Klaus Holetschek (CSU), Gesundheitsminister von Bayern
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Klaus Holetschek (CSU), Gesundheitsminister von Bayern, kündigte im Juli an, eine neue Formel mit weiteren Parametern als der Inzidenz für Corona-Regeln festzulegen.

Holetschek wollte Vorschlag machen

Corona-Inzidenz: Länder verabschieden sich von ihr - nur Bayern rechnet immer noch

  • Christian Deutschländer
    VonChristian Deutschländer
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Die Corona-Regeln bestimmen unseren Alltag und sie werden anhand der Inzidenz gemacht: Immer mehr Länder wenden sich von dieser aber ab - nur Bayern rechnet noch.

Berlin – Die Inzidenz steigt. Aber ist die Inzidenz noch maßgeblich? Im Kampf gegen Corona und im Ringen um Lockerungen suchen immer mehr Länder nach einer neuen Formel, um die Gefahr für die Bürger präziser ausdrücken zu können.

Auf Nachfrage der dpa kündigen nun neben Baden-Württemberg und Niedersachsen zahlreiche weitere Landesregierungen an, künftig weitere Kriterien heranzuziehen. Die Sieben-Tage-Inzidenz*, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen, war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa bei der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse.

Corona: Bayern hält weiter an Inzidenz fest - aber rechnet an neuer Formel

Bei der Ministerpräsidentenkonferenz gab es am vergangenen Dienstag aber keine Verständigung auf gemeinsame, neue Parameter, die als Grundlage für neue Maßnahmen dienen könnten. Tags darauf entschied Baden-Württemberg, die Sieben-Tage-Inzidenz aus der Corona*-Verordnung des Landes zu streichen. Damit dürfen seit heute unabhängig von der Entwicklung der Infektionen alle Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind.

Niedersachsen kündigte ebenfalls an, neben der Inzidenz weitere Kriterien in seine Corona-Verordnung aufzunehmen, etwa die Auslastung der Krankenhäuser. „Klar ist, dass es neben der Inzidenz auch einen Blick in die Kontaktnachverfolgung und die Situation in den Krankenhäusern geben wird“, heißt es nun etwa aus dem Bremer Gesundheitsressort.

Inzidenz: Zahl der Corona-Patienten in Krankenhäusern soll mitgerechnet werden

Ob und welche neuen Warnstufen sich daraus ergeben, sei allerdings „noch nicht final geklärt“. Die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken scheint als zusätzliches Entscheidungskriterium unstrittig zu sein. Insbesondere im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen verschlechtert sich derzeit die Situation auf den Intensivstationen. Insgesamt werden deutschlandweit 237 CovidPatienten invasiv beatmet – 66 davon allein in NRW. Das geht aus Zahlen des Divi-Intensivregisters hervor.

Auf Platz zwei liegt Bayern (28). Bayern hält an der Inzidenz vorerst fest*. In der aktuellen 13. Infektionsschutzverordnung, die bis 25. August gilt, hat die Inzidenz-Marke von 50 große Bedeutung: Darüber braucht es wieder Testnachweise in Restaurants, wenn mehrere Hausstände an einem Tisch sitzen, vermehrte Tests in Hotels und beim Sport. Auch Kontaktlimits (primär für Ungeimpfte) greifen dann wieder. An Schulen sind in Bayern die Inzidenzen 25 (Maskenpflicht) und 100 (Wechselunterricht) wichtig.

Bayern hat Vorschlag zu neuer Corona-Formel angekündigt - aber bisher nicht umgesetzt

Ganz glücklich ist Bayern damit aber auch nicht mehr. „Bei dem Thema Inzidenz und weitere Faktoren hätte ich mir schon gewünscht, dass man vielleicht klarere Parameter gefunden hätte. Da ist der Bund auch nochmal gefordert, was vorzulegen“, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) vergangene Woche.

Allerdings hatte er selbst noch im Juli gesagt, aus Bayern werde ein Vorschlag kommen, wie man die Hospitalisierung und den Impffortschritt einarbeiten könne; eine Arbeitsgruppe der Gesundheitsministerkonferenz solle dies auf eine „einfache, kommunikative Formel“ bringen. Weder Vorschlag noch Formel waren bisher zu vernehmen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) deutete lediglich an, die Impfquote als Faktor für die Inzidenz zu nehmen: 50 Prozent Impfquote* hieße dann, doppelt so hohe Inzidenzen zu akzeptieren.*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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