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Corona-Boostern für Menschen unter 18 in Bayern Glückssache - ganz anders im Ausland

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Von: Dirk Walter

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Eine 14-Jährige bei der ersten Impfung. Das war im August. Eine Auffrischung wird indes von der Stiko nicht empfohlen
Eine 14-Jährige bei der ersten Impfung. Das war im August. Eine Auffrischung wird indes von der Stiko nicht empfohlen. © Philipp Schulze/dpa

Personen unter 18 Jahren erhalten in Deutschland anders als etwa in Österreich nach der Stiko-Empfehlung noch keine Auffrischungsimpfung. Doch es gibt Ärzte, die abweichen.

München – Wenn es nach der Ständigen Impfkommission (Stiko) geht, haben Jugendliche und Kinder derzeit keine Chance auf den dritten Piks. Erst am Dienstag veröffentlichte die Stiko eine Empfehlung zur Auffrischungsimpfung „bereits ab dem vollendeten 3. Monat nach Abschluss der Grundimmunisierung“. Zuvor hatte eine Sechs-Monats-Frist gegolten. Doch erhalten sollen sie nur Personen ab 18.

In Deutschland sind die Vorschriften damit andere als in Österreich. Dort hat das Nationale Impfgremium Kindern und Jugendlichen ab zwölf eine dritte Impfung sechs Monate nach dem zweiten Stich empfohlen, in Einzelfällen sogar schon ab dem vierten Monat. Ähnlich ist es in Israel. In den USA wiederum wird Jugendlichen ab 16 auch wegen der Omikron-Variante* eine Auffrischung sechs Monate nach der Grundimmunisierung empfohlen.

Boostern für Menschen unter 18: Stiko zögerlich - Experten und Mediziner machen Druck

Dass die Stiko zögerlich ist*, hatte Dr. Dominik Ewald, Landeschef der Kinder und Jugendärzte in Bayern, schon erwartet. Die Stiko warte eben immer „die letztgültige Publikation“ zu dem Thema ab und sei für schnelle Reaktionen in einer Pandemie „nicht gut aufgestellt“. Offiziell werde sich freilich sein Berufsverband an die Stiko-Linie halten. Aber „mit gesundem Menschenverstand“ seien „Off-label-Impfungen“ – also Impfungen, die von offiziellen Vorschriften abweichen – jetzt schon durchführbar. „Wenn jetzt ein Jugendlicher kommt und die Zeitschiene eingehalten ist, gibt es keinen Grund zur Zurückhaltung.“ Auch er selber habe in seiner Praxis in Regensburg* schon Jugendliche geboostert.

Auch das bayerische Gesundheitsministerium befürwortet „grundsätzlich“ Boostern unter 18. Es sei „eine rasche Klarstellung erforderlich, ob eine solche Impfung empfohlen wird“ – das werde von den Ärzten auch gewünscht. Ganz streng an die Vorschriften hält sich derweil das Impfzentrum der Stadt München: Booster-Impfungen* würden „nur bei Personen im Alter ab 18 Jahren“ durchgeführt, teilt das Gesundheitsreferat mit. In den rund 30 Impfzentren, in denen BRK-Personal vor Ort ist, könnten Jugendliche indes Glück haben. „Der Arzt vor Ort entscheidet“, da gebe es kein eindeutiges Ja oder Nein, sagt ein BRK-Sprecher.

Corona-Impfung: Ab welchem Alter ist Boostern notwendig? Es geht auch um Haftung

Er verweist auch auf Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach* (SPD). Dieser hatte am Mittwoch gesagt: Bei Impfungen unter 18 werde der Bund, „weil es sich ja um einen zugelassenen Impfstoff handelt“, die Haftung übernehmen. Lauterbach habe recht, sagt Dr. Ulrich Schaller, Hausarzt in München-Pasing. Auf die mündliche Erklärung allein möchte er sich aber nicht verlassen. Er boostert Jugendliche unter 18 nur bei schweren Vorerkrankungen. „Die Haftungsfreistellung und eine zeitnahe Empfehlung zur Boosterimpfung wären wünschenswert.“ Er schaue „gerne nach Israel, die sind uns immer eine Nase voraus“.

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Auf ein weiteres Problem verweist der Landesvorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbands, Dr. Markus Beier aus Erlangen*: „Wir haben immer noch Biontech-Mangel.“ Denn die Stiko empfiehlt, Personen unter 30 generell nur mit Biontech zu boostern. „Die Praxen priorisieren“, warnt Beier. „Da hat eine Schwangere Vorrang vor einem 14-Jährigen.“ Ein Österreich-Urlaub, für den bei der Einreise eine Boosterung den nötigen PCR-Test ersetzt, sei indes kein stichhaltiger Grund, „das muss man ganz klar sagen“.

Kinder impfen gegen Corona, oder nicht? Was passiert, wenn Eltern darüber streiten? Der eine strikt dagegen ist, der andere dafür? Wer entscheidet dann?* *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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