Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Malteser steht am städtischen Impfzentrum vor einem Impfbus.
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Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Malteser steht am städtischen Impfzentrum vor einem Impfbus.

Corona in Bayern

Impfzentren für viele fast unmöglich zu erreichen: Städte in Bayern müssen richtig kreativ werden

  • vonMayls Majurani
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Bisher war es für viele Senioren und Menschen mit Behinderung fast unmöglich, zu den Impfzentren zu kommen. Städte und Landkreise arbeiten nun an Lösungen. Ein Überblick für ganz Bayern.

  • In mehreren bayerischen Städten und Landkreisen werden Linienbuse zu Mini-Impfzentren ausgebaut.
  • München plant die Erweiterung des Linienbusnetzes, damit mehr Menschen, einfacher zum Impfzentrum fahren können.
  • In Augsburg wollen SPD und Linke Senioren und Menschen mit Behinderung kostenlos mit dem Taxi zur Impfung fahren.

München – Überall in Bayern haben die Gesundheitsbehörden Corona-Impfzentren* eingerichtet. Dazu fahren mobile Impfteams in Pflegeheime, um auch die Menschen dort zu schützen. Aber wie lassen sich vor allem Senioren impfen, die nicht in einem Heim leben und auch keine Möglichkeit haben, zum Impfzentrum zu gelangen? Immer mehr Städte und Landkreise machen sich Gedanken dazu – und setzen erste Ideen bereits um.

Dass die mobilen Impfteams auch zu den Senioren nach Hause fahren, klingt einfacher, als es ist. Die Impfdosen befinden sich in einer Ampulle. Ist diese geöffnet, müssen auch alle Dosen sofort verimpft werden. Eine Rundfahrt von Haus zu Haus mit angebrochener Ampulle ist also nicht möglich. Die Impfdosen würden verfallen.

Coronavirus in Bayern: Malteser bauen in Memminen Linienbus zum Impfzentrum um

Für Menschen, die keine Möglichkeit haben, zum Impfzentrum zu kommen, gibt es noch keine bayernweite Impfstrategie. Ohne die Hilfe von Angehörigen oder Nachbarn waren viele Senioren aufgeschmissen. „Bei weiteren Kreisverwaltungsbehörden finden derzeit Überlegungen statt, Impfbusse anzuschaffen oder andere dezentrale Lösungen zu entwickeln“, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München mit. So setzt etwa Memmingen ab dem 1. März auf ein Mini-Impfzentrum, eingerichtet in einem Linienbus.

Den Linienbus hat der Malteser-Hilfsdienst umgebaut. Nach eigenen Angaben gibt es darin einen Bereich zur Anmeldung, zum Warten, zur Aufklärung und zum Impfen. Der Bus ist auch für Rollstuhlfahrer oder Senioren mit Rollatoren zugänglich. Ab März werde das Fahrzeug im Einsatz sein, sagte Thomas Haas, Malteser-Einsatzdienstleiter für Bayern. Er soll dann an zentralen Plätzen in der Region halten oder kann auch als zusätzliches Impfzimmer an bestehenden Impfzentren eingesetzt werden. Bis zu 300 Impfungen verspricht sich die kreisfreie Stadt durch das neue Angebot. Der Malteser-Hilfsdienst führt bereits Gespräche über einen Impfbus mit fünf weiteren bayerischen Kommunen.

Corona-Impfungen in München: MVG richtet neue Linie in Messestadt ein

Drei Impfbusse sind nach Angaben der Stadt in Nürnberg* im Einsatz. Auch im Landkreis Passau* ist einer unterwegs. Der Landkreis Oberallgäu will am Dienstag im Beisein von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) einen Impfbus vorstellen. Die CSU-Stadtratsfraktion in Regensburg* fordert ebenfalls den Einsatz der Fahrzeuge als Ergänzung zum Impfzentrum.

Eine mobile Impfstation, ein umfunktionierter Bus, steht beim Nürnberger Corona-Impfzentrum auf dem Messegelände.

Einen etwas anderen Impfbus will die Landeshauptstadt München ab Montag einrichten. Dann soll eine Linie zwischen den U-Bahnstationen Messestadt Ost und Messestadt West sowie dem Impfzentrum an der Messe pendeln. „Damit ist das Impfzentrum mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos ohne lange Fußwege erreichbar“, teilte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit.

Fahrt zum Corona-Impfzentrum: Landkreis Wunsiedel übernimmt Teil der Taxirechnung

Der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebierge handhabt das ganze Thema komfortabler: Wer einen Impftermin* hat, kann ein Taxi zum Impfzentrum bestellen. Der Landkreis übernimmt dann die Hälfte der Fahrtkosten. Starten wird das Angebot am Montag (8. Februar). Dafür werden auch die Taxifahrer vom Landkreis mit FFP2-Masken* ausgestatten. Es seien bereits zahlreiche Termine vereinbart worden, teilte eine Sprecherin des Landratsamts mit.

Auch die Stadtratsfraktion aus SPD und Linke in Augsburg* stellte diesbezüglich einen Antrag. Senioren und Menschen mit Behinderung sollen kostenlos mit dem Taxi zum Impfzentrum gefahren werden. Fraktionsgeschäftsführer Michael Egger erzählte, dass auch sein Vater einen Impftermin hatte. „Ohne Begleitung wäre er zu Fuß nicht hingekommen. Dafür brauchen wir eine Lösung.“

Der Landkreis Bad Kissingen will dagegen mehr stationäre Impfzentren einrichten. Dort könnten bald Sportheime, ein Feuerwehrhaus oder ein Gemeindezentrum vorübergehend für Impfungen umgebaut werden. „Von Vorteil wäre es natürlich, wenn wir mit Ärzten kooperieren könnten, die vor Ort eine Praxis haben. Das würde den logistischen Aufwand mindern“, sagte Bad Kissingens Landrat Thomas Bold (CSU).

Noch sind die Impfungen der über 80-Jährigen Bürger nicht abgeschlossen. An Uni-Kliniken werden dagegen schon junge Studenten geimpft. Hat Bayern ein Verteilungsproblem? (ma/dpa) * Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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