Politiker appellieren an Bürger

Corona-Impfungen werden in Bayern zum Ladenhüter - Sonderaktionen sollen helfen

  • Thomas Eldersch
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Mit Sonderaktionen wollen einige Landkreise in Bayern mehr Menschen zur Corona-Impfung bewegen. Die Staatsregierung appelliert ebenfalls an die Bevölkerung.

München - Stell dir vor, es gibt freie Impf-Termine und keiner kommt. Vor Monaten noch undenkbar. Inzwischen bleiben viele Landkreise in Bayern auf dem Impfstoff* sitzen. Mit Sonderaktionen versuchen sie jetzt Impfwillige auch aus anderen Landkreisen anzulocken, während Politiker die Werbetrommel rühren.

Impf-Angebote für Menschen aus ganz Bayern

Beispielsweise werden im oberbayerischen Landkreis Altötting* nun Impf-Angebote für Menschen aus ganz Bayern gemacht. „Die Landkreis-Bevölkerung ist gesättigt“, sagte ein Sprecher des Landratsamts. Deshalb habe man sich entschieden, nicht wahrgenommene Termine über einen Online-Kalender auch an Menschen außerhalb der Region zu vergeben. 600 Impftermine seien so bislang angeboten worden, 305 wurden bis Donnerstagmorgen gebucht.

Ein ähnliches Bild im Berchtesgadener Land*. Hier hat man sich eine andere Impf-Aktion überlegt. Kinder und Jugendliche von zwölf bis 17 Jahren können sich aufgrund eines Impfstoffüberschusses am Wochenende gegen das Coronavirus* immunisieren lassen. Die Eltern müssen dazu ihr Einverständnis geben, dürfen sich aber nach Angaben des Landratsamts auch gleich mit impfen lassen. In Memmingen, Kempten und im Oberallgäu sowie im Landkreis Kelheim sind Impfungen nach einer Online-Registrierung künftig auch ohne festen Termin möglich.

Bei den bayerischen Hausärzten gibt es vielerorts auch noch Kapazitäten. „Viele Praxen haben im Laufe dieser Woche die Warteliste mit eigenen Patienten vollständig geimpft und könnten deshalb die Impfkampagne auch auf andere Bevölkerungsgruppen ausweiten“, teilte der Bayerische Hausärzteverband am Donnerstag mit. Wer nicht geimpft sei, solle sich daher in den Praxen melden.

Bayern liegt bei der Impfquote unter dem Bundesdurchschnitt

Während allerdings in manchen Regionen zu viel Impfstoff vorhanden zu sein scheint, warten in anderen Teilen des Freistaats noch zahlreiche Bürger auf ihre Spritze. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums warten bayernweit immer noch 450.000 Menschen auf einen Termin im Impfzentrum. Obwohl sich die Staatsregierung um Markus Söder* (CSU) am Montag noch über den Bund aufgeregt hatte, weil zu wenig Impfstoff geliefert wurde, stellte das Robert-Koch-Institut* fest, dass Bayern beim Impfen hinten dran ist. So wurden bis Ende Juni rund fünfeinhalb Millionen Spritzen weniger gesetzt als etwa in Nordrhein-Westfalen. Bei der Erstimpfungsquote liegt der Freistaat 2,5 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt.

Als Problem für die schlechte Impfquote machten die Politiker die intransparente Verteilung des Impfstoffs im Freistaat verantwortlich. Ungefähr 13 Prozent der gelieferten Impfstoffe seien nicht verimpft, räumte Söder ein. „Einige Ärzte rufen den Impfstoff nicht ab. Dann bleibt er übrig“, sagte der Landeschef. Diese Information gehe aber nicht an die Impfzentren. „Da wollen wir, dass das Gesundheitsministerium mehr Scharnierfunktion übernehmen kann und auch mehr Freiräume bekommt“, so der Ministerpräsident. „Willig sind alle, aber die bisherigen Ergebnisse gefallen uns nicht, die müssen einfach verbessert werden.“

Holetschek hebt Impfpriorisierung in Impfzentren auf

Am heutigen Donnerstag stellte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) auch eine Neuerung bei der Impf-Priorisierung vor. „Künftig entscheidet der Zeitpunkt der Anmeldung darüber, wie schnell ich einen Termin bekomme.“ Am Freitag falle die Priorisierung in den Impfzentren. „Jetzt sollten sich auch diejenigen in der Impfplattform BayIMCO registrieren, die bislang darauf verzichtet hatten, weil sie keine Priorisierung haben.“ Laut Holetschek können bis zum Beginn der Sommerferien rund 70 Prozent der Menschen in Bayern eine Erstimpfung haben und 50 Prozent eine Zweitimpfung. „Bis zum Herbst können dann 85 Prozent der Erwachsenen den vollen Immunschutz haben. Dieses Ziel können wir aber nur erreichen, wenn alle mitziehen.“ (tel/dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © Daniel Karmann / dpa

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