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Reisen ins Risiko-Nachbarland immer schwieriger

Wintersportsaison startet: Bayerns Chance heißt Österreich

  • vonStefan Reich
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Trotz massenhaft Stornierungen herrscht Hoffnung in den bayerischen Alpen. Weil ein Winterurlaub im Risikoland Österreich für viele unmöglich scheint, könnten die deutschen Alpengebiete profitieren.

  • Wegen Corona* fällt der Winterurlaub für viele flach - gerade im Risikogebiet Österreich*.
  • Bayerns Wintersportgebiete könnten davon profitieren, dass die 7-Tage-Inzidenz* auf der anderen Grenzseite noch höher liegt als hierzulande.
  • Auf den Pisten laufen die Vorbereitungen für Hygienekonzepte. An Après-Ski ist aber nicht zu denken.

München – Margot Niedermüller erreichen gerade haufenweise Nachrichten, die sie eigentlich betrübt stimmen müssten. „Wir werden von einer Stornierungswelle überrollt“, sagt die Geschäftsführerin des Hotels „Alte Wurzhütte“ am Spitzingsee. Die Sieben-Tage-Inzidenz, auf die ganz Deutschland gerade so gebannt blickt, hat im Landkreis Miesbach die 50er-Marke gerissen. „Und demnächst wird auch die 100er-Grenze wohl fallen, da brauchen wir uns nix vorzumachen.“ Bis zum 17. Dezember, berichtet Niedermüller, hätten eigentlich so gut wie alle Gäste abgesagt.

Richtig geknickt klingt die Hotelchefin deswegen nicht. Erstens kann sie es nicht ändern, zweitens hat sie einen erfolgreichen Sommer hinter sich. In diesen Tagen ist die Lage wegen steigender Infektionszahlen wieder schwierig – doch die Skisaison gibt durchaus Anlass zur Hoffnung. Die Skigebiete im Freistaat könnten davon profitieren, dass ein Winterurlaub im Nachbarland Österreich mit großen Hindernissen verbunden ist. „Im Winter sind die Gäste sonst meistens für zwei oder drei Tage bei uns. Jetzt haben wir bis Fasching ganz viele Buchungen von Langzeit-Urlaubern, die ein oder zwei Wochen bleiben wollen“, berichtet Niedermüller. „Das ist deutlich anders als in früheren Jahren. Wer sonst nach Österreich fahren würde, kommt zu uns.“ Bayerns Skigebiete könnten also der Profiteur sein aus Österreichs Misere. Denn bis auf Kärnten gilt ganz Österreich nun als Risikogebiet. Für Skiurlauber hieße das: Nach der Heimkehr aus einem längeren Skiurlaub wäre derzeit eine Quarantäne fällig. Im Nachbarland ist man entsprechend nervös.

Von der Alten Wurzhütte ist es ein Fußmarsch von zehn Minuten bis zur Talstation der Spitzingsee-Bergbahnen. Für die ist Peter Lorenz als Geschäftsführer verantwortlich, ebenso für die Wallbergbahn am Tegernsee und die Brauneckbahn in Lenggries. Er glaubt, dass auch heuer die Schneelage über die Saison entscheiden wird. Nur 15 bis 20 Prozent der Skifahrer – am Spitzingsee sind es im Schnitt rund 220 000 pro Saison – seien Übernachtungsgäste, der Großteil der Kunden Tagesausflügler aus München. Und ob die kämen, hänge weniger von Inzidenzwerten als vom Wetter ab.

In Österreich gerät die Corona-Lage außer Kontrolle.

Coronavirus Bayern: Après-Ski wird kein Thema sein

Dass die Wintersportler in Bayerns Skigebieten gut aufgehoben sein werden, da ist sich Lorenz ganz sicher. „Wir haben ein Hygiene-Konzept, mit dem wir im Sommer schon Erfahrung sammeln konnten.“ Als Vizepräsident des Verbands deutscher Seilbahnen war er auch an den Gesprächen mit den Behörden beteiligt. Im Kern macht man in den Skigebieten das, was gerade alle machen: Maskenpflicht in Räumen und da, wo es eng wird – also auch in Liften und Gondeln. Die Besucher hätten sich so bisher wohlgefühlt. Jedenfalls habe man, den Fahrgastzahlen nach, „einen normalen Sommer“ gehabt.

Auch im Winter sollen in Gondeln die Kabinenfenster offen bleiben, in Sesselliften die Abdeckhauben aufgeklappt, erklärt Lorenz. In Überlegung ist, die Anstellbereiche an den Talstationen der Lifte anders zu organisieren, um Gedränge zu vermeiden. An den Kassen wird gebeten, mit Karte zu zahlen. Liftpässe lassen sich zudem vorab buchen und mit einem QR-Code vor Ort am Automaten abholen. Après-Ski wird am Spitzingsee kein großes Thema sein, sagt Lorenz. Schirmbars, an denen sich andernorts die Touristen zum Trinken treffen, werde es wohl nicht geben.

Auch betriebsintern wird umgemodelt. „Es reicht ja, wenn ein Mitarbeiter Grippe hat, dann fallen die Kollegen, zu denen er Kontakt hatte, auch aus, bis geklärt ist, ob es nicht doch Corona war“, sagt Lorenz. Man will deshalb feste, kleinere Teams bilden. „Dann steht vielleicht mal ein Lift still, aber nicht gleich alles.“ Eine Personalreserve aufzubauen, sei wirtschaftlich nicht darstellbar.

In den Garmisch-Partenkirchener Skigebieten will man mehr Platz schaffen in der Außengastronomie der Hütten und Restaurants. Zusätzliche Freiluft-Bars und auch Grillstationen seien geplant, sagt Verena Altenhofen, Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn AG. In den einzelnen Gastrobetrieben gebe es jeweils angepasste Konzepte, die Sitzbereiche innen seien ausgedünnt, große Tische mit Trennwänden aus Holz oder Plexiglas geteilt. Die Fahrgastzahlen in den großen Gondeln habe man bereits im Sommer reduziert. In den Kabinen der Zugspitzseilbahn etwa dürfen nur noch maximal 80 statt 120 Personen mitfahren. Auf der Zugspitze soll der Skibetrieb am 13. November starten, in den anderen bayerischen Skigebieten will man loslegen, sobald es ausreichend schneit oder es kalt genug ist zur künstlichen Beschneiung.

Coronavirus Bayern: In Garmisch hofft man auf einen guten Winter

Im „Garmischer Hof“ von Daniel Schimmer ist die Buchungslage noch bescheiden. Doch mit den Erfahrungen aus dem Sommer – von Juni bis September lagen die Übernachtungszahlen in Garmisch-Partenkirchen trotz fehlender internationaler Gäste sogar über dem Vorjahreszeitraum – ist er guter Dinge, dass ein guter Winter folgt. Der macht in Garmisch-Partenkirchen rund 40 Prozent des Geschäfts aus. Zwischen 600 000 und 750 000 Skitouristen zählen die örtlichen Skigebiete.

Was nicht mehr passieren dürfe, sagt Schimmer, sei ein kurzfristiges oder undurchsichtiges Handeln der Politik. Beim Beherbergungsverbot etwa sei unklar gewesen, für welche deutschen Regionen es wirklich gegolten habe, findet Schimmer, der auch Garmischer Kreisvorstand im Hotel- und Gaststättenverband ist. „Jetzt kommt auch noch Stufe dunkelrot. Und als Nächstes noch violett?“ Dabei sei in den Hotels der Marktgemeinde bei 758 000 Übernachtungen in den Monaten nach dem Lockdown nichts passiert.

Schicksalsergeben hinnehmen, was die Politik entscheidet, will auch Margot Niedermüller nicht mehr. Wenn es, wie jüngst in Berchtesgaden, für das Spitzinggebiet die Anordnung geben sollte, schlagartig alle Gäste heimzuschicken, „sind die Hoteliers auch vorbereitet, dagegen auf die Barrikaden zu gehen“. Stefan Reich - *merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

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