Aus einer normalen Impfstoffampulle können sechs Dosen gewonnen werden.
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Aus einer normalen Impfstoffampulle können sechs Dosen gewonnen werden. (Symbolbild)

Staatsanwaltschaft ermittelt

Corona-Vordrängler: Arzt zweigt sich Impfstoff ab und impft Bekannte - Senioren jetzt ohne Schutz

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Weil sich ein Impfarzt aus einer Corona-Impfstoffampulle etwas für den privaten Gebrauch abgezweigt hat, ermittelt jetzt die Oberstaatsanwaltschaft Ansbach. 

Wassertrüdingen - Die Staatsanwaltschaft in der mittelfränkischen Hauptstadt Ansbach hat es gerade mit einem besonders dreisten Fall bevorzugter Impfstoffvergabe zu tun. Ein Impfarzt steht unter Verdacht, Impfstoff abgezweigt und diesen an eine Bekannte verimpft zu haben. Die Ermittlungen wurden bereits eingeleitet.

Corona-Impfung: Betroffene Senioren mit geringerem Schutz

Eigentlich ist die Aufgabe der mobilen Impfteams die Risikogruppen vorwiegend in Senioren- und Pflegeheimen vor dem potenziell tödlichen Coronavirus* zu schützen. Einem Impfarzt aus dem mittelfränkischen Wassertrüdingen (Landkreis Ansbach) wird jetzt jedoch vorgeworfen, er hätte sich etwas von dem Impfstoff* für private Zwecke einbehalten. Angeblich soll er das Mittel, das er aus zwei Ampullen entnommen haben soll, einer Frau eines befreundeten Hausarztes verimpft haben, berichtet der BR.

Diese illegale Impfstoffbeschaffung wird wohl nicht nur rechtliche Konsequenzen für den Impfarzt haben. Es drohen auch Folgen für die geimpften Senioren, die ihre Dosis aus den beiden Ampullen erhalten haben. Maximal können aus einem Fläschchen Impfstoff* sechs Dosen entnommen werden. Um eine siebte Dosis zu bekommen, müsse der Impfstoff weiter mit Kochsalzlösung verdünnt werden, erklärte der Ansbacher Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger. Dadurch hätten aber im Fall der zwei Ampullen zwölf Senioren eine zu geringe Dosis erhalten und hätten somit einen geringeren Schutz gegen das Coronavirus*.

Corona-Impfung: Betroffene Senioren können nicht mehr ausfindig gemacht werden

Problematisch an der Sache ist jetzt vor allem, dass man zwar weiß, welches Seniorenheim betroffen ist, nicht aber welche Personen mit den Ampullen geimpft wurden. Es werde zwar registriert, wer geimpft worden sei, aber nicht mit welchen Fläschchen, so Schrotberger. „Somit haben wir 14 Impfdosen deren Wirksamkeit nicht garantiert ist.“ Noch eine Schwierigkeit bei der Nachverfolgung liege laut des Oberstaatsanwalts darin, dass die Dosen sowohl aus einer Erst- als auch aus einer Zweit-Impfung entnommen wurden.

Video: Für Impfvordrängler soll es bald hohe Strafen geben

Corona-Impfung: Hohe Geldstrafe für den Impfarzt

Dem Arzt drohen jetzt empfindliche Strafen. Zum einen fordern SPD und CDU das Impfvordrängler eine Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro zahlen sollen. Denn immer wieder kam es deutschlandweit dazu, dass sich beispielsweise Politiker, Landräte oder Geistliche eine Impfung* erschlichen haben. Ähnlich wie in einem Fall in AWO-Seniorenheim in Augsburg. Zum zweiten droht dem Mann möglicherweise eine Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Noch gebe es solche Fälle noch nicht und es handle sich dabei um „juristisches Neuland“, so Schrotberger. Aber juristisch gesehen sei es eine vorsätzliche Körperverletzung, da jeder Patient gutgläubig davon ausgehe, nach einer Impfung einen ausreichenden Impfschutz* erhalten zu haben.

Der Oberstaatsanwalt sagt, er sei deshalb in so einem frühen Stadium der Ermittlungen an die Öffentlichkeit gegangen, weil es ihm ein Anliegen war, die Menschen schnell zu informieren, dass bestehende Gesetze nicht eigenmächtig gebogen werden könnten. Aufmerksam auf den Fall wurde er vom Landratsamt gemacht. Zeugen hätten sich gemeldet, die mitbekommen haben, dass eine siebte, unregistrierte Dosis aus einer der Ampullen genommen wurde. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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