Minister besucht Nockherberg-Biergarten

Biergärten sind wieder offen - Aiwanger frohlockt: „Dieser Tag ist ein Wendepunkt in der Corona-Krise“

  • Stefan Sessler
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Corona in Bayern: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ruft den 18. Mai als „Wendepunkt in der Corona-Krise“ aus. Der Grund? Die Öffnung der Biergärten in Bayern ... 

München – Montag, kurz nach 16 Uhr, der Biergarten-Kontrollbesuch des bayerischen Wirtschaftsministers wird zur Detektivarbeit. Hubert Aiwanger steht vor der Kassenkraft des berühmten Nockherberg-Biergartens in München. „Kriegen Sie genug Luft?“, fragt er sie. Die junge Frau, die einen Batman-Mundschutz trägt, nickt. Dann fragt er: „Funktioniert der Obeitsoblof?“ Die Frau nickt noch mal, Arbeitsablauf läuft spitzenmäßig.

MinisterpräsidentMarkus Söder mag in der Corona-Krise gezeigt haben, dass er Kanzler-Potenzial hat. Und dass er noch die letzte Maskenlieferung im Morgengrauen auf jeder Rollbahn dieser Welt selbst entgegennimmt, wenn sich ein Fotograf findet, der ein Bild davon macht. Aber den Biergarten, den überlässt ihm Aiwanger keinesfalls. Hier läuft der Chef der Freien Wähler zu Höchstform auf. Das ist sein Terrain, das ist schließlich der Ort, an dem die bayerische Seele vor Jahrtausenden das Baumeln gelernt hat.

Corona in Bayern: Aiwanger ruft den „Wendepunkt in der Corona-Krise“ aus

Aiwanger ist erst ein paar Minuten vor Ort, aber ihm entgeht kein Detail. Er bemängelt das Drehkreuz, das jeder einzelne Gast vor der Essensausgabe anfassen muss. Er befürchtet, dass die Kassenkräfte hinter der Plexiglasscheibe bei sommerlicher Hitze schlimm ins Schwitzen kommen werden. Er gibt Wirt Christian Schottenhamel Tipps, wie er die Bierbänke stellen könnte, nämlich ganz anders als jetzt.

Er erkundigt sich, bei wie viel Grad die Krüge gespült werden. Antwort: 70 Grad. Aiwanger sucht Kontakt zu den Gästen, die das erste Freiluft-Bier der Saison trinken. „Können’s noch kochen hier im Biergarten?“, fragt er eine Familie. „Oder haben sie es nach so vielen Wochen verlernt?“ Der Minister lacht, alle lachen, hahaha. Die Antwort ist unwichtig. Gags aus dem Stegreif gepaart mit staatsmännischen Begrüßungen – das ist das Konzept an diesem Nachmittag. 

Corona in Bayern: Wie die Öffnung der Biergärten das Leben im Freistaat verändert

„Grüß Gott, ich bin der Wirtschaftsminister. Sind Sie froh, dass es wieder losgeht?“, fragt er am nächsten Tisch. Aiwanger fegt durch den Biergarten. Nach 15 Minuten hat er alles gesehen und sitzt auf einer Bierbank. Er sagt: „Dieser Tag ist ein Wendepunkt in der Corona-Krise.“ Es ist der Tag, an dem der Bayer seinen gewohnten Lebensraum zurückbekommt. Es ist so was wie die Mondlandung des kleinen Mannes, jede Mass ein Raketenstart in ein neues Leben.

Zumindest klingt es so, wenn Aiwanger von der Bedeutung dieses Montags spricht. „Jetzt können wir die Corona-Depression hinter uns lassen“, sagt er. Und auch sonst hat der Minister nur gute Nachrichten im Gepäck. In dieser Woche haben Biergärten nur bis 20 Uhr geöffnet, „aber ich gehe davon aus, dass wir es auf 22 Uhr angleichen“, sagt er. 22 Uhr, so lange dürfen Wirtshäuser ab nächster Woche offen haben.

Und dann ist da ja noch der Beitrag zum Infektionsschutz, den Bayerns Biergärten leisten. Den bisher aber kaum einer auf dem Schirm hatte. Bislang hieß die Gleichung im Angesicht des Virus: viel Mensch gleich viel Gefahr. Aber dieser Ansatz ist offenbar überholt. 

Corona in Bayern: Ex-Finanzminister und Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon hat Corona überstanden. Sein Blut soll jetzt anderen Patienten helfen.

Corona in Bayern: Aiwanger und die Liebe zu den Biergärten

Am Donnerstag ist Vatertag, viele Wirte befürchten schon einen nur schwer zu kontrollierenden Gäste-Andrang, doch für Aiwanger sind die Biergarten nicht das Problem, sondern die Lösung. „Das ist traditionell der Tag, an dem ein bisserl Unsinn gemacht wird“, sagt er. „Aber im Biergarten ist ein gewisser Teil der Väter ordentlich untergebracht, das ist viel besser, als wenn sie sich im Hinterhof treffen.“

Die Biergärten sind Sehnsuchtsorte – und neuerdings auch Notbetreuungsplätze. Nur wer unter Kastanien drei Mass Bier trinkt, hat eine Chance gegen das Virus. So weit sind wir schon. Verrückte Zeiten. 

Der Vatertag steht bevor. Ausflüge mit dem Bollerwagen sind möglich. Doch aufgrund der Corona-Krise gelten Einschränkungen. Das ist erlaubt - eine Übersicht.

Ministerpräsident Söder hat zudem die Wiedereröffnung von Freibädern angekündigt. Im Zuge der Lockerungen der Corona-Maßnahmen dürfte das viele freuen - trotz strenger Regeln.

Durch die Corona-Krise sind Auslandsreisen nicht möglich. Zu den Pfingstferien rechnet die DLRG mit einem Ansturm auf Badeseen in Bayern - und warnt vor den Gefahren. Die CSU will unterdessen erstmals einen Parteitag virtuell abhalten.

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Rubriklistenbild: © Mirgeler/dpa

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