Eine Frau füllt Waschmittel in die Waschmaschine.
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Gewaschen wird daheim: Auch Reinigungen leiden unter dem Corona-Lockdown. 

Folgen des Lockdowns

Reinigungen schlagen Alarm: Verbandspräsident rechnet mit „zehn Prozent Schwund“

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Sie gelten als systemrelevant und sind weiterhin geöffnet – aber trotzdem läuft ihr Geschäft gerade schlecht. Auch die Reinigungen leiden unter dem Lockdown. Warum das so ist und welche Probleme es gibt, erklärt Richard Sterr, Präsident des Bayerischen Textilreinigungsverbands und Besitzer einer Wäscherei in München.

Richard Sterr ist Präsident des Bayerischen Textilreinigungsverbands und Besitzer einer Wäscherei in München.
Herr Sterr, wie geht es den Reinigungen gerade?
Die Situation ist sehr schwierig, der Umsatzrückgang liegt bei fast 55 Prozent. Große Wäschereien, die vor allem für Gaststätten und Hotels waschen, haben Umsatzeinbußen von 70 Prozent. Besonders schlimm ist es für einige, die normalerweise nur von der Gastronomie und Hotellerie leben. Ich kenne keinen Betrieb, bei dem noch nicht Mitarbeiter in Kurzarbeit sind. Denn auch die andere Aufträge sind weniger geworden.
Was fällt alles weg?
Im Homeoffice wird oft Jogginghose getragen – da fällt die Business-Kleidung weg, um die sich normalerweise die kleine Reinigung um die Ecke kümmert. Und es finden fast keine Hochzeiten statt. Das heißt, dass keine Brautkleider und Anzüge gereinigt werden müssen. Auch Abendgarderobe für Konzerte und Theatervorführungen wird nicht gebraucht und beim medizinischen Bereich gibt es ebenfalls Einbrüche.
Wieso das? Momentan ist doch wegen der Corona-Pandemie in der medizinischen Branche sehr viel los.
Ja, aber auf den Intensivstationen werden für die Pflege von Corona-Kranken meistens Einmalartikel verwendet. Ansonsten werden zum Beispiel nicht so dringende Operationen verschoben – und damit gibt es weniger Wäsche für die Reinigungen.
Viele Leute verbringen gerade mehr Zeit zu Hause. Legen sie dann nicht mehr Wert auf saubere Heimtextilien wie Teppiche, Gardinen und Decken?
Viele Leute sind aber auch in Kurzarbeit und müssen sparen. Dann überlegen sie sich, ob sie die Bettdecke jetzt in die Reinigung bringen oder noch warten. Es wissen auch gar nicht alle, dass wir gerade überhaupt offen haben. Und Heimtextilien haben nur einen Anteil unter zehn Prozent am Markt.
Wird es Insolvenzen geben?
Ich rechne mit einem Schwund von zehn Prozent. Familienbetriebe können die Krise vermutlich eher überstehen. Aber große Wäschereien, die womöglich gerade Maschinen gekauft oder neu eingerichtet haben, müssen ihre Kredite abbezahlen. Auch für ganz kleine Firmen wird es schwer und Wäschereien in Einkaufszentren können momentan ja gar nicht öffnen.
Was würden Sie sich wünschen?
Wichtig wäre, dass jetzt dann erste Lockerungen kommen und es dann im März weitere Öffnungen gibt. Wir müssen mutig und positiv in die Zukunft schauen.

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