Hotlines überlastet oder noch nicht freigeschaltet

Corona-Impfung: Welche Enttäuschungen Bürger in Oberbayern erlebten - „Was für ein Organisationschaos“

  • Dirk Walter
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Der Sturm auf die begehrte Impfung hat begonnen - doch auch für über 80-Jährige gibt es keine Termine, sofern sie nicht in einem Heim leben. Hotlines sind überlastet, wer sich selbst auf den Weg zum Impfzentrum macht, wird abgewiesen.

München - Andrea P. aus München-Pasing hat alles, wirklich alles probiert, um ihrem Vater Hans eine Corona-Impfung zu organisieren. Der 81-Jährige steht vor einer Krebsoperation, würde sich vor dem Eingriff gerne impfen lassen. Erst versuchte es seine Tochter über die zentrale Münchner Hotline. „Bei der kommt man gar nicht durch.“ Dann über die Rufbereitschaft 116 117, über die man nach einer Eingabe der Postleitzahl ins zuständige Impfzentrum durchgestellt wird. Angeblich. Es gibt für ganz München nur eine Nummer - die 089/94 94 11 00. „Ich wurde aus der Leitung geschmissen, sechs Mal“, klagt Andrea P.

Diese Erfahrung hat auch Alois W. gemacht, der Olchinger wollte für seine Münchner Schwiegereltern, 83 und 90 Jahre alt, Impftermine ausmachen. Er scheiterte. „Was ist das für ein Organisationschaos, die Fernsehbilder mit den ersten Impfungen waren wohl reine PR“, ärgert sich Andrea P.

Verzweifelte Suche nach einem Impf-Termin: Hotlines noch nicht freigeschaltet oder überlastet

So wie ihr ergeht es dieser Tage wohl zahllosen Bürgern, denen suggeriert wurde, sie könnten sich über eine Hotline schon zum Impfen anmelden. Doch die Hotlines sind entweder nicht freigeschaltet oder aber überlastet - in München* ebenso wie in den oberbayerischen Landkreisen. Allein im Impfzentrum Weilheim* waren es am Sonntag 600 Anrufer, in Erding 1000. Beispiel Fürstenfeldbruck, wo es eine eigene Hotline mit der Brucker Vorwahl gibt. Auch hier haben Anrufer keine Chance: Sie landen in einer Warteschleife, sofern sie überhaupt durchkommen.

„Wir haben ein technisches Problem“, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Rainer Bertram. Und ohnehin seien die wenigen Impfdosen den Altenheimen vorbehalten. Er vertröstet auf den Januar. Manche Senioren schauen in ihrer Verzweiflung sogar selbst beim Impfzentrum vorbei, um so einen Termin zu ergattern. Doch das sei sinnlos, sagt Bertram. 

Weltweit begehrt: Auch in Deutschland die ersten Impfdosen eingetroffen - aber Nachschub wird dringend gebraucht.

Verzweifelte Suche nach einem Impf-Termin: Nur in Erding gibt es schon Termine für Nicht-Heimbewohner

Für Bad Tölz lässt sich über die Homepage des Gesundheitsministeriums eine Hotline ermitteln - doch die ist noch nicht freigeschaltet. Über 80-Jährige würden per Brief darüber informiert, wann individuelle Termine vergeben werden, so hat es Landrat Josef Niedermaier kommuniziert. In Starnberg sind Terminvereinbarungen erst „im Laufe des Januar“ möglich, erklärt der Verwaltungsleiter des Impfzentrums im Landkreis, Lukas Messerschmidt. Eine Ausnahme ist Erding, wo bis 16. Januar täglich etwa 100 Impftermine festgesetzt wurden. Parallel beginnen erst an diesem Mittwoch die Impfungen in den Heimen. Die Lieferungen mit Impfdosen seien nur halb so groß wie erwartet, sagt Projektleiter Christian König. „Ich verstehe den Unmut.“

Im Landkreis München gibt es drei Impfzentren - in Haar, Unterschleißheim und Oberhaching. Eine Terminvergabe sei derzeit „noch nicht möglich“, heißt es vom Landratsamt, Anrufe seien sinnlos. Man werde angeschrieben, erst dann mache ein Anruf Sinn. Dafür gibt es Betrüger - der Garchinger Bürgermeister warnt, Bürger seien angerufen worden, sie könnten sich gegen Zahlung eines Geldbetrags impfen lassen. Das sei natürlich „eine Betrugsmasche“. Impfen ist kostenlos. Wenn man einen Termin ergattert. (dw/imu/va/ta) *merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © MARK HERMENAU/dpa

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