht im Unterricht für die Grundschulen auf. Die bayerische Staatsregierung ist dagegen, andere Landräte folgen dieser Linie. Damit ist der Wirrwarr perfekt. In der Tat ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Maskierung von Schülern nicht leicht zu entscheiden, da sich auch die Wissenschaft nicht einig ist, ob (Grund-) Schulen wirklich ein Treiber des Infektionsgeschehens sind. Aber angesichts einer so unklaren Lage spricht doch einiges dafür, sich zunächst auf die Seite der Vorsichtigen zu schlagen und die Maskenpflicht von Klasse 1 bis 12 zumindest bis zu den Herbstferien beizubehalten. Klar, Masken sind lästig (übrigens auch im Beruf), aber die Erfahrung hat gezeigt, dass sie kein unüberwindbares Hindernis beim Unterrichten sind und auch kleinere Schüler das ertragen können.

Es ist bedauerlich, dass der Schutz vor Corona auf kommunaler Ebene so unterschiedlich gehandhabt wird. Warum können sich die Staatsbeamten da nicht absprechen – und wofür gibt es eigentlich den Landkreis- und Städtetag, die koordinierend eingreifen? So bleibt der Eindruck von Kleinstaaterei! Übrigens nicht nur bei der Maske: Auch bei der Frage, ab wann die Klassen geteilt (ab Inzidenzwert 50?) und die Hälfte der Schüler in den ungeliebten Heimunterricht getrieben wird, macht jeder Landrat, was er will und mitunter (wie in Fürstenfeldbruck) zu viel. Bei so einem Fleckerlteppich ist es klar, dass die Verunsicherung steigt und die Zahl derjenigen, die das alles überhaupt für großen Mist halten, zunimmt. Das kann so nicht bleiben. (Dirk Walter) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Im Corona-Hotspot Berchtesgadener Land sind die Schulen und Kitas derzeit geschlossen. Der Landrat hofft jedoch, dass sich das nach den Herbstferien ändert.

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