Unverständnis bei den Unternehmern

„Warum öffnen wir nicht?“ Bayerische Stadt hat niedrigste Inzidenz Deutschlands - doch Lockdown geht weiter

  • Thomas Eldersch
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Die Inzidenz in Bayern sinkt konstant. Dennoch liegen Öffnungen für manche Geschäftszweige noch in weiter Ferne. Das erzeugt Unmut bei vielen Unternehmern.

München/Schweinfurt - Monatelang geisterte in den Köpfen vieler Menschen und vor allem Politikern nur eine Zahl herum. Die 50. Ab einer 7-Tage-Inzidenz von 50 sind Lockerungen des Corona*-Lockdowns drin. Für viele Unternehmer folgte jedoch bei der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz der Dämpfer. 35 ist das neue 50. Und selbst diese Marke scheint noch nicht auszureichen.

Corona in Bayern: Schweinfurt mit der niedrigsten Inzidenz in ganz Deutschland

Inzwischen gibt es in Bayern 23 Landkreise und kreisfreie Städte die unter die Grenze von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gefallen sind. Spitzenreiter - sogar in ganz Deutschland - ist die Stadt Schweinfurt mit einer Inzidenz von 5,6 (Stand: 17. Februar). Dennoch haben dort wie im Rest des Freistaats die meisten Geschäfte und Dienstleister geschlossen. Für viele völlig unverständlich.

Bild sprach mit dem Fitnessstudio-Betreiber Jochem Kehl (64). Er ist einer der 54.000 Einwohner der unterfränkischen Stadt. Und er ist sauer, weil er immer noch nicht öffnen darf.  „Wir haben eine Inzidenz von 5. Das ist ja sagenhaft! Warum öffnen wir nicht? Covid ist nicht ungefährlich, klar, aber man muss es regional betrachten.“ Und weiter: „Wir müssen öffnen, Fitness ist wichtig fürs Immunsystem. Das Problem ist die Angstmacherei der Politik. Man muss Pläne entwickeln, wie man mit Covid leben kann. Das vermisse ich.“

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Corona in Bayern: Handeslverband ruft seine Mitglieder zum Klagen auf

Mit dieser Meinung steht der Unternehmer nicht allein da. Axel Schöll, Schuhhändler aus Schweinfurt, sagt: „Trotz ihrer vielen guten Argumente haben die Ministerpräsidenten und Frau Merkel wieder keinen Plan und keine Perspektive für uns eröffnet.“ Unterstützung erhalten die beiden auch vom Sprecher des Handelsverbands Bayern (HBE), Bernd Ohlmann. Er fordert jetzt Einzhändler auf, Klage einzureichen. „Der Ärger und die Frustration unter den Geschäftsleuten sind ungeheuer gewachsen“, sagt er.

Viele Unternehmer schauen also trotz guter Infektionsentwicklung und niedriger Inzidenz weiter in die Röhre. Nur Frisöre dürfen ab dem 1. März wieder Kunden empfangen. Alle anderen müssen auf den 3. März hoffen. Dann treffen sich erneut die Landes-Chefs mit der Kanzlerin. Es wird spannend, was dann in der Diskussion dominieren wird. Die Angst vor den Corona-Mutanten* oder der Druck der deutschen Wirtschaft, endlich wieder öffnen zu dürfen. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

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