Charlotte Voigt (105) wurde im Impfzentrum Riem geimpft
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Charlotte Voigt (105) wurde im Impfzentrum Riem geimpft.

Drei neue Impfzentren

Impf-Atlas für München und Regionen zeigt Versorgungslücke bei bisherigen Corona-Impfungen

  • Sascha Karowski
    vonSascha Karowski
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  • Klaus Vick
    Klaus Vick
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München hat den Weg frei gemacht für weitere Impfzentren. Dass das Tempo beschleunigt werden muss, zeigt eine Statistik: Erst 2,5 Prozent der bayerischen Bevölkerung ist immunisiert.

München - Bislang stottert der Impfmotor noch. Doch von April an hat sich die Bayerische Staatsregierung die Zielmarke von 111.000 Impfungen pro Tag im Freistaat gesetzt, rund 13.000 davon in München. Das wäre eine Vervielfachung der bisherigen Zahl. Aktuell sind bayernweit gut eine Million Impfdosen verabreicht worden. Zum 27. Februar hatten 344.238 Menschen im Freistaat die Zweitimpfung erhalten. Statistisch gesehen gibt es in der Region kaum große Ausreißer – weder nach oben, noch nach unten. So sind im Landkreis Starnberg beispielsweise 2,8 Prozent der Bevölkerung geimpft, im Landkreis Fürstenfeldbruck 2,71 Prozent.

Wer wie viel Impfstoff erhält, entscheidet die Koordinierungsstelle des Gesundheitsministeriums. Die Vakzine aller Hersteller werden grundsätzlich nach Bevölkerungsproporz den einzelnen Regierungsbezirken zugewiesen. Dabei werden regionale Gegebenheiten, wie etwa die Anzahl der Pflegeeinrichtungen in einem Landkreis, berücksichtigt.

Corona in der Landeshauptstadt: München erhält drei weitere Impfzentren

München erhält unterdessen bis zum 1. April drei weitere Impfzentren, die geografisch sinnvoll im Stadtgebiet angesiedelt werden sollen. Außerdem wird der bestehende Standort in der Messe Riem ausgebaut. Dies beschloss die Vollversammlung des Stadtrats am Mittwoch nach einem Dringlichkeitsantrag von Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD).

Wie berichtet, soll die Kapazität der täglichen Impfungen in München ab April von aktuell 3000 auf 13.000 pro Tag erhöht werden. Nach Auskunft des Gesundheitsministeriums* können dann wesentlich mehr Impfdosen zur Verfügung gestellt werden. Der laufende Betrieb in der Messe kann auf 7000 Impfungen ausgeweitet werden. Dies soll mit Umbauten und einer Aufstockung der Impfteams geschehen. Um die restlichen 6000 angestrebten Dosen verimpfen zu können, sind weitere dezentrale Standorte notwendig. Dazu begibt sich die Stadt nun auf die Suche nach geeigneten Orten und möglichen Betreibern. In Riem ist die Aicher Group verantwortlich. Die Gesamtkosten für den Ausbau der Impfkapazität beziffert die Stadt auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, wobei der Freistaat das Geld zurückerstattet.

Perspektivisch ist laut Zurek geplant, dass ab dem zweiten Quartal 2021 auch die niedergelassenen Mediziner verstärkt eingebunden werden. „Die Hausärzte brennen darauf, einsteigen zu können“, sagte Zurek. Mitte März will die Stadt ein Pilotprojekt mit drei Praxen starten. Überdies prüfe man, wie möglichst rasch* eine gebündelte Impfung der rund 27.000 Münchner Lehrer und Erziehungskräfte organisiert werden kann.

Die Stadt hat laut Gesundheitsministerium mittlerweile 33.200 Dosen des Präparats Astrazeneca bekommen, aber erst gut 1000 verimpft. Daher könnte dieses Vakzin – es ist bisher nur für unter 65-Jährige vorgesehen – nun vorrangig für Lehr- und Erziehungskräfte verwendet werden. Insgesamt wurden von den städtischen Teams bisher 74.200 Corona-Impfungen durchgeführt, 17.200 Dosen wurden an die Münchner Kliniken abgegeben, die ihr Personal selbst immunisieren.

Corona in München: Weniger Intensivpatienten - Aktuelle Impfstatistik für die Region

Laut Feuerwehrchef Wolfgang Schäuble, der den städtischen Corona-Krisenstab leitet, ist bei älteren Menschen bereits ein merklicher Rückgang der Infektionszahlen festzustellen. Er hoffe, dass sich die Politik (Ticker zum Corona-Gipfel) in einigen Monaten nicht mehr nur an Inzidenzwerte klammere, sondern auch die Belastung der Krankenhäuser ins Kalkül ziehe. Am Mittwoch lag die Zahl der Corona-Intensivpatienten in München erstmals seit Anfang November wieder unter 50. Die Inzidenz stieg unterdessen wieder auf 43,2 – und der Anteil der neu gemeldeten Fälle mit Virusvarianten* ist hoch.

*München hat 17 000 Impfdosen an die Kliniken abgegeben, diese fehlen bei Erst- und Zweitimpfungen. Zum Teil sind bei Landkreisen Pflegeheime nicht erfasst.

Der stellvertretende CSU-Fraktionschef Hans Theiss sagte, es sei immerhin beruhigend, dass die Mortalitätsrate* sinke. Das sei oberstes Ziel jeder Corona-Politik. Theiss sprach sich bei der politischen Bewertung der Corona-Maßnahmen für einen Algorithmus aus Inzidenz, Mortalität und Nachverfolgung der Kontakte aus. FDP-Fraktionschef Jörg Hoffmann forderte OB Dieter Reiter (SPD) auf, sich bei der übergeordneten Politik für Öffnungsperspektiven einzusetzen. Reiter versicherte: „Ich spreche öfter, als Sie denken, mit den Verantwortlichen über Lockerungen.“ Im Übrigen habe er ein klares Ziel für München: „Es sollen möglichst wenige Menschen erkranken und sterben.“ *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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