Nach dem Lockdown öffnen die Friseure endlich wieder.
+
Nach dem Lockdown öffnen die Friseure endlich wieder.

Friseursalons dürfen wieder aufsperren

Corona-Lockerung: Ab Montag hat Bayern wieder die Haare schön - jetzt folgt der Ansturm auf die Salons

  • vonJulian Nett
    schließen

In Bayerns Friseursalons laufen die Vorbereitungen für die Öffnung auf Hochtouren. Ab Montag soll es den Corona-Matten an den Kragen gehen. Ohne Extraschichten wird der Ansturm aber kaum zu bewältigen sein.

München – „Liebe Frau Kollmeder, gerne hätte ich einen Termin an diesem Tag“, stand auf einer Postkarte geschrieben, die kürzlich im Friseursalon „Haarwerkstatt“ in der Münchner Maxvorstadt eintraf. Um irgendwie einen Haarschnitt zu ergattern, ließen sich ihre Kunden allerhand einfallen. Über jeden möglichen Kanal erreichten Sabine Kollmeder, 53, in den vergangenen Wochen Terminanfragen. Die kreative Postkarten-Idee war noch erfolgreich, inzwischen sagt die Inhaberin aber: „Wir sind schon jetzt bis April ausgebucht.“

Sechs Monate nach der Schließung geht es wieder los

Scheren und Kämme liegen bereit, die Waschbecken sind desinfiziert. Zweieinhalb Monate nach der Corona*-bedingten Schließung sagen die bayerischen* Friseure ab Montag endlosen Mähnen und wild wuchernden Lockdown-Locken den Kampf an. Kollmeder flüchtete sich in den Tagen vor der Öffnung noch ein letztes Mal in die Ruhe der Natur. „Kraft tanken“, sagt sie. „Bevor wir schauen, wie wir den Andrang bewältigen.“

Bis jetzt konnte sie noch jedem einen Termin anbieten. Mit der Wiederaufnahme des Betriebs kommt allerdings direkt eine weitere Herausforderung auf sie zu: „Es braucht sicher drei Monate, um wieder einigermaßen in den Rhythmus zu kommen“, glaubt die Münchnerin. „Und wenn die Leute am Montag schon einen Termin für das nächste Mal ausmachen wollen, werden wir ja nie fertig.“ Damit nicht genug: Die Haarwerkstatt plant zudem – um den zum Teil ausufernden Schöpfen gerecht zu werden – pro Kunde bis auf Weiteres eine zusätzliche Viertelstunde ein. Kollmeder schätzt: „Da braucht man jetzt starke Nerven.“

Kunden drohen schon mal mit Friseurwechsel

Die brauchte auch Natalie Müller, die in Markt Schwaben im Kreis Ebersberg den Salon „LaOria“ betreibt. „Jeder will der Erste sein“, erzählt sie. „Mir wurde von Kunden sogar gedroht, dass sie sich einen neuen Friseur suchen, sollten sie nicht zu den Ersten gehören.“ Andere fragten, ob sie denn nicht auf einen Kaffee vorbeikommen möchte. Dabei könne sie ja gleich einen Kamm mitnehmen. Die Erfolgsaussichten solcher Anfragen waren bei der 25-Jährigen, die ihren Laden im Mai nach dem ersten Lockdown eröffnet hatte, denkbar schlecht. Sie versuchte, den Leuten zu vermitteln, „dass es für mich auch keine einfache Situation ist“.

Damit sich trotzdem niemand benachteiligt fühlt, kommen im LaOria zunächst die Kunden dran, deren bereits geplanter Dezember-Termin dem Lockdown zum Opfer gefallen war. Dazwischen schiebt die Friseurmeisterin die Härtefälle. „Für diejenigen, die mit ihren Extensions eigentlich vor fünf bis sechs Wochen dran gewesen wären, wird es jetzt echt brenzlig“, sagt sie.

Im Gegensatz zu anderen Salons kann die alleine arbeitende Friseurin weiter auf ihr Hygienekonzept bauen. „Genau genommen haben die Leute bei mir am meisten Sicherheit“, sagt sie und lacht. Neue Vorgaben der Berufsgenossenschaft, wonach innerhalb einer Fläche von zehn Quadratmetern nur ein Angestellter arbeiten darf, sind für ihren Laden hinfällig.

Schichtdienst und Sechs-Tage-Wochen

Umstellen muss sich hingegen der „Monaco Cut“ in Ismaning. Trotz des zu erwartenden Ansturms und einer Gesamtladenfläche von 90 Quadratmetern werden laut Inhaber Tom Schweiger, 36, nie mehr als fünf der insgesamt neun Angestellten gleichzeitig arbeiten. Damit soll das Infektionsrisiko weiterhin so gering wie möglich gehalten werden. Die Kunden, aber auch die Belegschaft, hätten Verständnis dafür, sagt er.

Um den vielen verwahrlosten Zotteln, die sich in nächster Zeit in den Monaco Cut verirren, trotzdem Herr zu werden, wird dort ab Montag im Schichtdienst gearbeitet. Sechs Tage die Woche, von Montag bis Samstag, soll der Salon jeweils von 8 bis 20 Uhr geöffnet bleiben. Ohne Extraschichten wird es wohl auch nicht gehen. Allein in der abgelaufenen Woche erreichten Schweiger fast 600 Terminanfragen. „Ich habe eigentlich den ganzen Tag nur Anrufe und E-Mails beantwortet. Da haben wir jetzt erst einmal ein bisschen was zu tun“, sagt er.

Bayerns Friseursalons sperren auf: „Ich hoffe wirklich, dass wir aufbleiben dürfen“

Angst vor einem unkontrollierten Ansturm auf seinen Laden hat er aber keine. Er denke nicht, dass viele Kunden einfach ohne Vorankündigung bei ihm vorbeischauen werden. „Ich gehe am Montag mit einem guten Gefühl in die Arbeit“, sagt Schweiger. Nach dem ersten Lockdown habe man in dieser Hinsicht ausreichend positive Erfahrungen gemacht. Seine einzige Befürchtung: dass die Öffnung auch diesmal nicht von langer Dauer ist. „Ich hoffe wirklich, dass wir aufbleiben dürfen“, sagt er.

Zunächst einmal aber überwiegt die Euphorie, seinen Kunden endlich wieder ein Lächeln in ihr von einem frischen Haarschnitt umrahmtes Gesicht zu zaubern. „Die Vorfreude auf Montag ist riesig“, sagt Schweiger. „Und der Geldbeutel freut sich natürlich auch.“ - *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Mehr zum Thema

Kommentare