Corona hat den Freistaat fest im Griff: Die Lage in den bayerischen Kliniken ist dramatisch (Symbolbild).
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Corona hat den Freistaat fest im Griff: Die Lage in den bayerischen Kliniken ist dramatisch (Symbolbild).

Personal kommt zunehmend an Grenzen

Bayerns Kliniken schlagen Alarm: „Die Belastungssituation ist teils dramatisch“

  • Marcus Mäckler
    vonMarcus Mäckler
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Die Lage in Bayerns Kliniken spitzt sich zu. Wegen des Coronavirus steht das Personal unter Dauerbelastung - und bald könnten auch die Intensivbetten alle belegt sein.

München – Inzidenzen sind nicht alles, das zeigt sich jetzt nach Ostern besonders deutlich: Denn im Schatten der nur mäßig gestiegenen Inzidenzwerte füllen sich die Intensivstationen kontinuierlich, vor allem mit (meist jüngeren) Covid*-Patienten. „Es brennt“, sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), am Freitag. „Die Lage ist sehr dramatisch.“

Auch in Bayerns Krankenhäusern spannt sich die Situation wieder an. Die Intensivmediziner seien zu Recht besorgt, sagte der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhaus-Gesellschaft (BKG), Roland Engehausen, unserer Zeitung. Die Verwirrung um die Oster-Inzidenzen* sei das eine. „Die Belegungszahlen in den Krankenhäusern sind aber die harten Fakten. Und sie steigen.“ Derzeit seien etwa zehn Prozent der bayerischen Intensivbetten noch frei und belegbar, in Niederbayern und der Oberpfalz etwas mehr. „Das ist schon sehr eng“, sagte Engehausen, der von steigenden Belegungszahlen bis mindestens Ende April ausgeht.

Nicht mehr viele Intensivbetten in Bayern frei

Die Frage ist: Wie geht es im Mai weiter? Um eine Überlastung zu vermeiden, fordern Intensivmediziner ein Durchgreifen der Politik. DIVI-Chef Marx etwa sprach von einem „harten Lockdown von zwei bis drei Wochen“. Engehausen ist da etwas vorsichtiger. Diskussionen über diffuse Lockdown-Begriffe schafften nur mehr Verunsicherung, sagte er. Sinnvoller sei eine „verschärfte Einhaltung“ der bestehenden Abstands- und Kontaktregeln. „Wir plädieren dafür, dass die Politik einen klaren Kurs vorgibt und wir alle uns an die Regeln halten, die es schon gibt.“

Bayernweit sind laut Intensivregister (Stand Freitag) momentan 2974 Intensivbetten belegt, 379 frei. Zu den insgesamt 3353 betreibbaren Betten, also solchen, für die auch das nötige Personal zur Verfügung steht, kommen noch gut 1000 Reservebetten hinzu. Theoretisch ist also noch Luft. „Technisch sind wir noch nicht an der Kapazitätsgrenze“, sagt Engehausen, die Behandlungssituation in Bayern sei stabil. Das Personal kommt aber nach über einem Jahr Dauereinsatz zunehmend an Grenzen. „Die Belastungssituation für die Intensivpflegekräfte und -mediziner ist in Teilen dramatisch, körperlich und auch emotional.“ Immer wieder komme es zu Personalausfällen – trotz der voranschreitenden Impfungen*.

Langzeitfolgen für ganze Generation von Klinik-Personal

Manche fürchten, dass das Langzeitfolgen haben wird. Der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters, Christian Karagiannidis, sprach im Spiegel von einer ganzen Generation an Klinik-Personal, die verloren zu gehen drohe – aufgrund der hohen Belastung. Engehausen kann die Sorge der Intensivmediziner nachvollziehen. „Noch erleben wir eine extrem hohe Motivation“, sagt er. Aber darauf dürfe sich niemand ausruhen.

Die wieder steigende Intensivbetten-Belegung hat noch einen weiteren Preis: Sie geht zulasten von Patienten mit anderen Erkrankungen. Planbare Behandlungen werden bereits wieder verschoben, um Behandlungs-Kapazitäten für Covid-Fälle freizuhalten. „Die Aussage, dass die Belastungsgrenzen nicht erreicht sind, ist in gewisser Weise eine Scheinsicherheit“, sagt Engehausen. Zurzeit gebe es etwa extrem lange Wartelisten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Schon deshalb müsse die Politik nun klare Ansagen machen. „Je länger wir in diesem Hü und Hott sind, desto mehr geht es zulasten anderer Patienten.“ - MARCUS MÄCKLER - **Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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