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„Corona ist ein einziger Mist“: Söder räumt im Gespräch mit Schülern Fehler ein - macht aber Hoffnung

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Von: Dirk Walter

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Bayerns Ministerpräsident Söder zu Besuch in einer Realschule.
Bayerns Ministerpräsident Söder zu Besuch in einer Realschule. © dpa/Sven Hoppe

Markus Söder und Kultusminister Michael Piazolo sprechen mit Schülern über die aktuelle Corona-Lage an den Schulen. Der Ministerpräsident deutet dabei vage Lockerungen an.

München – Die Marieluise-Fleißer-Realschule in München-Ramersdorf residiert seit diesem Schuljahr in einem stattlichen Neubau. Für Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist das lichtdurchflutete Schulgebäude sogar ein „Palast“. Doch der Schulalltag ist so toll nicht, erfahren er und Kultusminister Michael Piazolo bei einem Besuch im Gespräch mit elf ausgewählten Schülern.

Im Stuhlkreis klagen die Schüler ihr Leid. Zum Beispiel Kilian, ein Zehntklässler: „Wann ist es möglich, dass die Schulband wieder richtig zusammen spielen kann?“ Oder Liyana, ebenfalls aus der 10. Klasse: Sie hatte lange keinen Laptop für den Distanzunterricht. Der Achtklässler Julius findet Homeschooling eh eher doof: „Ich werde dauernd abgelenkt.“ Und Karlo aus der 7. Klasse fragt: Wann gibt es Sport ohne Maske?

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Coronavirus: Söder zeigt Verständnis für Schüler

Ministerpräsident Söder versucht es erst mit einem kleinen Witz auf Kosten seines Schulministers („Das ist der, der für die Noten zuständig ist“) und versucht dann, viel Verständnis zu zeigen. „Das ganze Corona ist ein einziger Mist“, sagt er, und räumt im Nachhinein auch Fehler ein: Der Digitalunterricht lief „am Anfang sehr schleppend“, sagt er. „Das hat mich geärgert.“ Wechsel-Unterricht – wenn Lehrer also parallel Schüler daheim und im Klassenzimmer unterrichten – sei „das Schwierigste“ und eher zu vermeiden.

Mittlerweile gibt es 280 000 Schüler-Leihgeräte – auch Liyana hat jetzt ein IPad –, trotzdem ist Distanzunterricht unter den Lehrern sehr unbeliebt. Ein aktuelles Stimmungsbild aus den Schulen vermittelt dazu eine Umfrage, die der Bayerische Philologenverband gestern veröffentlichte. Trotz der Omikron-Welle wollen 73 Prozent der Lehrer am Präsenzunterricht festhalten, nur 21 Prozent sagen dazu Nein. Weitere Erkenntnisse aus der Umfrage unter 1800 Lehrkräften: Psychosoziale Probleme der Schüler hätten zugenommen, sagen 48 Prozent. Große Lernrückstände der Schüler orten sogar 58 Prozent der Lehrer.

Coronavirus: Söder sieht Sommerfeste und Abschlussfeiern im Sommer

Über die Noten der Schüler und ob ihre Leistungen in der Pandemie schlechter geworden sind, erfährt Söder bei seiner einstündigen Stippvisite in der Münchner Realschule nichts. Er versucht aber, Hoffnung zu vermitteln. Es gelte nun, „in der Omikron-Wand Fenster und Türen zu öffnen“ – und mehr Leben in der Schulalltag zu bringen. Sommerfeste etwa hält Söder „in irgendeiner Form“ für möglich, ebenso Abschlussfeiern mit allen zehnten Klassen nebst Eltern und Verwandten („Signale eher grün als rot, wenn alle getestet sind“). Auch für Kilians Schulband macht er Mut. Keine befriedigende Antwort erhält Karlo, der Fußballer, der ohne Maske in der Halle spielen will. Für Sport ohne Maske „kann ich keine Zeit nennen“, sagt Piazolo.

Derweil kursiert auf Twitter das Foto, das Söder und Piazolo in der Schulaula zeigt – im XXL-Stuhlkreis und trotzdem noch mit FFP2-Maske.

Der Schulalltag in beengten, schlecht gelüfteten oder aber eiskalten Räumen ist oft anders, sind sich viele Eltern einig. Einer lästert: „Total realistisches Szenario wieder. Warum nicht im Klassenzimmer, bei offenen Fenstern…“ dw - *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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