Eine Frau mit Einkaufstüten
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Bayerns Einzelhandel erwartet „totales Chaos ab Montag“ .

„Totales Chaos“ befürchtet

Bayern: Einzelhandel wegen neuer Corona-Regeln ab Montag sauer - „Einkaufen jetzt noch schwieriger gemacht“

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Ab Montag gelten neue Corona-Regeln in Bayern. Viele Einzelhändler sind verärgert und verunsichert. Es droht „totales Chaos“.

Update vom 10. April, 12 Uhr: Ab kommender Woche gelten im bayerischen Einzelhandel neue Testvorschriften. Kunden müssen künftig vor jedem Einkauf einen negativen Corona-Test vorweisen. Für viele Händler gleicht das einer wahren Hiobsbotschaft. Sie befürchten, dass das die Menschen noch mehr vom Einkaufen abhält. „Leider ist es so, dass das Einkaufen dadurch noch schwieriger gemacht wird“, sagt Handelverband-Geschäftsführer Bernd Ohlmann am Samstag in München.

Corona in Bayern: Neue Schnelltest-Regel bereitet Einzelhandel sorgen

Der Aufwand durch die neuen Regelungen sei so groß, dass vermutlich noch mehr Kunden künftig lieber im Internet bestellten als vor Ort ins Geschäft zu gehen. Ab Montag dürfen Geschäfte in Städten und Landkreisen mit einer Inzidenz zwischen 100 und 200 nur noch für Kunden mit einem Termin und einem negativen Testergebnis öffnen.

Ausgenommen davon sind der Lebensmittelhandel, Drogerien, Optiker und sonstige „für die tägliche Versorgung unverzichtbare Ladengeschäfte“. Welche Möglichkeiten es für die Schnelltests gibt, darüber informierte das Wirtschaftsministerium am Freitagabend. Entweder können die Einzelhändler Schnelltests vor ihrem Geschäft oder in geeigneten Räumen anbieten - oder die Kunden lassen sich bei einer Teststelle testen und bringen den Nachweis mit.

Neue Corona-Test beim Einkaufen: Mehrere Möglichkeiten für Kunden

Eine weitere Möglichkeit: Selbsttests vor oder in dem Laden „unter Aufsicht des Betreibers“. Ob die zur Verfügung gestellt werden oder Kunden diese selbst mitbringen, müssten die Einzelhändler festlegen. Außerdem werden daran gearbeitet, Corona-Selbsttests mit digitalem Nachweisen zu kombinieren, so dass danach auch andere Geschäfte betreten werden könnten.

Bis es soweit ist, müssen Kunden jedes Mal einen neuen Selbsttest machen, bevor sie ein anderes Geschäft betreten - selbst wenn es noch am selben Tag ist. „Das ist ein enormer bürokratischer Aufwand“, sagte Ohlmann. Viele Einzelhändler seien deshalb verärgert und verunsichert. Er gehe davon aus, dass viele von ihnen „Click & Meet“ - also Einkaufen mit Termin - nicht anbieten werden, weil es sich für sie nicht lohne.

Ursprüngliche Meldung vom 9. April: München - Ab Montag gelten in Bayern neue Regeln im Kampf gegen das Coronavirus.* Einen Überblick über die neuen Maßnahmen finden Sie hier.* Aber: Die neuen Test*-Vorschriften für die Kunden im Einzelhandel sorgen für große Verwirrung. „Wir wissen heute immer noch nicht, was ab Montag gilt“, sagte Handelsverband-Geschäftsführer Bernd Ohlmann am Freitag in München: „Das wird ein totales Chaos geben ab Montag.“

Corona-Regeln in Bayern - Bei Inzidenz über 100: Termin-Shopping mit Corona-Test

Am Mittwoch hatte die Staatsregierung um Markus Söder beschlossen, dass Einzelhändler in Landkreisen und Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200 nur noch für Kunden mit Terminvereinbarung öffnen dürfen - Bedingung ist hierbei auch ein aktueller negativer Test. Verlangt wird ein „maximal 48 Stunden alter PCR-Test oder maximal 24 Stunden alter Schnelltest“.

Ob auch schon ein Selbsttest vom Discounter ausreicht, sei aber nicht geklärt, wie Ohlmann sagte. Händler fragten, ob sie die Tests durchführen müssen, ob sie kontrollieren müssen, dass Kunden sich vor Ort selbst testen. Ob sie Tests unter Vorlage des Personalausweises dokumentieren müssen. „Fragezeichen ohne Ende. Hier glühen die Telefone“, sagte Ohlmann. „Wir können die Leute nur vertrösten. Die Händler hängen total in der Luft.“ Die Test-Vorschrift gilt aktuell für die meisten Städte und Landkreise im Freistaat.

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Corona-Regeln für den Einzelhandel in Bayern: Weniger Umsatz - Nutznießer Online-Handel

Ab Montag müssen sich nach den jüngsten Beschlüssen der Staatsregierung auch Baumärkte, Gärtnereien, Blumenläden, Schuhgeschäfte und Buchhandlungen an die neuen Regeln halten. Sie durften bisher unabhängig von Inzidenzwerten öffnen - so wie der Lebensmittelhandel, Drogerien, Optiker und sonstige „für die tägliche Versorgung unverzichtbare Ladengeschäfte“.

Einkaufen mit vorheriger Terminvereinbarung bieten nach Ohlmanns Worten neun von zehn Händlern an. Aber sie machten damit 30 bis 50 Prozent weniger Umsatz als sonst, bei zusätzlichem Aufwand. Wenn jetzt zu Maske und Terminvereinbarung noch der Test komme, werde die Lust am Einkaufen weiter schwinden. Nutznießer sei der Online-Handel. (kam/dpa)*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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