Gärtnereileiterin Nele Köstler steht in einem Gewächshaus zwischen Anemonen und Primel.
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Zwischen Anemone und Primel: Gärtnereiführerin Nele Köstler hofft, das Geschäft bald öffnen zu dürfen.

Söder stellte Öffnung in Aussicht

Der Frühling hält Einzug: Gärtnereien hoffen auf Corona-Lockerungen

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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  • Dominik Göttler
    Dominik Göttler
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Der Frühling hält Einzug: Am Wochenende erwarten die Bayern warme Temperaturen und auch in den Gärtnereien erstrahlen schon die bunten Blütenmeere. Die Branche hofft nach Markus Söders Ankündigung auf baldige Lockerungen.

Grafing – Als Spitzname würde gut „Bavaria“ passen: Mit ihren hellblauen Blüten und dem weißen Rand könnte die zweifarbige Primel zum Trend im diesjährigen Frühlingsgeschäft werden. „Die Pflanze erinnert mich ein bisschen an Bayern“, sagt Nele Köstler. Sie betreibt in sechster Generation die Gärtnerei Köstler in Grafing im Landkreis Ebersberg. Dort blüht es gerade recht bunt in den Gewächshäusern. Nicht nur Primeln in allen möglichen Farben, sondern auch Stiefmütterchen, Tulpen, Hyazinthen und viele weitere Pflanzen sind bereit. „Wir haben über 20 000 Frühblüher“, berichtet die 33-Jährige.

Doch: Noch sind die Gärtnereien im Lockdown. Köstler hatte sich kürzlich mit einem Hilferuf an die Politik gewandt. Als „einen Lichtblick am Horizont“ sieht sie jetzt die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beim politischen Aschermittwoch, dass als nächstes die Gärtnereien für Lockerungen im März an die Reihe kommen könnten. Das forderte gestern auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW). Auf Twitter veröffentlichte er zwei Fotos mit vielen gelben und pinken Blumen – und einer Botschaft: „So schaut’s bei den Gärtnern aus. Spätestens Anfang März muss das zu den Kunden, nicht auf den Komposthaufen.“

Die Hauptsaison ist von März bis Mai

Denn: „Unsere Ware ist verderblich“, betont Nele Köstler. Die Nachricht, möglicherweise bald wieder öffnen zu können, sei deshalb „überaus positiv“ für sie. „Aber noch ist bei uns eine extrem große Unsicherheit, ob es wirklich so kommt“, sagt sie. Ihre Gärtnerei setzt auf eine eigene, nachhaltige Pflanzenproduktion. Schon seit Herbst laufen die Vorbereitungen auf die Hauptsaison von März bis Mai. „Im Frühjahr verschönern viele Leute den Garten“, erklärt sie. „Da ist die Nachfrage am größten.“ Jetzt sorgt sie sich, viele Frühjahrspflanzen nicht verkaufen zu können.

Der Betrieb hat zwar seinen Internet-Shop ausgebaut und bietet einen Abhol- und Lieferservice an. Ein Ausgleich für das fehlende Ladengeschäft sei das aber nicht. „Es ist nur ein Bruchteil des normalen Umsatzes“, sagt Köstler. Viele Ausgaben wie zum Beispiel für die Pflege und Aufzucht der Pflanzen, für die Gewächshausbeheizung und für das Personal würden weiterlaufen. Außerdem müsste die Beet- und Balkonware für den Sommer vorbereitet werden.

Gärtnereien beklagen Ungerechtigkeiten

Was viele Gärtnereien besonders ärgert: „Es ist ungerecht, dass der Lebensmitteleinzelhandel ohne Auflagen Gärtnereiprodukte anbieten darf“, beklagt Köstler. „Viele Geschäfte haben ihr Angebot massiv ausgeweitet.“ In Gärtnereien gebe es gute Lüftungssysteme, hohe Decken und sehr große Flächen. „Es gibt wenig andere Betriebe, wo man so gefahrlos einkaufen kann“, sagt Köstler.

Frühlingshafte Temperaturen in Bayern

Für Frühlingsstimmung bei den Kunden würde ihr Blumenmeer auf jeden Fall sorgen. Genauso wie das Wetter in den nächsten Tagen. Am heutigen Freitag bleibt es wegen einer Kaltfront zwar noch etwas ungemütlicher mit Höchsttemperaturen von maximal 13 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst berichtet. Aber ab Samstag setzt sich dann ein Hochdruckgebiet durch und es wird richtig frühlingshaft mit Temperaturen knapp unter der 20-Grad-Marke, die dann auch die ganzen nächste Woche über anhalten sollen. Vor allem in Alpennähe wird es am wärmsten, Mitte der Woche mit bis zu 18 Grad. Allerdings bleibt in den Nächten weiterhin Frost möglich.

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