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Eine Mutter aus Bayern ist an der Belastungsgrenze. Sie berichtet vom Homeschooling mit ihren Kindern. (Symbolbild)

Corona in Bayern

Schulen zu - Mutter veröffentlicht Brandbrief an Söder-Minister: „Den Bezug zur Realität völlig verloren“

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Eltern geraten beim coronabedingten Homeschooling an ihre Grenzen. Einer Mutter aus Bayern reicht es jetzt. Sie veröffentlichte einen Brandbrief auf Facebook.

  • Der Corona-Lockdown* strapaziert die Nerven vieler Deutscher.
  • Einer Mutter aus Bayern ist aufgrund des Distanzunterrichts nun der Kragen geplatzt.
  • Sie veröffentlichte auf Facebook einen Brandbrief an Kultusminister Michael Piazolo.
  • Alle Nachrichten zum Coronavirus* in Bayern lesen Sie in unserem News-Ticker.

München - Das neue Jahr begann, wie das alte aufgehört hat. Corona* ist nach wie vor das Top-Thema, Bayern befindet sich immer noch im Lockdown und ein Ende ist nicht in Sicht. Schulen und Kitas sind geschlossen, nur eine Notbetreuung ist möglich. Schüler befinden sich weiter im Distanzunterricht - neudeutsch: Homeschooling. Einer Mutter aus dem Allgäu reicht es jetzt, sie veröffentlichte auf Facebook einen Brandbrief.

Corona-Lockdown in Bayern: Schulen geschlossen - Mutter aus dem Allgäu schreibt Brandbrief an Piazolo

An Markus Söders Kultusminister Michael Piazolo gerichtet schreibt Ulrike Eifert: „Ich teile Ihnen mit, dass ich zu meinem eigenen gesundheitlichen Schutz und zum Schutz unserer Kinder die Streichung der Faschingsferien nicht akzeptieren werde.“ Ihre fünf Kinder lasse sie in dieser Zeit nicht am Unterricht teilnehmen. Beide Eltern seien Akademiker und arbeiten meistens von zu Hause aus. Es stünden für jedes Kind genug Tablets oder PCs zur Verfügung, damit es jederzeit am Online-Unterricht teilnehmen könne. Für Ausgleich zum Lernen sei auch gesorgt, denn die Familie lebe im Allgäu. „Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ablauf des Homeschoolings sind also denkbar gut, verglichen mit der Situation, in der sich viele andere Familien aktuell befinden“, erklärt sie.

Trotzdem nehme die Belastbarkeit innerhalb ihrer Familie ab, denn neben den generellen Einschränkungen und Unsicherheiten in Pandemie-Zeiten kämen auch berufliche Belastungen als Notärztin sowie existenzielle Sorgen als Bergführer hinzu.

Schulen im Corona-Lockdown geschlossen: Mutter aus Bayern klagt auf Facebook

Die Eltern versuchen seit Wochen, dass die Kinder keinen Stoff verpassen, Aufgaben rechtzeitig abgeben und das Arbeiten mit dem Computer erlernen. Außerdem stehen sie zur Verfügung, „wann immer sie Hilfe und Unterstützung brauchen. Bis mindestens mittags um eins ist das ein Fulltimejob, nicht nur für einen Erwachsenen“, klagt sie.

Anschließend beschreibt Eifert, wie belastend der Distanzunterricht für ihre Kinder sei: „Wir bemerken, wie unsere Kinder zunehmend von Schule und der einsamen Arbeit zu Hause frustriert sind, der Mangel an Sozialkontakten belastet sie alle immer mehr. Ich finde die Achtjährige weinend über ihren Matheaufgaben sitzen und einen 12-Jährigen, der sofort in die Luft geht, wenn man ihn auf Fehler hinweist. Die andere 12-Jährige verzweifelt daran, dass sie ständig aus der Konferenz fliegt und an einem Tag 3 Seiten Vokabeln zu lernen aufbekommt. Es fließen inzwischen Tränen wegen Dingen, die vor Monaten noch niemanden groß gejuckt hätten.“

Video: Gestresste Mütter und überforderte Schüler: Kann Home-Schooling funktionieren?

Schulen im Corona-Lockdown geschlossen: Mutter warnt auf Facebook - „Wir brauchen eine Erholungspause“

Die Tage, an denen es gut laufe, würden immer seltener. „Wir alle brauchen dringend eine Erholungspause“, fordert die fünffache Mutter. Gespräche mit Freunden, Familien, Lehrern und Schülern würden ihr zeigen, „das wir das nicht alleine so empfinden und dass die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme von den Betroffenen stark angezweifelt wird.“ Und weiter: „Es macht den Eindruck, dass das Kultusministerium den Bezug zur Realität völlig verloren hat.“ Es wirke so, dass Proteste verschiedener Eltern- und Lehrerverbände nicht ernst genommen würden. „Lehrer sind gezwungen, Noten wie auch immer zu machen und Kindern und Eltern entsteht dadurch massiver Druck, neben Arbeit und Familie auch noch die Schule komplett unter einen Hut zu bekommen“, schreibt sie.

Zum Ende ihres Brandbriefes wird sie deutlich: „Ich habe keine Lust mehr, abzuwarten, bis am 12. Februar nachmittags eine Entscheidung bezüglich der Faschingsferien gefallen ist. Ich habe Lust, mit meinen Kindern auch mal wieder etwas Schönes zu planen. Ferien zum Beispiel. Herr Piazolo, es ist jetzt 15 Uhr, das Mittagessen ist wieder mal ausgefallen, zum Kochen hatte heute keiner Zeit, dafür weiß mein 12-Jähriger jetzt, wie man Wirbeltierklassen einordnet (bis morgen voraussichtlich). Wir werden jetzt noch mit den Kindern rausgehen. Lange wird das nicht sein, wenn wenigstens heute Abend etwas Warmes auf dem Tisch stehen soll. Vom Rest des Alltagsgeschäfts, der heute schulbedingt wieder liegen geblieben ist, ganz zu schweigen.“

Schulschließungen in Corona-Zeit richtig, aber Belastungsgrenze erreicht

Eifert stellt in ihrem Facebook-Post klar, dass sie Schulschließungen für eine sinnvolle und notwendige Maßnahme halte. Auch gehöre sie nicht zu den Personen, die grundsätzlich wissen, wie man es hätte besser machen können. „Was ich schon weiß, ist, wann meine persönliche Belastungs- und Akzeptanzgrenze erreicht ist und dass ich Ärztin und keine Pädagogin bin. Und dass ich nicht zulassen werde, dass das krampfhafte Festklammern an Lehrplänen auf unseren Rücken und denen unserer Kinder ausgetragen wird.“

Für ihren Post erhält Eifert viel Zuspruch. „Genau so ist es!“, schreibt jemand in den Kommentaren. „Absolut richtig! Hier findet der Videounterricht nur häppchenweise statt, mal hier ein Stündchen oder gern auch weniger, wenns der Lehrkraft gefällt, dann Stunden später nochmal eine Einheit“, kritisiert eine weitere Facebook-Nutzerin. „Wir sind auch platt und würden uns sehr auf die Ferien freuen“, pflichtet eine weitere Person bei. Mittlerweile haben 1573 Personen (Stand 4. Februar, 14 Uhr) auf den Post reagiert, 206 Menschen haben kommentiert. Der Post wurde außerdem über 1600 Mal geteilt, die fünffache Mutter hat mit ihrem Brandbrief also wohl einen Nerv getroffen.

Der Übergang in den Wechselunterricht für die Abschlussklassen in Bayern kam nicht gut an. Zahlreiche Schüler und Schulen sind in den Streik getreten.

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