Verteilung heiß diskutiert

„Großer Unmut“, „Starres System“: Impf-Zoff in Bayern schwelt weiter - jetzt wird nächste Forderung laut

  • Franziska Konrad
    VonFranziska Konrad
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Bereits seit Mittwoch gibt es in bayerischen Impfzentren kaum noch Erstimpfungen. Aus dem Landkreistag werden neue Forderungen laut.

Update vom 19. Mai, 19.20 Uhr: Aus Sicht des bayerischen Landkreistages sollte auch die Zahl der über die Ärzte vergebenen Impfungen gegen das Coronavirus an der regionalen Einwohnerzahl bemessen werden. Abgesehen von Sonderkontingenten etwa für besonders stark getroffene Regionen sei die Verteilung der Impfstoffe an die Impfzentren der Landkreise und kreisfreien Städte einwohnergerecht, sagte der Präsident des Landkreistages, Christian Bernreiter, am Mittwoch in München. Seit jedoch auch die Haus- und Fachärzte mitimpften, gebe es starke Verschiebungen. „Das führt zu großem Unmut.“

Corona: Verteilung von Impfstoff in Bayern heiß diskutiert: „Starres System, das so nicht hält“

Die Ärzte erhielten über das Bundesgesundheitsministerium in der Summe inzwischen mehr Dosen als die Impfzentren, erläuterte der Deggendorfer Landrat. Allerdings würden Gebiete mit geringer Ärztedichte benachteiligt. Zugleich könnten Dosen, die etwa wegen nicht besetzter Praxen nicht abgerufen werden, aufgrund der Zuständigkeiten nicht an die Impfzentren übertragen werden, sagte der CSU-Politiker. „Da ist ein starres System, das so nicht hält.“

Update vom 19. Mai, 13.40 Uhr: Rund drei Wochen lang wird es in den bayerischen Impfzentren fast ausschließlich nur noch Zweitimpfungen geben. „Ich gehe davon aus, dass wir ab der Kalenderwoche 23 in den Impfzentren wieder mit Erstimpfungen weitermachen können, die übrigens auch bei den Hausärztinnen und Hausärzten und Fachärzten weiter abgegeben werden“, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Mittwoch in München. Bis zum 7. Juni aber müssten sich die Impfzentren auf die anfallenden Zweitimpfungen konzentrieren, es werde daher nur wenige Termine für Erstimpfungen geben.

Grund sind überdurchschnittlich viele Zweitimpfungen durch die Verlängerung des Impfintervalls bei den Vakzinen von Moderna und Biontech. Dadurch hatten im April besonders viele Menschen ihre erste Spritze erhalten. Hinzu kommt laut Holetschek bei unter 60-Jährigen der Wechsel des Impfstoffs von Astrazeneca auf die mRNA-Impfstoffe bei Zweitimpfungen.

„Dass wir uns jetzt eine Zeit lang auf die Zweitimpfungen konzentrieren, ist jetzt eigentlich nichts Überraschendes“, betonte Holetschek deshalb. „Es ist ja nicht so, dass man sagt, Erstimpfungen werden eingestellt.“ Die Ärzte impften schließlich weiter, auch wenn der Bedarf bei sämtlichen Impfstoffen über dem Verfügbaren liege. Der vom Bund geplanten Aufhebung der Priorisierung auch in den Impfzentren steht Holetschek derweil skeptisch gegenüber.

Impfstopp? Auch München von Ministeriums-Brief völlig überrascht - Kaum mehr Erstimpfungen in Bayern im Mai

Update vom 19. Mai, 08.01 Uhr: Die Meldungen aus Bayerns Kommunen verdichten sich zu einem einheitlichen Bild. Der Ärger ist riesig. „Das ist nicht die Strategie, die ich mir vorstelle und erfüllt auch nicht das, was uns Kommunen von Monat zu Monat immer wieder aufs Neue zugesagt wurde“, sagt etwa Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Das ist passiert: Nach übereinstimmenden Meldungen haben die Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern am Dienstag eine überraschende Meldung vom Gesundheitsministerium bekommen. Ab heute (Mittwoch) wird es für lange Zeit kaum mehr Erstimpfungen in den Impfzentren geben. Die Rechnung dahinter ist einfach: Die Liefermenge an mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer und Moderna bleibt auch im Mai gleich. Gleichzeitig rollt eine Welle der Zweitimpfungen auf die Zentren zu. Spätestens nach der Stiko-Empfehlung gegen Astrazeneca wird also nun so gut wie jede Dose mRNA-Impfstoff für Zweitimpfungen in Bayern gebraucht.

Das Timing der Kommunikation erzürnt Kommunen in ganz Bayern. Vor allem, weil die Information mit der Abschaffung der Priorisierung bei Hausärzten zusammenfällt.

Update vom 18. Mai, 22.40 Uhr: Es ist ein hin und her. Nachdem eine Pressemitteilung des Bamberger Landratsamts über einen vorläufigen Stopp für Erstimpfungen große Wellen schlug, äußert sich nun das Gesundheitsministerium.

Die Verwirrung ist damit perfekt. Denn das Ministerium widerspricht ausdrücklich dieser Nachricht: Es habe keine Anweisung gegeben, die Erstimpfungen gänzlich zu stoppen, hieß es am Abend. Es sei lediglich über die hohe Anzahl der nun nötigen Zweitimpfungen informiert worden.

Abgesehen davon verwies ein Ministeriumssprecher darauf, dass man derzeit den Einfluss der nun nötigen Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff nach einer ersten Astrazeneca-Impfung auf die verfügbare Impfmenge für Erstimpfungen beobachte. Zwar müssten in einigen Regionen Bayerns die Erstimpfungen eingeschränkt werden, die Rede sei aber nicht von einem Stopp gewesen.

Ursprünglicher Artikel, 18. Mai, 21.01 Uhr: München - Neue Hiobsbotschaft zum Thema Corona-Impfung*: Am Dienstag verkündet das Bayerische Gesundheitsministerium überraschend, dass es schon ab dem morgigen Mittwoch in allen Impfzentren keine Erstimpfungen mehr geben soll. Das berichtet infranken.de. Impftermine* gibt es dann erst mal nur noch für Zweitimpfungen.

Corona in Bayern: Vorerst keine Erstimpfungen mehr in Impfzentren - Alle Termine abgesagt

„Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat mit Nachricht vom 18. Mai 2021 den Leitern der bayerischen Impfzentren mitgeteilt, dass ab dem darauf folgenden Tag, Mittwoch, den 19. Mai 2021, alle verfügbaren Impfstoffe von BioNTech und Moderna ausschließlich für Zweitimpfungen zu verwenden sind“, heißt es dazu in einem Presseschreiben der Stadt Bamberg.

Was das für Auswirkungen hat, sieht man am Beispiel Oberfranken: „Das bedeutet, dass ab dem morgigen Mittwoch (19.5.2021) auch in den Impfzentren in Stadt und Landkreis Bayreuth sämtliche Corona-Erstimpftermine kurzfristig storniert werden müssen.“ Termine für Erstimpfungen sind laut der Stadt erst wieder möglich, wenn das Bayerische Gesundheitsministerium die Impfstoffe für Erstimpfungen wieder freigegeben hat.

Corona: Keine Erstimpfungen in Impfzentren - Bambergs Oberbürgermeister und Landrat empört

All das geschieht überraschend - und ohne große Vorwarnung für die Städte von Seiten der bayerischen Regierung. Alles andere als glücklich stimmt diese Entwicklung Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke und Landrat Johann Kalb. Die beiden Politiker reagieren entsetzt und verärgert. „Ohne Vorwarnung wurden die Impfzentren heute am späten Nachmittag angewiesen, ab morgen nur noch Zweitimpfungen durchzuführen und alle geplanten Erstimpfungen abzusagen“, werden sie von infranken.de zitiert.

Deutliche Kritik zur Corona-Impfstrategie kommt auch aus der bayerischen Landeshauptstadt: Erst am Montag, 17. Mai, habe das Münchner Gesundheitsamt vom bayerischen Gesundheitsministerium erfahren, dass das Impfzentrum in den kommenden Wochen kaum noch Erstimpfungen durchführen könne. So solle Impfstoff für Zweitimpfungen gespart werden. „Das ist nicht die Strategie, die ich mir vorstelle und erfüllt auch nicht das, was uns Kommunen von Monat zu Monat immer wieder aufs Neue zugesagt wurde“, wird Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) von Focus zitiert.

Aktuell erhält der Freistaat etwa 400.000 Impfdosen pro Woche. Doch das reicht bei weitem nicht aus. Fast die gesamten Impfstoff-Lieferungen von Biontech und Pfizer im Mai wurden in Bayern für Zweiimpfungen verwendet. Das bestätigte Gesundheitsminister Holetschek am Dienstag nach der Kabinettssitzung dem BR. Er stellte klar: Der Impf-Schwerpunkt im Freistaat liege in nächster Zeit auf den Zweitimpfungen.

Übrigens: Die wichtigsten Geschichten aus dem Freistaat gibt‘s jetzt auch in unserem brandneuen, regelmäßigen Bayern-Newsletter. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA (kof)

Rubriklistenbild: © Marta Fernández Jara/dpa-Bildfunk/EUROPA PRESS

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