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Corona-Wende: Bayern stellt Astrazeneca-Erstimpfungen in Impfzentren ein - jetzt warnt die EMA

  • Sebastian Horsch
    VonSebastian Horsch
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In Bayerns Impfzentren sollen ab dem 19. April keine Termine mehr für Corona-Erstimpfungen mit Astrazeneca vergeben werden. Das geht aus einem Schreiben des Gesundheitsministeriums hervor.

Update vom 6. April, 20.24 Uhr: Das erste Schreiben traf am Ostersonntag ein. Nur bis zum 19. April soll es in den Impfzentren noch Termine für Erstimpfungen mit Astrazeneca geben, teilt die bayerische Taskforce Impfstrategie den Landkreisen mit. Wer sich danach zur Impfung anmeldet, soll Biontech oder Moderna erhalten – egal, wie alt er ist. Da aber weiter Zweittermine für bereits mit Astrazeneca geimpfte Über-60-Jährige stattfinden, sollen die Zentren dafür Dosen zurückstellen, heißt es zunächst.

Gestern dann der nächste Tempowechsel. In einer weiteren Nachricht aus dem Gesundheitsministerium werden die Impfzentren nun aufgefordert, sämtlichen vorhandenen Astrazeneca-Impfstoff rasch an Menschen über 60 Jahre zu verimpfen – und zwar „schnellstmöglich, ggf. im Rahmen von Sonderaktionen“. Zudem stellt das Ministerium klar: „Rückstellungen für erst später anstehende Zweitimpfungen für diese Personengruppe sollen nicht gebildet werden.“ Was nicht verimpft werden kann, könne an die Arztpraxen weitergegeben werden. Bayern plant nun offensichtlich eine Astrazeneca-Offensive. 

Coronavirus: EU-Arzneimittelbehörde warnt vor AstraZeneca - Zusammenhänge mit Thrombosen „klar“

Update vom 6. April, 19.35 Uhr: Nachdem die EU-Arzneimittelbehörde EMA noch vergangene Woche den Astrazeneca-Impfstoff als sicher empfohlen hatte, erklärte gestern der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri: Es sei „klar“, dass es einen „Zusammenhang“ zwischen der Astrazeneca-Impfung und dem gehäuften Auftreten von Blutgerinnseln gebe. In Deutschland wird das Vakzin deshalb vorsichtshalber nur noch bei Menschen ab 60 Jahren eingesetzt. Auch Länder wie Frankreich und Kanada schränkten den Einsatz des Vakzins ein, Dänemark stoppte es ganz.

Corona-Wende: Bayern stellt Astrazeneca-Erstimpfungen in Impfzentren ein

Erstmeldung vom 6. April, 14.14 Uhr:

München – In bayerischen Impfzentren sollen ab 19. April keine Termine für Erstimpfungen mit Astrazeneca* mehr vergeben werden. Das geht aus einem Schreiben des bayerischen Gesundheitsministeriums an die Landkreise und betroffene Organisationen hervor, das dem Münchner Merkur vorliegt. Die Terminsoftware BayIMCO werde so umprogrammiert, „dass eine Terminvergabe für Erstimpfungen mit AstraZeneca einschl. 19.04.2021 nicht mehr möglich ist“, heißt es darin.

Bayern: Keine Corona-Erstimpfungen mehr mit Astrazenca?

Bis zum 19. April sollen die Impfzentren dem Schreiben zufolge weiter mit Astrazeneca beliefert werden. „Es stehen noch vier Lieferungen bis einschließlich KW 17 aus. Diese Lieferungen werden vollständig an die Impfzentren für Erst- und Zweitimpfungen (für Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben) ausgeliefert“, heißt es.

Zweitimpfungen mit Astrazeneca sollen offenbar auch nach dem 19. April weiter in den Impfzentren stattfinden. Das Ministerium bittet die Einrichtungen, „Dosen für Zweitimpfungen von Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, zurückzustellen“. Mit Blick auf jüngere Geimpfte weist das Ministerium darauf hin, „dass angesichts der Empfehlungen der STIKO die anstehenden Zweitimpfungen mit AstraZeneca in einem Abstand von 12 Wochen mit BioNTech* durchgeführt werden sollen“.

Astrazeneca: Zusammenhang mit Thrombosen bestätigt

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Corona in Bayern: Astrazeneca-Impfungen - Bayern setzt offenbar verstärkt auf die Ärzteschaft

Im weiteren Umgang mit dem Impfstoff*, der im Verdacht steht, bei wenigen Geimpften gefährliche Blutgerinnsel ausgelöst zu haben, setzt Bayern offenbar verstärkt auf die Ärzteschaft. „Sollte angesichts der aktuellen Entwicklungen bzgl. AstraZeneca eine komplette Verimpfung der gelieferten Impfdosen in den Impfzentren auch im Rahmen des sog. Hop-On-Verfahrens nicht möglich sein, wird von Seiten des StMGP gestattet, Impfdosen von AstraZeneca an niedergelassene Arztpraxen zur Verimpfung im Regelsystem abzugeben“, heißt es in dem Schreiben.

Auf Merkur-Nachfragen zu den weiteren Hintergründen der Entscheidung reagierte das Gesundheitsministerium am Dienstag zunächst nicht. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa/dpa-Bildfunk

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