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„Beschämend“: Bayern ist Corona-Schlusslicht im Westen - das hat Gründe

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Von: Verena Möckl, Marc Beyer

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Hohe Infektionszahlen, niedrige Impfquote, viele Todesfälle – die Corona-Bilanz des Freistaat Bayerns im Fokus.

München – An wortgewaltigen Vergleichen herrscht auch an diesem Tag kein Mangel. Kaum hat in Berlin die zukünftige Ampelkoalition ihre Pläne für den Corona*-Winter vorgestellt, erklärt aus der Ferne Markus Söder die Ideen für unzureichend. Man könne bei Schnee und Eis schließlich auch nicht so tun, als sei es warm und sonnig. „Das bisherige Angebot ist eher ein Sommerreifenset als ein Winterpaket.“

Das klingt, als sei man in Bayern für die Härten des Winters besonders gut gewappnet. Tatsächlich aber ist gerade im Freistaat zuletzt allerhand ins Rutschen geraten. Nirgendwo sind die Zahlen bedrohlicher, seit gestern gilt wieder der landesweite Katastrophenfall.

Corona in Bayern: Doppelt so viele Neuinfektionen wie in NRW

Das Robert-Koch-Institut* meldete in Bayern 13.456 Neuinfektionen, mehr als doppelt so viele wie im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (rund 18 Millionen Einwohner). In Bayern (rund 13 Millionen) lag die Sieben-Tage-Inzidenz* gestern bei 427,4. Der Freistaat liegt bundesweit hinter Sachsen (521,9) und Thüringen (469,2) auf Platz drei. Neun der zehn größten Corona-Hotspots liegen hier, allen voran der niederbayerische Landkreis Rottal-Inn mit dem Höchstwert von 1140,4 Fällen in den letzten sieben Tagen.

Auch bei der Impfquote glänzt Bayern nicht gerade. Insgesamt haben in der Bundesrepublik 67,3 Prozent ihren vollständigen Impfschutz erhalten. Im Freistaat sind es lediglich 65,3. Auch bei den Erstimpfungen fällt Bayern mit 67 Prozent hinter der bundesweiten Quote (69,9) zurück. Unter den westlichen Bundesländern liegt man somit auf dem letzten Platz. Deutschlandweit schneiden lediglich Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen schlechter ab.

Corona-Misere: Niedrige Impfquote in Bayern

Auch was die Impfrate der über 60-Jährigen anbelangt, hinkt Bayern hinterher. Hier sind 84,6 Prozent mindestens einmal geimpft. In Bremen sind es zehn Prozent mehr. Bundesweit belegt der Freistaat den fünftletzten Platz.

Die niedrige Impfquote bei den über 60-Jährigen hat fatale Folgen. Das zeigt ein Blick auf die Hospitalisierungsrate. Bundesweit beträgt der Sieben-Tage-Wert 4,65. In Bayern liegt die Hospitalisierungsinzidenz jedoch bei 7,21 – was den Freistaat zum Spitzenreiter unter den alten Bundesländern macht. Deutschlandweit verzeichnet nur Thüringen (16,4) einen noch höheren Wert. Insgesamt sind in Bayern 16.434 Menschen an oder mit Corona* gestorben. Aktuell gibt es mehr als dreimal so viele neue Todesfälle wie beispielsweise in NRW.

Bayerns Corona-Bilanz: „Beschämend“

Söder macht die niedrigen Impfquoten in den besonders betroffenen Regionen verantwortlich für die schlechten Zahlen: „Es sind nicht die Staaten schuld.“ In der Opposition will man diese Erklärung nicht so einfach hinnehmen. „Beschämend“ nennt die Fraktionschefin der Landtags-Grünen, Katharina Schulze, die bayerische Corona-Bilanz. Erneut habe es die Regierung nicht geschafft, dringend notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Neben dem Hin und Her um 2G für Kinder zielt sie besonders auf die Impfquote ab. Alle Bürger ab zwölf Jahren müssten persönlich über die Wichtigkeit der Immunisierung informiert werden: „Per Post, Mail oder über die Corona-Warn-App – eine massive und gezielte Impfkampagne.“

Coronavirus - Bayern, Ministerpräsident Markus Söder
Söder macht die niedrigen Impfquoten in den besonders betroffenen Regionen verantwortlich für die schlechten Zahlen in Bayern. © Sven Hoppe / dpa

Nicht viel gnädiger fällt die Kritik von Martin Hagen aus. „Söder sollte aufhören, mit dem Finger auf die Ampel in Berlin zu zeigen, und lieber seine Hausaufgaben vor Ort erledigen“, appelliert der FDP*-Fraktionsvorsitzende. Die Abschaffung kostenfreier Tests sei ein Fehler gewesen, und „die Booster-Impfkampagne rollt zu spät an“. (mb/V. Möckl) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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