Fisch ist das traditionelle Essen der Karwoche. Doch auch sonst weckt die Corona-Pandemie bei den Bayern neue Vorlieben.
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Fisch ist das traditionelle Essen der Karwoche. Doch auch sonst weckt die Corona-Pandemie bei den Bayern neue Vorlieben.

Tradition: Karfreitag ist Fischtag

Corona löst Boom aus: Der neue Hunger auf fangfrischen Fisch - Forellen, Saiblinge & Co. gefragt wie nie

  • Kathrin Brack
    vonKathrin Brack
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  • Cornelia Schramm
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Fisch ist das traditionelle Essen der Karwoche, das ist auch in der Pandemie so. Dadurch, dass die Gastronomie geschlossen ist, tun sich aber gerade die Karpfenzüchter in diesem Jahr schwer. Die regionalen Fischzuchtbetriebe freuen sich dagegen über die große Nachfrage nach heimischem Fisch.

München – Auf dem Forellenhof laufen schon die Räucheröfen heiß. In der Karwoche herrscht bei der Fischzucht Ertl an der Grenze zwischen dem Münchner Stadtteil Lochhausen und der Gemeinde Gröbenzell (Kreis Fürstenfeldbruck) Hochbetrieb: Zu zehnt fischen, schlachten, räuchern und verkaufen sie Forellen, Saiblinge und Co. „Wir haben einen Stand im Freien aufgebaut, damit wir corona-konform verkaufen können“, erzählt Simone Wiesinger, die den Familienbetrieb zusammen mit ihrem Mann Marcus leitet.

In ganz Bayern wird in der Woche vor Ostern viel Fisch verkauft und verarbeitet. Vor allem der Karpfen ist zum Ende der Fastenzeit gefragt – der Karfreitag gilt als Spitzentag für die Karpfenteichwirte im Freistaat. Doch nachdem die Gastronomie coronabedingt geschlossen bleibt, hätten gerade Betriebe in Franken zu kämpfen, sagt Martin Oberle, Leiter der Karpfenteichwirtschaft bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Die Sorge sei groß, dass viele Fische übrig bleiben könnten. Etwa 6000 Tonnen Karpfen erzeugen Teichwirte in den traditionellen Karpfenregionen Franken und Oberpfalz nach Schätzung der bayerischen Fischereiverwaltung jährlich.

Regional, frisch, gesund: Corona-Pandemie lässt Fisch boomen

Die Karpfenteichwirte in der Oberpfalz hätten aber anders als ihre Kollegen in Franken schon im Januar alle Fische verkauft. „In der Oberpfalz gibt es andere Absatzkanäle: Karpfen werden häufig als Satzfische verkauft. Zum Teil haben sich auch neue Kundschaften ergeben, zum Beispiel im Lebensmitteleinzelhandel“, sagt Oberle.

Auch die Wiesingers bekommen seit Jahren Karpfen aus der Oberpfalz – für die Karpfenzucht sind ihre acht Teiche ein bisserl zu kalt. Im Herbst holen sie die Fische bei ihrem Partnerbetrieb ab. Dieses Jahr waren sie bereits im Januar ausverkauft, sagt Simone Wiesinger. Nicht nur, weil sie für diese Woche viel Kundschaft erwartet, ist sie froh, dass die Osterruhe vom Tisch ist. „Sonst hätten wir in drei Tagen das verkaufen müssen, was wir sonst in sechs Tagen verkaufen.“

Der Karfreitag bringt Spitzenumsätze: Karpfenteichwirte im Freistaat wappnen sich für den Feiertag.

Die große Nachfrage nach Fisch beschränkt sich nicht auf die Woche vor Ostern. „Seit Corona gibt’s einen regelrechten Boom“, sagt Wiesinger. „Die Leute kochen mehr, probieren mehr aus. Und zeigen mehr Wertschätzung für regionale Produkte.“ Die Familie verkauft ihren Fisch frisch geschlachtet und küchenfertig, geräuchert, mariniert oder schon verarbeitet im eigenen Hofladen. Zwei Jahre sind die Fische alt und „gesund gewachsen“, wenn sie sie aus den Teichen abfischen. Die Kunden schätzen das. „Und die Tatsache, dass Fisch einfach zu kochen ist und noch dazu gut für die schlanke Linie.“

Steckerlfisch „to go“: Burschenverein setzt auf Karfreitagstradition

Über Hofläden und Märkte vertreiben viele Fischzuchten in Oberbayern ihre Fische direkt. Aber auch für Vereine ist der Fischverkauf eine wichtige Einnahmequelle. Die Burschen in Höhenkirchen (Landkreis München) konnten sich dieses Jahr vor Anfragen kaum retten. „Heuer bieten wir unseren Steckerlfisch erstmals to go an“, sagt Markus Vollmann, der Vorsitzende. „Man musste ihn vorbestellen und bekam eine von fünf Abholzeiten genannt“, erklärt er. Die 280 Fische, die die Burschen traditionell am Holzspieß grillen, sind schon jetzt restlos ausverkauft. Sie warten am Karfreitag nur noch auf Abholung an der Burschenhütte. „Wir freuen uns über die Unterstützung. Gerade lebt unser Verein nur davon“, sagt Vollmann.

Dass die Fischzucht Ertl leergekauft wird, glaubt Simone Wiesinger nicht. „Die Teiche sind voll, wir fischen, bis sie leer sind“, sagt sie. Das sei bei allem neu entdeckten Hunger auf frischen Fisch aber noch nie vorgekommen.

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