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Wut über 2G auf Weihnachtsmarkt: Gräfin von Pfuel wird angefeindet - „Diskriminierung sondergleichen“

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Von: Isabel Wetzel

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Endlich wieder auf dem Weihnachtsmarkt mit heißem Glühwein anstoßen: Ohne die 2G-Regel wäre das auf dem Schloss Tüßling nicht möglich.
Endlich wieder auf dem Weihnachtsmarkt mit heißem Glühwein anstoßen: Ohne die 2G-Regel wird das auf dem Schloss Tüßling nicht möglich sein. © Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild

Weihnachtsmärkte dürfen 2021 wieder stattfinden. Auf dem Schloss Tüßling hat man sich für den eigenen Markt für die 2G-Regel entschieden - und erntet dafür heftige Kritik.

Tüßling ‒ Weihnachtsmärkte sollen in Bayern 2021 trotz Corona wieder stattfinden - fast ohne Einschränkungen. Nach der stürmischen Ankündigung von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), dass die Christkindlmärkte in Bayern ohne Beschränkungen stattfinden sollen, hat die bayerische Staatsregierung um Ministerpräsident Markus Söder* ein umfassendes Corona-Konzept für Weihnachtsmärkte bekannt gegeben.

Demnach sei in diesem Jahr weder eine 3G-Pflicht noch eine Maskenpflicht vorgesehen. Die Veranstalter der Märkte müssten lediglich ein Hygienekonzept für die Standbetreiber und Besucher erarbeiten und sie darüber informieren. Ein Sonderfall ist allerdings der romantische Weihnachtsmarkt auf Schloss Tüßling in Oberbayern: Hier gilt die 2G-Regel, wenn Stephanie Gräfin von Pfuel am 3. Dezember die Tore ihres Schlosses für das „Winterzauberland“ öffnet. Das heißt, nur wer geimpft oder genesen ist, kann den Weihnachtsmarkt auf Schloss Tüßling besuchen.

Diskriminierung und Nazivergleiche: Bürger sauer über 2G auf dem Weihnachtsmarkt

Für die Veranstalter scheint das 2G-Modell die einzige Möglichkeit zu sein, den Weihnachtsmarkt überhaupt durchzuführen. Doch während sich viele auf die besondere Atmosphäre im Schloss freuen und Kommentare wie „Do san ma am Start“, „Der ist toll“ oder „Ihr macht das genau richtig. Wir freuen uns schon sehr“ hinterlassen, gibt es auf Facebook auch heftige Kritik für die Entscheidung.

„Mit Einführung der 2G-Regel seid Ihr für mich gestorben. Schade, ich war immer gerne bei Euch“, schreibt beispielsweise eine Nutzerin. Andere sprechen von einer „Diskriminierung sondergleichen“, versuchen zu erklären, dass auch Geimpfte andere mit Corona* anstecken können und ein aktueller, negativer Testnachweis ohnehin viel sicherer sei. Einige enttäuschte Stammbesucher werfen Gräfin von Pfuel außerdem vor, der Politik unter den Rock zu kriechen und andere ziehen sogar Vergleiche zur Ausgrenzung der Juden im Dritten Reich: „Es dauert nicht mehr lange, bis man uns markieren wird“.

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„Schrecklich und unreflektiert“: Veranstalter auf Schloss Tüßling fühlen sich zu Unrecht angegriffen

Für die Schlossherrin sind die Reaktionen der Menschen „schrecklich und völlig unreflektiert“, wie sie den OVB-Heimatzeitungen erklärt. Die Kommentare auf Facebook seien nur ein Teil von den Beschimpfungen und Anfeindungen, die sie aktuell kriege - per Mail seien die Ausdrücke teilweise sogar noch übler, sagt sie. Die Veranstalter des Weihnachtsmarktes könnten vor allem gar nichts für die Entscheidung, denn es handele sich lediglich um die Umsetzung von Maßnahmen, die Gesundheitsamt und Kommune aktuell vorgeben.

Auf der Facebookseite des Weihnachtsmarktes veröffentlichten die Veranstalter daher auch noch ein Statement, in dem sie die Entscheidung für 2G erklären. „Der grundlegende Unterschied zu einem öffentlichen Weihnachtsmarkt in den Städten ist, dass unser Markt als Veranstaltung mit über 1000 Besuchern teilweise im Inneren von Gebäuden stattfindet!“, heißt es darin. Diese Innenräume dürften ohne das 2G-Modell nicht genutzt werden. Damit würden langjährige Aussteller ausgegrenzt und das Angebot auf dem Markt deutlich schrumpfen.

Einer der Aussteller mischt sich gleich in die Diskussionen auf Facebook ein und unterstützt den Hinweis, dass auch viele Unternehmen und Arbeitsplätze an der Durchführung des Weihnachtsmarktes hängen: „Danke für Eure Entscheidung! So dürfen und können wir auch wieder im Kornboden ausstellen und verkaufen.“

2G auf dem Weihnachtsmarkt Schloss Tüßling: Corona-Regeln können sich noch ändern

Auch Eberhard Leichtfuß, der Geschäftsführer der Schloss Hexenagger Veranstaltungs GmbH, die den Weihnachtsmarkt auf Schloss Tüßling ausrichtet, äußert sich zu den Vorwürfen auf Facebook. Zunächst verteidigt Leichtfuß die Gräfin von Pfuel, denn die Anfeindungen seien zu Unrecht gegen sie gerichtet. „Ich ganz alleine als Veranstalter habe die Entscheidung für 2G gefällt, und zwar nach sehr langer und reiflicher Überlegung und Abwägung und sehr intensiven Gesprächen mit den Genehmigungsbehörden“, kommentiert er.

Romantischer Weihnachtsmarkt auf Schloss Tüßling

Der Weihnachtsmarkt findet an den folgenden Adventswochenenden statt:

3. bis 5. Dezember

10. bis 12. Dezember

17. bis 19. Dezember

Zudem hätte es bei einer Durchführung unter der 3G-Regel keine Genehmigung für den Ausschank von Glühwein auf dem romantischen Weihnachtsmarkt Schloss Tüßling gegeben - was absolut unwirtschaftlich wäre und den Markt undurchführbar machen würde. Das können auch einige Nutzer nachvollziehen: „Kein Glühwein wäre keine Option“. Die Veranstalter betonen an verschiedenen Stellen außerdem immer wieder, dass alle Planungen sowie die Entscheidung für 2G von den aktuellen, gesetzlichen Vorgaben abhänge. Sobald es von dieser Seite aus möglich wäre, den Markt ohne Beschränkungen stattfinden zu lassen, werde man das auch tun. (iwe) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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