Hilfe für Eltern

Lockdown an bayerischen Schulen: Distanzunterricht unausweichlich - Corona-Gipfel legt klare Linie fest

Am 11. Januar enden in Bayern offiziell die Schulferien. Wie es danach im Corona-Lockdown weitergehen soll, steht inzwischen fest.

Update vom 5. Januar, 22.27 Uhr: Bei dem Corona-Gipfel beschlossen Kanzlerin Merkel und die Länder-Chefs eine Verlängerung des Lockdowns und verschärfte Regelungen. Dies betrifft auch Bayerns Schulen. Bis auf Weiteres sollen Schulen und Kindertagesstätten im Freistaat geschlossen bleiben. Ministerpräsident Markus Söder stellte klar, dass es keinen Präsenzunterricht geben werde.

Nach Corona-Gipfel: Schulen in Bayern bleiben vorerst geschlossen - Hilfe für Eltern

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Stattdessen soll wird bis Ende Januar erst einmal Distanzunterricht und eine Notbetreuung angeboten. Ursprünglich war geplant, die Schulen im Freistaat bereits am 11. Januar wieder zu öffnen. Die vom Bund geschaffene Möglichkeit für betroffene Eltern, notfalls weitere Krankheitstage bei vollem Lohnausgleich einzureichen, bezeichnete Söder „als ganz starkes und wichtiges Angebot“.

„Wir wissen wie wichtig das für Eltern ist“, stellt Ministerpräsident Söder klar. Ebenso wisse man, wie wichtig Bildung und Bildungsabschlüsse seien, genauso wie die Lebendigkeit und gemeinsame Treffen mit Freunden. Söder: „Aber die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler und auch der Lehrerinnen und Lehrer steht jedenfalls als erster Punkt da, den es zu berücksichtigen gilt.“

Es habe sich gezeigt, dass das Coronavirus auch in Schulen und Kitas verbreitet werden kann. Das hätten internationale Studien ergeben.

Coronavirus in Bayern: Weiterhin viel zu hohe Zahlen - Kaum Hoffnung auf Öffnung der Schulen

Update vom 5. Januar, 7.30 Uhr: Wegen der weiterhin viel zu hohen Corona-Zahlen steht Bayern vor einer Verlängerung des harten Lockdowns bis Ende Januar. Vor der mit Spannung erwarteten Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin am Dienstag dürften sich auch die Schüler im Freistaat wohl kaum Hoffnungen auf baldige Schulöffnungen machen.

Schulen in Bayern: Lockdown-Verlängerung steht fest - Distanzunterricht wohl unausweichlich

Denn die Kultusminister der Länder hatten sich schon am Montag auf einen Stufenplan geeinigt, wonach Schulöffnungen überall nur dort möglich sein sollen, wo es das Infektionsgeschehen erlaubt. Legt man das vor dem Lockdown von Bund und Ländern formulierte Ziel mit einer Inzidenz von höchstens 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Region aus, dürfte es im Freistaat nur Distanzunterricht geben. Strittig sind lediglich Details, wie beispielsweise der Präsenzunterricht an Grundschulen.

Immerhin durften die Jüngsten in Bayerns Bildungssystem vor den Ferien noch in Schulen und Kindergärten gehen. Genau an diesem Punkt deutete sich für die Ministerpräsidentenkonferenz am Dienstag ein Auseinanderdriften bei den Bundesländern an. So könnten einzelne Länder ihre Schulen früher öffnen als etwa Bayern. Final beschlossen werden soll das weitere Vorgehen aller Voraussicht nach am Mittwoch bei einer Sondersitzung des Ministerrats in München.

Michael Piazolo (Freie Wähler) bei einer Plenarsitzung im Bayerischen Landtag.

Schul-Lockdown nach den Ferien in Bayern: Funktioniert die Lernplattform Mebis jetzt?

Bayerns Schüler, Lehrer und auch Eltern erwarten aber nach den Ferien auch noch eine andere Antwort auf ein seit langem bestehendes Problem: Wird die fehleranfällige Online-Lernplattform Mebis endlich stabiler laufen? Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) kann dies kurz vor dem Ferienende nicht sagen. Er sei aber „zuversichtlich“, dass es einen guten Distanzunterricht geben werde. Um das System vor Überlastung zu schützen, seien sowohl zusätzliche Speicher- und Serverkapazitäten eingerichtet worden, zur Handhabung solle es aber auch eine zeitliche Entzerrung bei der Nutzung geben.

Lockdown in Bayern: Ferien für Schüler könnten verlängert werden

Vor den Weihnachtsferien war Piazolo wegen wiederholt aufgetretener Probleme bei Mebis auch persönlich massiv in die Kritik geraten. Nicht nur die Opposition verlangte daraufhin seinen Rücktritt, auch aus den Reihen der CSU kamen solche Forderungen Piazolo sieht das gelassen: „Solche Begleitmusik muss man ausblenden, wenn man seine Arbeit machen will.“

Weiterhin für Diskussionen sorgt die Frage, ob das Vorziehen der Winterferien von Mitte Februar (15. bis 19.2.) direkt an das Ende der Weihnachtsferien sinnvoll wäre. Piazolo selbst steht dem offen gegenüber: „Das ist sicher eine Überlegung, die durchaus Sinn
machen kann.“

Update vom 3. Januar, 11.11 Uhr: Bereits vergangene Woche hatte sich der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (61, Freie Wähler) gegenüber dem Münchner Merkur sehr vorsichtig ausgedrückt, als es um die Frage ging, ob die Schulen in Bayern nach Ende der Weihnachtsferien am 11. Januar wieder in den normalen Präsenzunterricht starten können. In Hinblick auf die heftige Kritik, die seine Baden-Württembergische Amtskollegin Susanne Eisenmann (CDU) für ein In-Erwägung-Ziehen dieser Option eingesteckt hatte, stellte Piazolo fest: „Einen Präsenzunterricht am 11. Januar für alle halte ich für unwahrscheinlich.“ (Siehe Erstmeldung vom 30.12.)

Corona in Bayern: Öffnen Schulen nach den Ferien? Kultusminister Piazolo äußert sich

Eine Verlängerung des aktuell herrschenden harten Lockdown in Deutschland scheint nahezu beschlossene Sache. Doch gerade beim Thema Schule herrscht, wie bereits in vergangenen Diskussionen, Uneinigkeit. Piazolo selbst war vor den Weihnachtsferien bereits heftig in die Kritik geraten. Nach Verkündigung des Lockdown hatte sich herausgestellt, dass die bayerische Lernplattform Mebis trotz monatelanger Vorbereitungsmöglichkeiten noch immer nicht dem Zugriff aller Schüler standhalten kann. Nun hat der Kultusminister zumindest einen ersten Ausblick gegeben, wie in Bayern mit den Schulen verfahren werden könnte.

Schulöffnungen trotz Lockdown? Bayerns Kultusminister erklärt grobe Pläne für Bayern

Vor allem bei den jüngsten Schulkindern, den Grundschülern, hält Piazolo laut einem Statement in der Augsburger Allgemeinen, Wechselunterricht für eine sinnvolle Lösung. Da die Kleinen noch weniger selbständig lernen könnten, sei hier die Anbindung an den Lehrer wichtiger. Beim Wechselunterricht lernen die Kinder abwechselnd zu Hause und in der Schule, je nach Modell tage- oder wochenweise. „Wechselunterricht wäre für die Jüngsten eine Möglichkeit, wenigstens teilweise in persönlichem Kontakt mit den Lehrkräften zu bleiben“, so der bayerische Kultusminister.

Sonderweg für Bayerns Schulen? Kultusminister Piazolo äußert sich zu einheitlicher Corona-Strategie

Bei älteren Jahrgängen müsse man differenziert vorgehen, so der Kultusminister, je nach Jahrgangsstufe. Auch wie mit Abschlussklassen verfahren werde, muss noch diskutiert werden. Sollten die Beschlüsse, die auf der für Montag (4. Januar) geplanten Ministerpräsidentenkonferenz getroffen werden, nicht den Vorstellungen des bayerischen Kultusministeriums entsprechen, so hält Piazolo einen bayerischen Sonderweg für durchaus denkbar. „Bildung ist Ländersache, es kann durchaus sein, dass Bayern am Ende eigene schulpolitische Vorstellungen umsetzt“, so Piazolo in der AA.

Erstmeldung vom 30. Dezember 2020

München - Ein Blick nach Baden-Württemberg: Dort hat sich Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) weit vorgewagt. „Ich gehe davon aus und werbe sehr dafür, dass wir Kitas und Grundschulen in jedem Fall wieder in Präsenz öffnen und die Klassen 5, 6 und 7 sowie die Abschlussklassen im Blick haben – unabhängig von den Inzidenzzahlen“, sagte die CDU-Politikerin am Montag (28. Dezember).

Corona: Kultusminister Piazolo steht wegen der Lernplattform Mebis unter Druck

So weit würde ihr Kollege in Bayern nie gehen. Kultusminister Michael Piazolo (FW) ist vorsichtig. „Wir haben einen deutlichen zweiten Lockdown“, sagt er dem Münchner Merkur. Er steht vor schwierigen Januarwochen. Im Dezember war die ministerielle Lernplattform Mebis mehrmals unter der Last der Zugriffe zusammengebrochen. Dabei nutzten, wie das Kultusministerium jetzt mitteilte, nur ein Achtel der Schüler überhaupt die Plattform. Die CSU, allen voran Ministerpräsident Markus Söder*, hat deutlich gemacht, dass sie ab dem 11. Januar auf einen reibungslosen Unterricht am Computer pochen werden. Auch die Grünen drängen darauf, „schnellstmöglich einen Fahrplan“ für den weiteren Schulbetrieb vorzulegen. Es müssten „Eckpfeiler“ bestimmt werden, sagt die Grünen-Bildungspolitikerin Gabriele Triebel.

Piazolo steckt allerdings im Zwiespalt: Würden am 11. Januar alle 1,6 Millionen bayerische Schulkinder im Unterricht zu Hause verharren, würde das System trotz der über Weihnachten erfolgten weiteren Aufrüstung von Mebis ziemlich sicher wieder zusammenbrechen. Daher schließt Piazolo eine Verlängerung der Ferien, wie sie etwa der Deutsche Kinderschutzbund fordert, schon einmal aus. „Eine Verlängerung der Ferien brauchen wir nicht.“

Piazolo geht von einer Mischform von Präsenz- und Distanzunterricht aus

Allerdings hält es der Minister auch für unmöglich, alle Kinder wieder in die Schule zu schicken. Es werde sicher eine Mischform geben mit Wechsel- und Distanzunterricht. Auf Mebis allein will sich Piazolo nicht mehr verlassen. „Das ist nur ein Tool.“ Trotz Lasttests über Weihnachten „kann man nie ausschließen, dass es ruckelt“. Vorsichtshalber appelliert Piazolo (wie schon im Dezember) an die Schulleitungen, eine gestaffelte Nutzung zu organisieren. Die ersten Klassen könnten ab 8, die nächsten erst ab 9 Uhr Mebis nutzen, dazu werde es auch Vorgaben geben, sagt Piazolo gegenüber dem Merkur.

Noch schwierig vorherzusagen ist, welche Klassen ab dem 11. Januar noch zu Hause bleiben sollen – und wo beispielsweise Klassen halbiert und im täglichen Wechsel wieder in die Schulen gehen können. Klar sei, sagt Piazolo, dass die Grundschulen als erste öffnen würden. „Jüngere Schüler können weniger eigenständig zu Hause lernen.“ Auch die vierten Klassen hat Piazolo im Blick. Für sie gibt es am 3. Mai die Übertrittszeugnisse. Normalerweise bestimmt ein Notenschnitt – 2,33 oder besser reicht fürs Gymnasium –, welche Schulart das Kind ansteuern darf. Forderungen etwa des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), diesmal Eltern- und Lehrermeinung den Vorrang zu geben, lehnt Piazolo auch in der Corona-Pandemie* ab. „An dem üblichen Verfahren wollen wir festhalten.“ Die meisten Grundschulen hätten bis jetzt Präsenzunterricht gehabt und Proben geschrieben.

In Baden-Württemberg sieht sich Schulministerin Eisenmann nach ihrer freimütigen Ankündigung Angriffen in den sozialen Medien ausgesetzt. Der Twitter-Hashtag #EisenmannRücktritt machte bundesweit die Runde. Das hat man auch in Bayern registriert. Den Hashtag #PiazoloRücktritt ab dem 11. Januar würde der Minister jedenfalls gerne vermeiden. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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