Ein Intensivpfleger arbeitet auf einer Intensivstation an einem Covid-19-Patient.
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Eine Intensivschwester hat kein Verständnis für ungeimpfte Corona-Patienten. (Symbolbild)

„Ist ja nicht so schlimm gewesen“

Pflegerin aus Bayern ärgert sich über ungeimpften Corona-Patienten: „Hätte ihm am liebsten eine reingehauen“

  • Tanja Kipke
    VonTanja Kipke
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Auf den Intensivstationen befinden sich vor allem ungeimpfte Corona-Patienten. Eine Intensivschwester machte ihrem Ärger darüber auf Facebook Luft.

Bayern - Die Zahl der Corona*-Patienten auf Intensivstationen ist in den vergangen Wochen bundesweit wieder gestiegen. Die meisten dieser Patienten sind nicht gegen das Virus geimpft, weshalb man auch von einer „Welle der Ungeimpften“ spricht. Das Risiko, mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus zu müssen, ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts* (RKI) bei Geimpften zur Zeit rund zehnmal geringer als bei Ungeimpften. Für viele Pfleger und Pflegerinnen stößt daher die Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, auf Unverständnis.

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Ungeimpfte Corona-Patienten in Kliniken: Krankschwester macht ihrem Ärger Luft

Der Ärger der Intensivpfleger findet auf Facebook Raum. In einer privaten Gruppe beschwerte sich eine Schwester aus Bayern über einen ungeimpften Corona-Patienten. „Ganz ehrlich? Ich hätte ihm am liebsten eine reingehauen“, schreibt sie über einen Mann, den sie auf einer Intensivstation mit gesund pflegte. Als der Patient sich erholte, habe er ihr gesagt, dass ja alles nicht so schlimm gewesen sei. Und dass er sich in einer „Diktatur von Coronajüngern“ auch weiterhin an keine Schutzmaßnahmen halten werde. „Könnt ihr verstehen, dass ich echt keinen Bock mehr habe?“, fragt die Intensivschwester und postet ein Foto von sich im Corona-Schutzanzug. „Ich brauch mal ein bisschen Zuspruch.“

Mit ihrem Ärger ist sie nicht allein. „Das Gefühl hier ist allgemein und speziell von der Pflege, dass man immer weniger Verständnis für Ungeimpfte hat“, berichtet Charité-Psychologin Isabella Heuser gegenüber der dpa. Sie selbst nimmt kein Blatt vor den Mund. „Ich ärgere mich da enorm drüber. Da nehmen Ungeimpfte anderen Kranken die Betten weg - obwohl sie diese Betten mit Impfung gar nicht brauchen würden. Das ist doch eine unglaublich unsolidarische Einstellung.“

Charité-Psychologin: „Ich habe die Solidarität in Deutschland wirklich überschätzt“

Laut der Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) seien Emotionen gegenüber dem Erkrankten ganz normal. „Auch negative“. Diese Emotionen „müssen selbstverständlich ernst genommen werden und auch ihren Raum haben.“ Es gelte aber „dieses Wissen über eine mögliche Mitverursachung des Patienten nicht negativ auf die Behandlung oder die Beziehung wirken zu lassen“.

Wie Psychologin Heuser der dpa erzählt, frage sie in ihrer Freizeit inzwischen aktiv nach, wenn sie Einkaufslustige vor dem Berliner KaDeWe einen Corona-Test* machen sieht. „Warum lassen Sie sich nicht impfen?“ Als Antwort habe sie bekommen: Da glaube ich nicht dran. „Da kann es einem doch schlecht werden“, sagt Heuser. Die Hilfsbereitschaft hierzulande am Anfang der Pandemie habe sie optimistisch gestimmt. Inzwischen ist sie enttäuscht. „Ich habe die Solidarität in Deutschland wirklich überschätzt. Was ich jetzt sehe, finde ich beschämend.“ (tkip/dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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