Hubert Aiwanger
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Hubert Aiwanger teilte gegen Jens Spahn und Karl Lauterbach aus. (Archivbild)

Auch weiterer Politiker bekommt sein Fett weg

Aiwanger teilt aus: „Nicht von den Lauterbachs dieser Republik in die Enge treiben lassen“

  • Katarina Amtmann
    VonKatarina Amtmann
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Markus Söder drängte Hubert Aiwanger zu erklären, warum dieser noch nicht geimpft sei. Aiwanger forderte, keinen Druck aufzubauen - und lederte gegen Lauterbach und Spahn.

München - Immer mehr Menschen sind gegen das Coronavirus* geimpft. Zuletzt gab es sogar vermehrt Meldungen, dass die Impfkampagne ins Stocken gerate und nun erstmals mehr Impfstoff als Impfwillige da seien. Einer der noch nicht geimpft ist, ist Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Auf einer Pressekonferenz kam das Thema kürzlich auf: „Vielleicht sagst du selber etwas dazu“. Mit diesem Satz drängte Ministerpräsident Markus Söder* seinen Vize zu einer Stellungnahme. Aiwanger blieb ruhig und sagte, dass das Impfen eine private Entscheidung sei. Es solle kein Druck aufgebaut werden.

Aiwanger noch nicht gegen Corona geimpft - Wirtschaftsminister wehrt sich gegen Impfgegner-Vorwurf

Dass er noch nicht geimpft ist, brachte ihm den Ruf ein Impfgegner zu sein. Daran sehe man, so Aiwanger im Interview mit der Neuen Züricher Zeitung (NZZ), welches Schwarz-Weiß-Denken mittlerweile herrsche. „Bist du nicht meiner Meinung, bist du ein ganz Böser und musst an den Pranger gestellt werden. Nach fünfzig Jahren Erziehung zu Toleranz muss man sich schon wundern, wie schnell die öffentliche Meinung auf Leute losgeht, die nicht dasselbe sagen wie einige Fernseh-Virologen“, erklärte er. Aiwanger machte deutlich, dass er kein Impfgegner sei. Wer sich impfen lassen wolle, solle das tun. Bei vielen Krankheiten sei das auch sinnvoll.

Video: Markus Söder drängt Aiwanger öffentlich zu Rechtfertigung für Impfverzicht

Corona in Bayern - Aiwanger fordert: Kein Druck auf Ungeimpfte

„Auch die Corona*-Impfung ist wahrscheinlich für den einen sinnvoll, für den anderen nicht. Beispielsweise hat ja auch die ständige Impfkommission Impfungen für Kinder bisher nicht empfohlen, und auch bei Erwachsenen gibt es in der Beratung verschiedene Empfehlungen. Man muss immer differenzieren und den Einzelfall betrachten“, erklärte er gegenüber der NZZ. Der Freie-Wähler-Politiker hält es für falsch, Druck auf Ungeimpfte auszuüben und sie als verantwortungslos darzustellen. „Es ist auch aus medizinischen Gründen unklug, Druck auszuüben. Man wird nur das Gegenteil erreichen und Trotz ernten. Man muss die Menschen überzeugen.“

Die Aussage von CSU*-Chef Söder, dass Impfen die einzige echte Antwort auf die Pandemie sei, würde Aiwannger so offenbar nicht unterschreiben. „Das ist mir zu alternativlos und zu absolut. Momentan deutet vieles darauf hin, dass das Impfen ein zielführender Weg ist, vor allem auch für Menschen, bei denen ein schwerer Krankheitsverlauf zu befürchten ist“, so Bayerns Wirtschaftsminister im NZZ-Interview weiter. Er fordert endlich Nüchternheit in der Debatte.

„Nicht von den Lauterbachs dieser Republik in die Enge treiben lassen“: Aiwanger holt auch gegen weiteren Politiker aus

Aiwanger fordert in dem Interview auch Lösungen statt Schließungen ganzer Branchen. Das gilt auch für Schulen. Beispielsweise habe eine Elterninitiative aus dem Raum Passau ihn erst kürzlich gebeten, erneute Schulschließungen unbedingt zu vermeiden. Andere wiederum halten es für leichtsinnig, die Schulen zu öffnen und gleichzeitig die Maskenpflicht abzuschaffen. Die Meinungen seien oft widersprüchlich, gibt Aiwanger zu. Doch die Mehrheit sei ihm zufolge froh, dass die Freien Wähler auf die Abschaffung der Maskenpflicht eingewirkt haben. „Die pragmatischen Stimmen werden lauter. Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht von den Lauterbachs dieser Republik in die Enge treiben lassen“, so Aiwanger gegenüber der NZZ.

Auch an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU*) äußerte er Kritik. Dieser hätte „unsinnigerweise“ über das Wechselunterricht-Szenario nach den Sommerferien spekuliert. Er solle seinen Ehrgeiz eher darauf verwenden, dass Wechselunterricht gar nicht nötig werde. Aiwanger forderte im Interview mit der NZZ mehr Normalität auch in anderen Bereichen wie beispielsweise Diskotheken: „Warum sollen Getestete oder Geimpfte nicht tanzen dürfen? Ich begreife die deutsche Lust an der ewigen Einschränkung jeden Tag weniger.“

Entscheidend sei nun sich gut auf den Herbst vorzubereiten, um Handel und Gastronomie auch bei möglicherweise wieder ansteigenden Infektionszahlen* offenhalten zu können. „Die enorme Polarisierung in der Debatte müssen wir überwinden. Es ist unmöglich, eine Gesellschaft über Jahre hinweg in Endzeitstimmung gefangen zu halten. Selbst wenn weitere Varianten des Coronavirus kommen sollten, müssen wir die Lage mit einer gewissen Nüchternheit managen. Panik ist der schlechteste Ratgeber“, findet er. (kam) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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